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Details für Stein- und Ziegel-Architectur im romanisch-gothischen Style : Sockelprofile, Gesimse, Bogenfriese, Fenster, Luken, Giebel, Erker, Balkons, Thürme, Schornsteine, Thüren, Thore, Treppen, Gewölbe und sonstige Einzelheiten in Stein und Ziegel ; ein Vorlagewerk für Architecten, Steinbildhauer und Schulen
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ganzen Strassen und Städten einen hohen Reiz geben, und darauf sollteman doch eigentlich hinarbeiten, nicht auf die Wirkung, welche die Fa<;adeauf dem Papier macht, und auch da sind es nur unsere verwöhnten Augen,die das Verschwinden des Daches wünschenswerth machen. Ist man erstdurch Zwang eine Zeit lang veranlasst worden, steile Dächer zu bauen undseine Entwürfe danach zu bilden, so mag man später nicht mehr lassen vonder liebgewordenen Weise. Wenn Winkelmann bei seiner Rückkunft ausItalien unwohl ward über die steilen Dächer in Deutschland, so beweist dasnur, dass er durch seine Studien und die Zeitrichtung heimischem Wesenentfremdet war, und dürfte für uns, die wir das hoffentlich nicht sind, keinenGrund abgeben, die Dächer flach zu machen. Selbst in dem Talle, dassman mit Metall deckt, welches eine flachere Neigung des Daches zulässt,ist es durchaus nicht widersinnig, der steileren Lage den Vorzug zu geben,denn man soll nicht bloss auf eine Reihe von Jahren bauen, sondern manmuss bauen, als ob es immer stehen sollte, und dass die Metalldachung beisteilerer Lage die flachere weit überdauert, ist sicher, abgesehen davon,dass die oben hervorgehobenen Vortheile eines steilen Daches hinsichtlichdes Bodenraumes dieselben bleiben.

In Fig. 14 ist ein sogenanntes Winkeldach angenommen, wo der Firsteinen rechten Winkel bildet. Die Ziegel der Dachdeckung fassen über denGiebel mit Ausschluss der horizontalen Theile an beiden Seiten und des ab-getreppten Schlusses in der Mitte, welche ihre eigene Bedeckung erhalten.Es ist ein Mauerwerk aus abwechselnden Schichten rother und schwarzerSteine angenommen. In der Mitte ist eine Luke, zu beiden Seiten derselbenFenster. Alles Uebrige wird aus der Zeichnung ersichtlich sein.

Fig. 15 stellt einen noch steileren Giebel dar, es ist hier ein gleich-seitiges Dreieck zum Grunde gelegt. Die Dachziegel fassen über den Giebel,wonach derselbe, da hier eine Dachconstruction mit Aufschiebungen ange-nommen ist, nicht in einer geraden Linie ansteigt, sondern in einer ge-brochenen; den Winkel, den Sparren und Aufschiebling gegen einanderbilden, gleicht man in der Lattung aus, so dass eine kleine Krümmung derGiebellinie entsteht, was in der Ausführung oft von sehr guter Wirkungist. Da die, die Mauerpfeiler verbindenden Blendbogen hier nahe an dieGiebellinie reichen, und durch die kleinen Bogen verziert sind, so ist einebesondere Verzierung der Giebelmauer überflüssig.

Tafel 12.

Derselbe Gang in der Darstellung wie auf der vorhergehenden Tafelmit Beziehung auf Sandsteinconstruction von Giebelmauern.

Fig. 1 ist eine Giebelmauer mit Holzconstruction. In der Mitte isteine Luke, die nach einem flachen Spitzbogen überdeckt ist, welcher Bogen,die Widerlager abgerechnet, aus zwei Stücken besteht; zu beiden Seitender Luke sind zwei kleine Fenster, deren Rundbogen denselben Zirkel haben,als die Anfänger des Bogens der Luke. In der Mitte über der Luke isteine Oeffnung zum Durchstecken des Windebalkens, der hier unter demSchutze des vorstehenden Giebels sehr gut anzubringen ist. Die Sohlbankdieser Oeffnung hat in der Mitte einen Kragstein, der das Auflager desWindebalkens bildet und der bei Fig. 3 und 4 in vergrössertem Massstabegezeichnet ist.

In den beiden Winkeln des Giebels sind noch zwei kleinere Fensterangebracht, deren eines gerade geschlossen, das andere nach dem Vierpassgebildet ist.

Fig. 2 zeigt das Profil der Gewände sämmtlicher Oeffnungen;

Fig. 5 die Ecke in vergrössertem Massstabe.

