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weiter aber die Fuge deckt. Auch kann man leicht bei Thürflügeln eineConstruction annehmen, die das Anschliessen derselben an die Form derUeberdeckung ermöglicht.
Sonderbar ist jedenfalls die übertrieben sein sollende Consequenz, wo-mit so Manche, schriftlich freilich nur, diese Frage behandeln. Da findetman die Behauptung, dass, wenn einmal an der Haustliüre oder den Fensterneines Hauses ein Bogen angewendet sei, man auch wohl die Flügelthürenim Inneren nach dieser Form bilden müsse. Das hätte auch seine Richtig-keit, wenn eben nur der mindeste Grund dafür vorhanden wäre. Man con-struirt aber in gewöhnlichen Fällen die Thüren im Innern auf eine ganzandere Weise als die äusseren Thüren, indem man selbst in den Gegenden,wo mit Sandstein gebaut wird, doch nicht Sturz und Gewände jeder Thüraus Werkstücken macht, sondern in allen gewöhnlichen Fällen das Ver-fahren kurz das ist, dass man in der Mauer eine Oeffnung macht und diesemit einem Bogen überspannt. Nun aber wird entweder eine Blockzargeeingemauert, die eben schon den Grund für die viereckige Form derZimmerthüren abgiebt, oder aber die Thür schlägt an ein hölzernes Futter,welches in die Tiefe der Mauer gesetzt und mit einer Bekleidung von Holzversehen wird, so dass man den gemauerten Bogen verdeckt, und zwar mitReeht, denn das, was sich dem Auge darbietet, ist Holzconstruction, nichtSteinconstruction, und die Holzconstruction führt eben in diesem Falle aufdie viereckige Form. Will man freilich mit diesem schlichten Holze mitHülfe weisser Lackirung Marmorgewände herbeizaubern, dann sind die jetztgewöhnlich in Anwendung gekommenen innern Thüren, die den Marmor-thürgewänden griechischer Tempel nachgebildet sind, am Platze. Nun aberist dabei zu bemerken, dass, wenn das Gewände nebst Sturz, Fries-Ver-dacliung und Consolen mittelst der weissen Farbe Marmor vorstellen soll,die Tliüre selbst, die doch auch weiss angestrichen wird, auch Anspruchmachen kann, als solcher angesehen zu werden, was doch eigentlich, selbstwenn man wirklich in Marmor baute, für eine Thür ein unbequemes Materialsein würde.
Kommen wir nun auf die Grösse der Thüren, so findet man beineueren Bauten fast durchweg von den grössten bis zu den kleinsten herabFlügelthüren. Es spricht sich hierin schon ein gut Stück des würdigenCharacters der neuern Zeit aus. Weil an dem und dem Haus, welchesvermöge seiner Grösse und Wichtigkeit, wegen des Reichthums des Erbauersin einer kostbareren, grossartigeren Weise durchgeführt ist, Flügelthürenvorkommen, die da wegen der ganzen durchgeführten Einrichtung undLebensart des Besitzers mit dem Uebrigen harmoniren, meint nun Jeder,der nur irgend die kleinste Baracke baut: „Flügelthüren muss ich auchhaben." Es ist sonst das ganze Haus auf die einfachste Weise durchge-führt und könnte, wenn diese Einfachheit überall echt beibehalten wäre, inseiner Art vollkommen schön sein, aber es soll eben nicht so sein, eswerden Dinge verlangt, die in den ganzen Character des Hauses nicht passen,und dadurch eben wird das Ganze lächerlich. Eine Thüre richtet sich zu-nächst nach dem, was durchgehen soll, und da hat man für die gewöhn-liche Benutzung mehr Raum in einer einfachen Thüre, als in einer doppelten,wo man fast immer den einen Flügel zuhält. Es wäre also nur beim Um-ziehen etwa der durch Oe.ffnen beider Flügel zu gewinnende grössere Raumwünschenswerth, aber auch da reicht gewöhnlich der Raum, den eine ein-fache Thür gewährt, aus. Die Vortheile aber der einfachen Thüren liegeneinestheils darin, dass für ein kleines Haus und auch für ein grosses füruntergeordnetere Zwecke eine kleine Thür besser passt als eine grosse, dasssie weniger kostet und weniger Platz einnimmt, was oft sehr angenehmist, denn eine breitere Thüre erfordert eine grössere Höhe und nimmt alsoden Raum für eine etwa darüber befindliche Schrifttafel oder Wappen oderFenster weg. Freilich macht man jetzt häufig die Thüren so durchbrochenund mit Gusseisen verziert, dass der einer Thür zu Grunde liegendeCharacter der Festigkeit ganz verloren geht, wogegen doch jedenfalls dieAnbringung eines Fensters über der Thüre vorzuziehen ist. Es ist nichtder Zweck dieser Zeilen, die Anwendung der Flügelthüren verwerfen zuwollen, aber man geht zu weit damit und hat die kleineren einfachen ganzabgeschafft.
