;i'ior, wie hier angenommen wurde, alle Formen aus dem reinen Material^onstruirt werden sollen, so wird man mit dem Byzantinischen nicht weitreichen und ganz unwillkürlich sich dem Gothischen nähern müssen. ImZiegelbau, der seiner ganzen Natur nach weit geringere Freiheit gestattet,zeigt sich diese Erfahrung am ersten bestätigt, denn wir glauben, wenn einnoch so enthusiastischer Byzantiner ein derartiges Gebäude ausführen sollte,und nicht etwa zu einer fast ganz von terra cotta vorgeblendeten Architectursich bequemen will, was indess die Umstände gewöhnlich von selbst ver-bieten, und wenn er dabei die grösste Zweckmässigkeit der Formen undmöglichst lange Dauer des Baues vor Augen hat, so würde der Bauganz von selbst eine den gothischen Backsteinbauten ähnliche Gestalt be-kommen, aus denen ohnedem schon so manche Details unwillkürlich in denmodernen Rundbogenstyl übergegangen sind.
Tafel 10.
Verschiedene Sandsteingesimse.
Fig. 1. Ein gezinneltes, mit Wappenschildern in den Zinnen, einemLaubfries und diesen unterbrechenden Dachfenstern. Das Profil ist wegenMangel an Raum nicht angegeben, lässt sich aber mit leichter Mühe ausdem Aufriss finden, da es sich überall zeigt, wo die Gesimsglieder gegendie Fasen laufen, welche hier die äussere Seite des Fenstergewändes bilden.Die Fugen der einzelnen Werkstücke sind angegeben, müssen jedoch je nachden Materialverhältnissen verschiedene Modificationen erleiden, nur das Systemdes rechtwinkligen Durchschneidens der Profilirungen muss in allen Fällenfestgehalten werden.
Fig. 2. Ein Lukenaufbau von Stein, in Verbindung mit einem ge-zinnelten Gesimse. Es versteht sich von selbst, dass so verschiedene Zinnen,wie die hier gezeigten, nicht neben einander gestellt werden dürfen, sondernverschiedene Beispiele darstellen. Sehr geeignet erscheint, wenn man ver-zierte Zinnen anwendet, hierzu Masswerkverzierung, wie hier ein einfachesund in Fig. 7 ein reicheres Beispiel zeigt.
Der die Lukenöffnung scliliessende Rundbogen ist, wie aus Fig. 4 er-sichtlich , übergekragt.
Fig. 3 zeigt den Durchschnitt durch die Luke, Fig. 4 durch die Zinnen,nebst Seitenansicht des Lukenhauses.
Fig. 5 giebt ein reicheres Gesims mit Bodenfenstern darin undeiner durchbrochenen Galerie darüber, die zunächst motivirt wäre, wenndas Haus oben mit einer Terrasse schlösse, oder wenn wenigstens ein Um-gang hinter der Galerie angebracht ist. Hier ist wegen Mangel an Raumnur die Rinne in dem Durchschnitt Fig. 6 dahinter gezeigt, sehr leicht aberlässt es sich auf die eben bezeichneten Fälle umformen, da man in derMauerstärke und der Gesimsausladung Raum genug für einen solchen Um-gang hat und das Dach wie die Rinne füglich weiter zurückliegen können.Die Construction ist aus der Zeichnung ersichtlich.
Fig. 7. Ein mit Masswerk, verzierten Zinnen, versehenes Gesims mitFenstern darunter. Hier läuft die Deckung der Zinnen um die äussere Formderselben ununterbrochen herum, während in den früheren Beispielen ent-weder das Profil derselben sich nach den Seiten herumkröpfte oder recht-winklig abgeschnitten war.
Fig. 9. Ein mit kleineren Zinnen versehenes Hauptgesims.
Fig. 10. Durchschnitt hierzu.
Fig. 11 bis 14 zeigen noch verschiedene Arten der Zinnenbildung,deren weiterer Erklärung wir uns entheben können. Schliesslich bemerkenwir nur noch, dass sämmtliche in diesen Blättern aufgeführten Figuren nachden Grundsätzen der Construction aus dem Achtort und Sechsort entwickeltsind, soweit dieses einestheils bei solchen abgerissenen Details möglich,andererseits bei Ziegelmauerwerk mit der Grösse der Ziegel vereinbar war.Nicht genug kann diese Art empfohlen werden, wenn auch in diesen Blätternder Raum fehlt, auf ihre Entwicklung näher einzugehen, was ohnehin denInhalt eines selbstständigen Werkes ausmachen würde, und in Hoffstadt'svortrefflichem gothischen A-B-C mit der grössten Kenntniss dargestellt ist,auf welches Werk wir hiermit Alle, die den Ernst haben, sich gründlichdamit zu beschäftigen, verweisen müssen.
Tafel 11.
Verschiedene Backsteingiebel.