Die Art Giebel, welche in dem vorigen Blatte in mehreren Beispielenaufgeführt sind, wobei die Giebelmauer mit unter dem Material der Dach-deckung liegt, fällt bei Ausführung in Sandstein weg, weil die Mauerab-deckung in Sandstein vollkommen gut zu bewerkstelligen ist, währendZiegelmauern, nach welcher Form man sie auch bilden mag, erst mit Dach-ziegeln abgedeckt werden müssen. Man hat also hier auch nur die zweiArten Giebel in's Auge zu fassen, die sich danach unterscheiden, ob dieGiebelmauer in ihrer äusseren Form der Richtung des Daches folgt oder ineiner dem Charakter der Mauer entsprechenden Form sich erhebt. Imersteren Falle muss dieselbe ebensowohl sich etwas über das Dach erheben,damit dieses auf der inneren Seite dagegen anstossen kann.

Fig. 6 zeigt ein solches Beispiel, wo auf der linken Seite die Deckungin der Weise bewerkstelligt ist, dass die Werkstücken kein eigentliches Auf-lager in der Mauer haben, sondern nur durch das unterste horizontal liegendeStück gehalten werden, welcher Construction allerdings nicht das Wort zureden ist, wobei aber im Vergleich gegen die auf der rechten Seite gezeigteeinige Ersparniss stattfindet.

Fig. 7 zeigt die Aufsicht von der Seite. Die ganze Giebelmauer, sowie der oberste Theil der Langmauer sind hier durch das in Fig. 25 und26 gezeigte Gesims übergekragt.

Fig. 8 zeigt die Aufsicht auf das wagerechte Stück a. Auf derrechten Seite dagegen ist die Abdeckung auf die richtigere Weise bewerk-stelligt, indem die dieselbe bildenden Stücke ihren richtigen Verband mitder Mauer und so ihr gehöriges Auflager haben, es ist daher hier derwagercchte Schluss auf der Seite nicht bedingt, und das Gesims des Giebelsläuft um die Ecke herum und bildet hier zugleich den Sims der Zinnen,wie aus der Ansicht Fig. 9 hervorgeht.

Fig. 10 zeigt den mittleren Theil des Giebels mit dem Gesims unddem darin angebrachten Masswerk in vergrössertem Massstabe.

Fig. 11 giebt den auf der linken Seite angebrachten Dreipass in derAnsicht;

Fig. 12 das Profil der Seiten.

Fig. 13 das der Nasen desselben.

Fig. 14 stellt einen ganz flachen Giebel eines Daches dar, welcheszur Noth begangen werden könnte, und ist deshalb die Giebelmauer mehrin der Gestaltung einer Brüstungsmauer mit Zinnen versehen und nur durchdie Erhöhung in der Mitte die Form des Daches angedeutet. Die Säulchenauf den Seiten sind nur Verzierung und nur dadurch statthaft, dass dieGiebelmauer frei steht, also keinen eigentlich constructiven Zweck erfüllt,sondern nur als Brüstungsmauer anzusehen ist, daher man auch berechtigtist, ihr eine freiere Gestaltung zu geben. Diese Säulchen sowohl, wie alle

übrigen Theile, sind aus dem Grundriss geometrisch construirt, und zwarist diese Construction aus den Fig. 16 bis 20 ersichtlich.

Fig. 16 zeigt den Grundriss bei a, Fig. 17 bei b, Fig. 18 bei c;

Fig. 19 Kapital, Schaft und Sockel der Säule;

Fig. 20 das Profil des Gesimses an der Langseite;

Fig. 15 die Seitenansicht der Giebelmauer. Der rechten Seite desGiebels ist eine ganz abweichende Gestaltung gegeben, indem hier dieZinnen mit Masswerk verziert, so wie auch die Säulchen abweichend ge-bildet sind.

Fig. 22 zeigt den Giebel zu einem Winkeldach.

Die Construction der auf den Seiten sich erhebenden Pfeiler zeigtFig. 23 u. 24.

Tafel 13.

Verschiedene Arten Backsteingiebel für steilere Dächer.

Es sind die hier gegebenen Beispiele nur schwache Versuche im Ver-gleich zu den herrlichen Arbeiten der Art, welche man noch in den altennorddeutschen Städten bewundern kann, aber aus diesen Versuchen schonwird ersichtlich, welche reiche und herrliche Wirkung durch eine solcheBauweise erzielt werden kann, ungerechnet den Vortheil, dass alle dieseGegenstände in der Ausführung gewinnen, was man allerdings dem grösstenTheile der modernen Architectur nicht nachrühmen kann, die nur am bestenaussieht, so lange sie noch mit möglichst dünnen und zarten Lichtlinienund dunkleren Schattenlinien auf dem Papier steht.

In Fig. 1 ist ein ziemlich reicher Treppengiebel gegeben. Die Ab-treppungen erheben sich zinnenartig über das Dach und folgen demselbenin ihrem äussern Umriss, dessen Lauf durch die Buchstaben a b bezeichnetist. Die mittlere grössere Zinne hat zwei Durchbrechungen, deren Profilaus dem Durchschnitt Fig. 2 hervorgeht, jede der beiden folgenden eine,und die beiden äusseren nur eine weissgeputzte Vertiefung. Die Abdeckungender Zinnen haben ihren Fall nach dem Dache zu, die der Zwischenräumenach aussen und sind sämmtlich durch S-Ziegel bewirkt.

