10
tretenden Felde, nur mit dem Unterschiede, dass, während in Fig. 1 dieseVertiefung mit einem Spitzbogen überdeckt war, sie hier nur durch dieFig. 11 ersichtliche Ueberkragung abgeschlossen ist. Während also Fig. 1der Spitzbogen die Last der darüber befindlichen Mauer trug, ruht diesehier unmittelbar auf dem Thürbogen, oder eigentlich dem Bogen über demkleinen runden Fenster über der Thüre. Es ist dieses hier durch eineVerzierung von Schmiedeeisen ausgefüllt und könnte auch ohne Verglasungbleiben, was um so eher anging, als man ja in einiger Distanz hinter denHausthüren doch sogenannte Windfange anzubringen pflegt. In Fig. 12 isthier in der inneren Ansicht eine mögliche Art der Ausführung dieser Thürendargestellt, indem nämlich nicht wie gewöhnlich der Thürbogen über derZarge herläuft, sondern nur bis an dieselbe reicht, also in dem Grundrissdes Gewändes, Fig. 10, nur von a bis b geht, während der übrige Theilvon b bis c durch den in Fig. 12 mit b bezeichneten, mit dem Fenster-bogen concentrisclien Bogen getragen wird, so dass also die Zarge desFensters, wenn man eine solche anbringen wollte, gleich auf der Thürzargesässe. Es erlaubt diese Anordnung, mit der Unterkante der Zarge bis indie Widerlagerhöhe hinauf zu gehen, weil sonach immer doch noch Holzgenug stehen bleibt, so wie sich ingleichem eine Ausfüllung des Bogenfeldesdurch die Zarge selbst, ohne Aufmauerung auf dieselbe ergiebt,
In Fig. 1 reichte die Thürzarge bis auf die steinerne Thürschwelle,hier aber ist ein steinerner Gewändesockel angewandt, auf welchem zugleichdie Zarge steht. Es hat diese Anordnung, den Vortheil, dass die Glieder desGewändes auf einem Sockel von Werkstücken eine bessere Auflösung findenkönnen, als ohne Anwendung von eigensgeformten Stücken möglich ist.
Fig. 13. Ein ähnlicher Fall als der in Fig. 1 dargestellte, nur dasshier der Raum zwischen Thürbogen und Mauerbogen zur Anbringung kleinerrunder Fenster benutzt ist. Der äusserste Bogen tritt, wie bei a Fig. 16ersichtlich, durch sein Profil gegen die Mauer vor und bildet so ein Ueber-schlaggesims. Die Auskragung desselben ist auf den beiden Seiten derFigur verschieden gezeigt, indem die links angegebene Art, ohne Anwendungvon eigens geformten Stücken, durch einfach zugehauene Steine möglichist, während die rechts, und in Fig. 20 von der Seite gezeigte, nur durchsolche ermöglicht wird. Da hier der Rundbogen die eigentliche Last derMauer trägt, so sind die Thürbogen so wie die Fensterbogen nur einenhalben Stein stark angenommen, wobei jedoch einzelne Ziegel, wie aus derFigur ersichtlich, auf die hohe Kante gegen die Bogenlinie gestellt sindund so in den weissgeputzten Bogenfeldern den Nasen ähnliche Formen bilden.
Fig. 14 zeigt den Grundriss des Gewändes mit der auf der linkenSeite von Fig. 13 befindlichen Bildung vom Gewände und Sockel;
Fig. 15 den Grundriss zu der rechts gezeichneten, welche einen Rück-sprung mehr hat und nach dem Achteck schliesst;
Fig. 16 den Durchschnitt durch den Bogen;
Fig. 17 und 18 das Detail der verzierten Steine des Bogens in ver-grössertem Massstabe.
Tafel 21.
Zweiflügelige Thüren in Ziegelbau.
Fig. 1. Zweiflügelige Thüre mit zwei Fenstern daneben. Es ist hierein Vorsprung der ganzen Partie von 1 j., Stein vor der Mauerflucht an-genommen. Man gewinnt dadurch eine grössere Tiefe in der Thüröffnung.Statt diesen Vorsprung, wie hier geschehen, oben abzudecken, hätte erauch mit einer etwa darüber Hegenden Fensterpartie in Verbindung gebrachtwerden können, wo ein solcher Gewinn an Tiefe der Fensternisehe oft nocherwünschter ist. Das Spruchband über der Thüre ist gemalt gedacht. AllesUebrige erweist die Zeichnung.
Fig. 2. Grundriss hierzu. Fig. 3. Durchschnitt nach ab. Fig. 4.Grundriss bei c. Fig. 5. Durchschnitt durch die Fensterbrüstung d.Fig. 6. Aufsicht auf den Treppenbeischlag e. Fig. 7. Durchschnitt durchdenselben.