Fig. 1 zeigt eine solche in verschiedenen Hälften; auf der linkenSeite ist das Gewände anders profilirt, als der Sturz, indem es nämlichdurchaus nicht nothwendig ist, dass sie das gleiche Profil haben. Die Pro-filirung des Gewändes ist zunächst aus der Abkantung der Ecke hervor-gegangen, muss also derart gebildet werden, dass sie der Berührung mög-lichst wenige scharfe Kanten bietet, während das Profil des Sturzes mitRücksicht auf das Abfliessen des Wassers gebildet wird, wo also scharfeUnterschneidung am Platze ist.
Fig. 2 zeigt, wie der Rundstab des Gewändes in die Hohlkehle desSturzes stösst.
Fig. 3 zeigt die Bildung des Gewändes;
Fig. 5 das Aufsitzen desselben auf der herumgekröpften Sockelfase;die rechte Seite giebt ein anderes reicheres Gewände.
Fig. 4. Der Grundriss desselben.
Fig. 6. Die Verbindung mit dem Sockel von der Seite gesehen.
Fig. 7 zeigt eine etwas grössere Thüre, deren Gewände durch denan dem Sockelvorsprung in die Höhe laufenden Rundstab vortritt; obenschliesst sie mit einem Traufsims. Auf der rechten Seite ist der Stab ge-wunden dargestellt. Das Profil des Gewändes läuft bis auf die Thürschwellehinab, was jedoch nur dann angeht, wenn, wie die punktirte Linie ab zeigt,die Anfange des Profils an der Schwelle sitzen, sonst ist es immer vorzu-ziehen, die Glieder in einer entsprechenden Höhe über dem Fussboden auf-laufen zu lassen, wie die übrigen Figuren Beispiele genug bieten.
Fig. 11 zeigt eine Thüre, in deren Sturz eine Inschrift befindlich ist.Die Bildung dieser Schrift geht aus Fig. 13, 14 u. 15 hervor. Es istnämlich der Grund der Schrift zurückgesetzt und die Buchstaben liegen mitder Flucht der Platte, ab Fig. 14, gleich, d. h. in der Weise, dass der zu-rückgesetzte Grund hinter den Buchstaben oben und unten von geradenLinien cdef begrenzt ist. Die Theile der Buchstaben, die über diese Liniehinausreichen, sind in den Stein schraffirt, wie das h, dessen DurchschnittFig. 15 ist, zeigt, so dass also von dem Grunde nur so viel weggenommenist, als zur Bildung der Buchstaben erforderlich und diese zwischen denstehen bleibenden Pfosten eingeschlossen sind, was der ganzen Schrift ein
correctes stylgemässes Aussehen giebt, welches dem Ganzen zur Zier ge-reicht, während man den modernen, mit lateinischen Buchstaben gemachten,wenn auch noch so schön vergoldeten Inschriften diesen Vorzug nicht nach-rühmen kann.
Fig. 12 zeigt das Profil des Gewändes.
Fig. 16 giebt eine Flügelthüre. Da bei gerader Ueberdeckung diegrössere Weite eine grössere Höhe bedingt, es aber überflüssig sein würde,die Flügel der Thüre so hoch zu machen, so ist über der Thüre ein Ober-licht angenommen worden, welches mit eisernen Stangen gesichert werdenkann. Da man bei Anwendung von Sandsteingewänden keine hölzerneThürzarge braucht, so kann man auch kein hölzernes Losholz anbringen,muss daher ein Werkstück durchgehen lassen, welches gegen die Thüreschlägt und welches so die Thüre von dem Fenster scheidet. Der Durch-schnitt Fig. 17 zeigt die Anordnung desselben.
Fig. 18 ist der Grundriss der Thüre. Nothwendig würde hier überden Sturz ein Schutzbogen geschlagen werden müssen. Die Profilirung derThüre ist hier in der Zeichnung etwas zu schwer geworden; leicht werdensich andere Masse finden, wonach sie zierlicher werden könnte.
Fig. 19 zeigt gleichfalls eine Flügelthüre;
Fig. 20 den Grundriss. Die Thüre ist hier höher angenommen, alsim vorhergehenden Beispiel, wodurch das ganze Verhältniss gewinnt. DerSturz ist durch das daran sitzende Traufgesims verstärkt.
Tafel 11.
Verschiedene Thüren.
Fig. 1. Eine einflügelige Thüre mit geradem, kragsteinartig gestütztenSturz. Die Thürbreite ist in drei Theile getheilt, welche für die Aus-kragungen, die hier mit am Sturz sitzen, massgebend sind. Richtiger würdedie Construction sein, wenn das Laubwerk in den Kragsteinen so eingerichtetwäre, dass eine Fuge mit der Unterkante des Sturzes hindurchgegangenwäre und somit die Kragsteine besondere Werkstücke wären. Die Thür-höhe bis zum Anfang der Kragsteine beträgt die doppelte Breite. Da derThürflügel erst hinter der Mauer liegt, so braucht ihr äusserer Umriss derGestalt der Kragsteine nicht zu folgen. Indess wäre gerade eine solchegenagelte Thüre leicht danach zu bilden gewesen.