Giebel giebt es eigentlich zwei Arten; die eine, wo die Dachbedeckungüber die Giebclmauer fasst, die andere , wo diese isolirt sich erhebt in einerdem Material, woraus sie ausgeführt ist, entsprechenden Form und wo dasDach dahinter liegt. Von jeder dieser Arten lassen sich nun nach derNeigung des Daches, nach dem Material der Mauer etc. noch mehrere Ab-tlieilungen machen. Wir wollen jedoch hier zunächst diese beiden Haupt-unterschiede in der Darstellung festhalten. Was nun die erste Art betrifft,so unterscheiden wir hier zunächst die eigentlichen hölzernen Giebel, wiedergleichen in Tyrol häufig vorkommen und die dadurch gebildet werden,dass die Schwellen, auf welchen die Sparren aufgekämmt sind, über dieGiebelmauer hinausreichen und in einiger Entfernung von derselben, die sichnach der angenommenen Sparrenweite richtet, ein gleichsam freischwebendesSparrenpaar tragen. Es hat diese Art viel für sich, sit; kann jedoch haupt-sächlich nur bei Dächern unter einem rechten Winkel, dann aber sehr wohlin Verbindung mit massiven Mauern angewandt werden. Es gilt hier das-selbe, was schon bei den Dacbgesimsen gesagt ist. Will man einmal einweit überstehendes Gesims haben, dessen Vortheile in manchen Fällen sehrin die Augen tretend sind, so ist es immer weit einfacher und vernünftiger,die Holzconstruction des Daches, die diesen Vorsprung von selbst hergiebt,zu benutzen, als mit grossem Aufwände von Mitteln den antiken analogeSandsteingesimse herzustellen, welche mit der Dachdeckung nur schlechtzusammenpassen und deren Sandstein daher häufig nur fingirt und sehr oftehrliches Tannenholz mit einem Ueberzug von Gyps, Blech, Zink oder ge-hobelten Brettern ist.
Es ist schon bemerkt, dass nur für flache Dächer sich diese Art eignetund dass dann hinsichtlich der Maurer- und Steinhauerarbeit an dem Giebelnur von der Anordnung und Ausschmückung der unter dem Giebeldach be-findlichen Mauer die Rede sein kann.
Ungewitter, Stein- und Ziegel-Architectur.
Fig. 1. giebt ein solches Beispiel der einfachsten Art, wo die Sparrenauf einer Schwelle aufgekämmt sind, die unmittelbar auf den Dachbalken auf-gekämmt ist. Es ist hier nicht am Platze, reiche Verzierungen am Mauer-werk anzuwenden, da einestheils die eigentliche Giebelfläche sehr klein ist,anderntlieils aber der Hauptschmuck durch die Holzconstruction bewirkt ist.Aber auch bei dieser hüte man sich vor gar zu grosser Zierlichkeit. Sehrweise sind hierbei, wie in allen Fällen, die Alten verfahren, die beim Holz-bau die Füllbretter, welche sich dem Auge von aussen zeigen und zuneigen,mit Malerei und Schnitzwerk zierten, Unteransichten aber, die dem Augeabgeneigt sind, immer unausgeschmückt Hessen. Man muss jede Verzierungsparen, wo sie überflüssig, um Geld zu haben, solche da anzuwenden, wosie am Platze ist.
Fig. 1 zeigt einen ziemlich flachen Giebel, bei welchem Schiefer alsDeckmaterial angewendet ist. Die rechte und linke Seite von Fig. 1 stellenverschiedene Beispiele vor. In der rechten Seite sind die darin angebrachtenOeffnungen nicht oben wieder mit Mauerwerk geschlossen, sondern die Dach-deckung bildet zugleich die Ueberdeckung dieser Oeffnungen, wie aus demDurchschnitt Fig. 2 ersichtlich ist.
Fig. 3 zeigt die Ansicht nach Hinweglassung der vorderen Sparren.Es bleibt hier zwischen der eigentlichen Mauer und dem Dach ein offenerRaum stehen, den man, wenn man will, auch mit einem Brett schliessenkann. Hier ist eine Ueberkragung des ganzen Giebels angenommen. Aufder linken Seite scliliesst die Giebelmauer in der Richtung der Dachfläche,wie Fig. 5 deutlicher zeigt. Fig. 6 ist der Durchschnitt durch das Fenster,Fig. 4 der Grundriss eines Fenstergewändes.
Fig. 7 zeigt gleichfalls in zwei verschiedenen Hälften einen flachenGiebel. Hier ist die Zeichnung des Holzwerks weggelassen.
Fig. 8 giebt die Verzierung der Bogen der Blenden in grösseremMassstab in Ansicht und Durchschnitt.
Fig. 9. Der Grundriss der Ueberkragung des Giebels.
Fig. 10. Die Verzierung in den Mauerblenden der linken Seite.