Fig. 8 stellt gleichfalls eine zweiflügelige Thüre mit Fenstern danebenvor. Auch hier liegt die ganze Partie um Stein gegen die Mauerfluchtvor. Unter dem Auflager der Rundbogen findet eine Auskragung von1 Stein statt, siehe Durchschnitt Fig. 12, und die oberen, die Krönungbildenden Bogen, sind gleichfalls um einen Stein ausgekragt, so dass manalso über diesem Bogen einen Vorsprung von 2 1 / 2 Stein hat, welcher garwohl zur Anlage eines Erkers oder Balkons benutzt werden könnte, fürwelchen Fall die ganze Anordnung entworfen ist. In der runden Vertiefungüber dem eigentlichen Thürbogen ist ein Kopf gemalt. Es ist dies eineVerzierungsweise, die in neueren Zeiten sehr beliebt geworden ist, freilichin einer andern Weise, als hier beabsichtigt. Man gehe jetzt nur durcheine der ärmeren Städte, und man wird aus allen Brüstungen, Friesen,Ecken und Winkeln, Myriaden von Köpfen hervorgucken sehen, die ursprüng-lich bald den Hermes, bald diesen bald jenen heidnischen Gott, in denhäufigsten Fällen aber auch gar nichts vorstellen sollten. So schön einesolche Zier lässt, wenn sie irgend Bedeutung hat auf die Familie des Bau-herrn oder nur auf einen bestimmten, mit dem Bau in Verbindung zubringenden historischen oder humoristischen Gegenstand, so sonderbar istdoch diese ganz bedeutungslose, in das Gewühl der Strassen hineinstarrendeSchaar. Recht drollig wird aber die Sache, wenn, wie auch häufig ge-schehen, zu einer beliebigen neben einander stehenden Anzahl solcherKöpfe nur ein Modell gemacht ist, so dass dann die ganze Familie darannach einer Seite hinguckt.
Fig. 9 ist der Grundriss hierzu;
Fig. 10 der Grundriss des Pfeilers bei a, wo derselbe aus der rundenGrundform in die viereckige übergeht;
Fig. 11 die Ansicht hiervon;
Fig. 13 der Durchschnitt durch die Fensterbrüstung fc;
Fig. 14 der Grundriss der Treppe.
Fig. 15. Zweiflügelige Thüre mit Oberlicht im Rundbogen. DasGewände wie der Bogen sind aus Backsteinen construirt, und nur die Wider-lagersteine, so wie die Bänke zu beiden Seiten der Thüre, sind von Hau-steinen angenommen. Die beiden Seiten der Thüre sind verschieden ge-zeichnet, können jedoch mit denselben Formziegeln ausgeführt werden. Dieauf der linken Seite im Bogen befindliche Hohlkehle ist, wie der Durch-
schnitt, welcher sich Taf. 22 Fig. 1 befindet, nur mit denselben Ziegelnj gemauert, welche überhaupt die Gliederung des Bogens bilden, geputzt unddann das Blattwerk aufgemalt. Durch die Widerlagersteine des Bogens istder ganze Bogen gegen das Gewände ausgekragt, welches, um die Bänkeanbringen zu können, mehr Vertiefung haben musste. Diese Widerlager-steine sind verschieden und könnten in dieser Verschiedenheit nicht füglichan einer und derselben Thüre angebracht werden. Der Vorsprung desTraufsimses läuft auf der einen Seite hinter dem schräg gestellten Wappen-schild aus, während auf der andern Seite dieser Vorsprung auf einem be-sonderen Kragsteine aufsitzt.
Fig. 16 zeigt den Grundriss des Gewändes;
Fig. 17 u. 18 das Detail der Verzierung über dem Bogen, welche auskleinen Platten von gebranntem Thon besteht, und
Fig. 2 in Taf. 22 zeigt die Ansicht des auf der rechten Seite derThüre befindlichen Widerlagersteines, welcher hier durch zwei auf einanderbeissende Bestien verziert ist.
Tafel 22.
Verschiedene Thüren in Ziegelconstruction.
Fig. 3. Zweiflügelige Thüre mit Balcon darüber.
Fig. 4. Der Grundriss des Gewändes. Die Anfanger des Bogens,welche Fig. 5 in der Ansicht und Fig. 6 im Grundriss dargestellt sind;ferner der Schlussstein, welcher, wie der Durchschnitt Fig. 8 erweist, zu-gleich den Anfang für die Auskragung des Balcons abgiebt; die beidenSteine zwischen Schluss und Anfänger des Bogens und der Gebäudesockel,sowie der Sockel des Gewändes, welcher in Fig. 6 im Grundriss gezeigt ist;dann der ganze Balcon, der nach drei ganzen und zwei halben Seiten einesregulären Achtorts gebildet ist, sind aus Hausteinen angenommen. Wennin der Praxis dergleichen vermischte Constructionen vorkommen, ist es vonsehr guter Wirkung, auch in der ganzen Mauerflucht Schichten von Werk-stücken mit den Ziegelschichten wechseln zu lassen, so dass etwa nach vierZiegelschichten eine 18 Zoll starke Lage Werkstücke folgte. Ein Beispielhierfür findet sich an einer nur noch in Trümmern stehenden ehemaligenKlosterkirche zu Lübeck.