Fig. 2 zeigt den Durchschnitt durch die Durchbrechung der Nischenund der darunter befindlichen Fenster;

Fig. 3 durch die Mitte der Friese unter den Fenstern. Die Zwischen-räume der Zinnen sind durch in Putzgrund gestellte Formziegel verziert,wovon schon in Tafel 5 verschiedene Beispiele gegeben sind.

Fig. 4 zeigt den Grundriss des mittleren Pfeilers zwischen den beidenDurchbrechungen der Nische;

Fig. 5 den der Seitenpfeiler.

Fig. 6 giebt den Dreipass unter diesen Durchbrechungen in grösseremMassstabe. Zur Zusammenstellung des inneren Dreipasses in dieser Figur,gegen welchen die drei äusseren Bogen mit gewöhnlichen Ziegeln gewölbt sind,dienen dieselben Formziegel, welche schon zu den Friesen verwandt sind.

Fig. 7 zeigt den Durchschnitt hierzu. Das Mauerwerk des Giebelsist als aus rothen und schwarzen Ziegeln bestehend angenommen. Aller-dings ist die Erhöhung und Durchbrechung der Zinnen zunächst nur eineVerzierung, aber die Abtreppung der Giebelmauer ist die einfachste undnatürlichste Form, welche man ihr geben kann, und da ist denn das hiergegebene Beispiel nur eine weitere Ausbildung dieser Form, jedenfalls einesehr wirksame Verzierung.

Fig. 8 stellt ein einfacheres Beispiel dar. Die Eintheilung der Treppenrichtet sich hier nach der für den ganzen Giebel angenommenen Theilungdurch gemauerte mit Bogen verbundene Pfeiler. Die Richtung des Dachesist durch die punktirte Linie angegeben und oben durch die Durchbrechungsichtbar. Die Fenster der Giebelmauer gehen auf die verschiedenen Bödenüber den Kehlbalken. Die beiden mittleren, zunächst über der Dachbalken-lage befindlichen, sollen noch zur Beleuchtung eines wohnbaren Raumesdienen, daher sie grösser gemacht sind, während die übrigen auf Boden-kammern gehen.

Fig. 12 zeigt den Grundriss des Eckpfeilers an der Durchbrechungin der Mitte;

Fig. 14 den Mittelpfeiler;

Fig. 9 den Durchschnitt nach ab cd-,

Fig. 10 die Seitenansicht. Zu bemerken ist hierbei, dass man diesefreistehenden Giebelmauern selten stärker als 1 Stein findet, wenn wir auchin dieser Figur ein Beispiel gegeben haben, wo die eigentliche Giebelmauerstärker ist. Freilich trifft man auch an alten Gebäuden sehr viele Fälle,wo diese Giebel durch Eisen an des Dachwerk angeankert sind; ob einesolche Vorsicht, die jedoch in den meisten Fällen wohl erst in späterer Zeit,nicht bei der Erbauung vorgenommen ward, nothwendig war, lässt sichschwer entscheiden. Sachverständige in den Städten, wo dergleichen vor-kommt, behaupten es. Jedenfalls liesse sich diese Noth wendigkeit durchein Verstärken der Giebelmauer vermeiden, wenn auch dadurch viel vondem kühnen, zierlichen Aussehen dieser Giebel verloren gehen würde.

Fig. 13 ist das Detail der gemauerten Kreise;

Fig. 14 der Durchschnitt hierzu.

Fig. 15 zeigt einen kleineren, sehr reichen Backsteingiebel, dessenMotiv von alten Dachbauten des Meissner Rathhauses entlehnt wurde. Dortist leider das ganze Mauerwerk überputzt, so dass die eigentliche Con-struction unsichtbar ist.

Fig. 16. Der Grundriss eines der Fensterpfeiler mit der Zarge.

Fig. 17. Der Durchschnitt durch Fensterbrüstung und Gebälk.

Fig. 18. Die gemalte Verzierung in den gemauerten Vertiefungender Fensterbrüstung.

Tafel 14.

Treppengiebel in Sandsteinausführung mit übergekragtem Erkerthurm.

Es ist hier die Grundlinie des Daches gleich der Höhe desselben.Die Treppen sind, wie Fig. 13 in grösserem Massstabe zeigt, mit Mass- undLaubwerk geziert. Die ganze Giebelbreite ist in 11 Theile getheilt, hier-nach bestimmen sich die Treppen. Diese Theile geben das Mass für dasdem Thürmchen zum Grunde liegende Sechseck, indem sie der Distanzeiner Seite des Sechsecks abedef in Fig. 3 vom Mittelpunkt z gleich sind.