Fig. 2 ist der Grundriss des Gewändes;
Fig. 3 der Durchschnitt durch den Sturz;
Fig. 4 eines der Eckblätter in vergrössertem Massstabe.
Fig. 5. Eine zweiflügelige Thüre mit Oberlicht,
Fig. 6 zeigt im Grundriss die Construction des Gewändes aus zweiüberort gestellten Quadraten. Es zerfällt diese Gliederung in zwei Theile,von welchen der eine mit ab bezeichnete Theil die äussere Einfassung, derandere Theil bc aber den eigentlichen Thüranschlag, so wie das Masswerkdes Oberlichtes bildet. Aus dem Durchschnitt
Fig. 10 wird ersichtlich, wie dieser Theil bc Oberlicht nach innenein anderes Profil erhält, als im Thüranschlag, was natürlich durch denveränderten Zweck bedingt ist. An den hier mit a bezeichneten Falz legtsich das Glas mit seiner Bleifassung. Macht man Sandsteinwände an einerThüre, so ist jede hölzerne Zarge von Ueberfluss. Irrig ist wohl die An-sicht, als würde dadurch ein dichterer Schluss der Thüre bewirkt. DurchWeglassung der Zarge entsteht aber die Notwendigkeit, das Querstückderselben, — im Falle, wie liier, ein Oberlicht angebracht ist, — ausSandstein zu bilden. Es ist hier gleichfalls aus der Gliederung bc gebildetund durch die nach demselben Profil gearbeiteten Kragsteine unterstützt.Man hat also dann für das Oberlicht einen viereckigen, von Sandstein-gewänden begrenzten Raum. Da man nun solche Fenster nicht zu öffnenbraucht, fällt jeder Grund, hölzerne Rahmen anzubringen, weg, und ist diehier gegebene Art der Verglasung die natürlichste, wobei das sonst anzu-wendende Sprosswerk durch das durchbrochene Masswerk von Stein ersetztwird, welches zugleich eine sehr wirksame Zier für die ganze Thüre ab-giebt. Die Kragsteine sind hier in den Ecken verziert. Man würde natür-lich nicht an ein und derselben Thüre so verschiedenartige Verzierungenanwenden, wie hier geschehen, indess ist Verschiedenheit hier durch die Artder Arbeit geboten, und ist es thöricht, hier aus Rücksicht auf SymmetrieGleichheit erzielen zu wollen. Ein richtiger Steinhauer macht eben so leichtzwei verschiedene als zwei gleiche Kragsteine, und wenn er überhaupt Lustund Liebe zu seiner Arbeit hat, macht er sie lieber verschieden. Für denBeschauer ist es jedenfalls auch interessanter, solche Theile verschieden zusehen. Freilich hat man es durch die moderne Manier, wobei alle solcheDinge gleich sein müssen, dahin gebracht, dass es keine Beschauer derselbenmehr giebt. Es ist durch die gebräuchliche schlechte Ausführungsweise inGips oder Cement so gekommen, aber einmal ist es eine sehr würdeloseVerzierungsweise, wonach man ein Ornament 10, 15 oder mehrmal abgiessenlässt und dann an den entsprechenden Theilen des Gebäudes herum klebt(was würde man von einem Manne sagen, der der Symmetrie halber inseinem Zimmer dieselbe Lithographie mehrmals aufhängen wollte?); dannaber hat man leider in neueren Zeiten eine Ausführung in Stein der inPutz nachgebildet, und daher hauptsächlich erklärt sich diese ermüdendeGleichheit. In dem vorliegenden Falle hätte man auch jede andere Ver-zierung von Laubwerk, Masswerk, selbst durchbrochenem, Figuren, Thierenetc. anwenden können.
Fig.8 zeigt den Horizontaldurchschnitt durch ein Wangenstück der Treppe.
Fig. 9 die Aufsicht auf dasselbe.
Fig. 11. Eine zweiflügelige Thüre.
Fig. 12. Der Durchschnitt durch Sturz und Oberlicht.
Fig. 13. Der Grundriss des Gewändes. Es ist hier der Sockelvor-sprung um die Thür herumgeführt und oben, behufs der Bildung einesTraufsimses, nochmals herausgekröpft.
Fig. 15 zeigt den Durchschnitt durch den Sockel und die Ansichtgegen die aufsteigenden Glieder des Thurmvorsprungs;
Fig. 16 die Seitenansicht gegen das Traufsims.
Fig. 14 ist die Ansicht gegen das Gewände von Innen. Alles Uebrigewird aus der Zeichnung ersichtlich sein.