Fig. 9. Eine grössere Thüre in Ziegelconstruction. Wie der Grund-riss in Fig. 10 erweist, springt das Gewände um 2 Steine gegen die Mauer-flucht vor, welcher Vorsprung oben bis zur Bildung eines Balcons benutztist (siehe den Durchschnitt Fig. 11), dessen Platte, so wie Deckung desGeländers, aus Werkstücken angenommen sind. Zu beiden Seiten desBogens befinden sich zwei Bildsätilchen, deren Schaft aus Ziegelmauerwerk,das Kapitäl und der Sockel dagegen aus Werkstücken angenommen wurden,so wie auch der ganze Gewändesockel aus solchen gebildet ist.
Fig. 19 zeigt die Grundrissconstruction der Bildsäulen in vergrössertemMassstabe.
Fig. 20 giebt den Grundriss des Kapitals;
Fig. 21 u. 22 die verschiedenen Kapitaler in grösserem Massstabe.
Die punktirte Linie abc in Fig. 19 ergiebt das äussere Achteck derBaldachine, die Linie defg das äussere Achteck der Kapitaler, welches inder Weise gefunden wurde, dass die Distanz hi in d in zwei gleiche Theilegetheilt ist.
Fig. 12 giebt die Construction der Baldachine im Grundriss.
Fig. 13 zeigt, wie die Masse des Grundrisses zur Höhenbestimmungdes Aufrisses benutzt sind. Der Sockel der kleinen hängenden Strebepfeilerbildet einen Würfel, an welchem nach innen, wie o in Fig. 12 zeigt, durchAnsetzen des halben Überort gestellten Quadrats die Anfänge der das Ge-wölbe des Baldachins bildenden Rippen gebildet sind. Es ist dann de imAufriss gleich 1 / 2 Pi im Grundriss; de gleich pq-, ca gleich der Distanzzwischen rs und pq\ ab gleich ac im Grundriss; af gleich ab im Grund-riss; fg gleich dm. im Grundriss; gh gleich 3mal to im Grundriss; Iii gleichac in Fig. 15. Die Linien suv deuten an, wie der Grundriss für den imAufriss mit fg bezeichneten Theil gefunden ist. In Fig. 15 zeigen sich dieGrundrisse der Theile fg und gh des Aufrisses über einander.
Fig. 16 zeigt eine Seite des oberen überort gestellten Achtecks;
Fig. 14 den Grundriss des Zinnenkranzes bf und des darüber befind-lichen Theiles fg.
Fig. 18 den Grundriss des obersten Zinnenkranzes.
Fig. 17 zeigt, wie der Baldachin durch das Profil der Balkenplattedurchwächst. Die Distanz zwischen Kapital und Baldachin beträgt 3mal denDurchmesser des innerhalb des äusseren Achtecks des Baldachins beschriebenenKreises.
Fig. 23 zeigt die Abrundung der Treppenecken. Die Thürzarge istvon Holz angenommen, so wie auch das die Ausfüllung des Spitzbogensbildende Bildwerk aus eichenen Bohlen geschnitzt und dann in den natür-lichen Farben bemalt werden kann.
Tafel 23.
Thüren in Steinhauerarbeit.
Fig. 1. Rundbogige Thüre mit zwei Sitzen in der Mauertiefe. Esweicht die Anordnung derselben von der auf Taf. 21 gezeigten darin ab,dass sie hier eigentlich in diagonaler Richtung angebracht sind, indemwenigstens die Rückwand derselben oder das Thürgewände die Richtungder Diagonale hat. Es kommt diese Anordnung an mittelalterlichen Thürenund an solchen aus der Renaissancezeit, selbst an Thoren, besonders inSachsen sehr häufig vor, oft abweichend von dem hier gezeigten Falle inder Art, dass der Sitz nicht wie hier nur aus der Mauerstärke gebildet ist,sondern gegen die Mauerflucht vorspringt (s. Fig. 21), welche Anordnunghauptsächlich durch geringere Mauerstärke motivirt ist. Wenn nun auchin jetziger Zeit sich die Leute sehr wenig mehr vor die Thüre setzen, mit-hin solche Bänke, in grösseren Städten wenigstens, nicht sehr benutztwerden würden, so bilden sie doch eine schöne Zier einer Hausthüre, undjedenfalls eine bedeutungsvollere, als so manche in neueren Zeiten angewandteganz zwecklose. Es führt diese Anordnung zugleich auf eine eigenthüm-liche des grössten Reichthums und der grössten Verschiedenheit fähigeBildung des Gewändes.