Fig. 12. Ein Giebel, bei welchem nur das Material der Dachdeckungüber die Giebelmauer fasst. Es ist hier eine Theilung der Giebelmauerdurch vorgemauerte Pfosten angenommen, welche oben durch den Blend-bogen sich wieder vereinigen. Es kommt eine solche Theilung, wobei immerdie Pfeiler durch mehrere Stockwerke hindurchgehen, an mittelalterlichenBauten an den Giebelmauern sehr oft vor, sehr selten aber an den Lang-seiten, vermuthlich deshalb, weil auf den Langmauern die Balken aufliegen,hier also eine Verstärkung der Mauer an einzelnen Stellen nicht begründeterscheint, indem die Mauer durchweg das gleiche Gewicht zu tragen hat,die Giebelmauern aber ohne solche Belastung in die Höhe ragen und nurdurch eiserne Anker, die dann auf diese Pfeiler treffen, mit dem Gebälkeverbunden sind. Der Scliluss nach der Form eines gedrückten Spitzbogensist hier gewählt wegen der ziemlich parallelen Richtung der Giebelmauer.Die letzten Schichten der Giebelmauer werden durch eine aus den gefasetenSteinen, womit auch die Fenstergewände und Pfeilerecken gemauert sind,gebildete Rollschicht, deren Fugen senkrecht gegen die Giebelmauern laufen,ersetzt. Da man nun diese Rollschicht nicht an den Seiten bis an das Endedes Giebels führen kann, weil hier die Steine herunterfallen würden, soist man genöthigt, hier von der Giebellinie abzugehen und eine andere Formzu wählen. Die einfachste Art ist in solchem Falle die in Fig. 14 dar-gestellte, welche sich jedoch wohl nur bei einer steileren Riehtung desGiebels günstig darstellt, indem die horizontale Linie gegen eine so flachgeneigte einen allzu stumpfen Winkel bildet. Es wurde deshalb vorgezogen,in diesem Falle noch einige Schichten aufzumauern und dann dieser Auf-mauerung die aus Fig. 12 und der Seitenansicht Fig. 13 hervorgehendeForm zu geben. In gleicher Weise würde man, wenn man in der Mitteden Giebel mit dem Dachfirst schliessen wollte, wieder einen zu stumpfenWinkel erhalten, und ist deshalb auch hier der viereckige Schluss vorge-zogen worden, so dass das aufgeführte Stück Mauer über das Dach empor-ragt und seine eigene Abdeckung, die, wie aus Fig. 13 ersichtlich, nachdem Dache zu fallt, erhält. Es kommt ein analoges Verfahren in dergriechischen Architectur vor, indem auch hier die Mitte und die Seiten derGiebel mit Akroterien oder Figuren geziert sind. Das Uebrige wird ausder Zeichnung hervorgehen. Bis jetzt sind nur Beispiele flacher Giebelgegeben worden, nicht als sollten diese flachen Dächer sehr empfohlenwerden; im Gegentheil, die Erfahrung von Jahrhunderten zeigt uns, dasswir in unserm Klima und bei dem uns zu Gebote stehenden Material zumeistauf steile Dächer angewiesen sind. Trotz aller neuen Erfindungen, trotzZink, Asphalt etc. wird man mit einem Ziegeldach doch am sicherstendecken, und ein solches erfordert, wie sich in den meisten Fällen heraus-gestellt hat, mindestens einen rechten Winkel im First, um genügendeSicherheit zu gewähren. Da man aber diese Dachflächen oft unterbrechenmuss, indem man häufig Wiederkehren, Dachbauten, Aufbauten etc. bedarf,so entstehen hier Kehlen, welche dann in einem weit flacheren Winkel ge-neigt sind, indem die Diagonale der Höhe die Grundlinie des diese Neigungbildenden Dreiecks ausmacht, was, da die Eindeckung hier besonders schwierig,fast immer naclitheilig wirkt. Es liegt hier ein ganz analoger Grund fürBildung, steilerer Dachflächen unter, als der die Entstehung der Spitzbögenin Gewölben veranlasst hat, um die Diagonalrippe nach einem Rundbogenbilden zu können. Und die Erfahrung zeigt, dass alle die alten steilenDächer Jahrhunderte hindurch sicher gedeckt haben, ein Vorzug, der denmodernen flacheren nicht nachzurühmen ist. Ein weiterer Vortheil ist dieGewinnung eines schönen Bodenraums, der an den Giebelmauern noch zuWohnungen nutzbar, vorausgesetzt, dass diese Licht haben und der in jedemFalle für wirthschaftliche Zwecke sehr erwünscht ist. Wendet man flacheDächer an, so muss man in den meisten Fällen erst ein niedriges Stock-werk aufbauen, um diesen Bodenraum zu gewinnen, und erzielt auf dieseWeise mit weit höheren Kosten Bleikammern. In grösseren Städten werdendiese Räume oft noch bewohnt. Wer aber einen solchen Raum bewohnthat, wird Erfahrungen gemacht haben, die ihm die Benennung Bleikammernrechtfertigen. Freilich hält man die hohen Dächer für unästhetisch. Nun,wir dächten, der Anblick einer alten Stadt, wo diese Dächer noch zu sehensind, im Vergleich zu den dachlosen neueren, müsste zur Genüge beweisen,auf welcher Seite der Vortheil liegt, wie diese ruhigen Dachflächen, welchedurch Dachfenster, Erker, Schornsteine etc. vielfach unterbrochen sind, gerade
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