260
Ludwig IV. und der Papst.
erlauben Wir euch, zur Erleichterung solcher Auslagen übereuer Grundeigentum jeglicher Art, sei es über oder unterder Erde, zum Vortheil eurer Stadt frei zu verfügen.
In einer andern deutschgeschriebenen Urkunde vom S.Laurentiustage (10. Aug.) 1346, ausgegeben zu Frankfurt(Quix 338), lobt der Kaiser Richter, Schöffen, Bürgermeister,Rath und gesammte Gemeinde des königlichen Stuhls zuAchen wegen ihrer steten Treue gegen ihn und gegen dasReich und will derselben zu allen Zeiten gedenken und Allesdas thun, was ihnen lieb, nützlich und gut sei. Da sie aneinem Ende des Reiches sitzen, so will er und so befiehlt erihnen, dass sie nicht aus seiner Stadt Achen ausfahren sollen,um ihm selber oder einem Andern zu dienen; er will aber,dass sie in seiner Stadt Achen bleiben, die Stadt und seinenköniglichen Stuhl allda hüten und bewahren zur Ehre undzum Nutzen des Reiches; auch versieht er sich zu ihrerTreue und Liebe zu ihm, dass sie kein Gebot, keine Bot-schaft vom Papst von Rom (der Papst residierte um dieseZeit in Avignon), noch von Jemanden sonst, er sei geistlichoder weltlich, empfangen, die gegen ihn oder gegen dasReich sei; er bittet und befiehlt, Leben und Gut solcher,welche eine ähnliche Botschaft bringen, seien sie Pfaffen oderLaien, um seinetwegen anzugreifen; sollten sie darum vonJemanden angegriffen, bekriegt oder belagert werden, so ge-lobt er, ihnen zu helfen, sie zu entsetzen, auch den Schaden,den sie erleiden, gänzlich zu vergüten.
Aber die für Deutschland verhängnissvolle Regierung,die mit langjährigem Bürgerkrieg begann und mit ungesclilich-tetem Streite mit der Kirche und mit Spaltung und Schwächedes Vaterlandes schloss, war ihrem Ende nahe. Die rücksichts-lose Vergrösserung der Macht seines Hauses, welchem er auchdie erledigte Mark Brandenburg verliehen hatte, entzog ihmdie Gemüther der geistlichen und weltlichen Grossen, welcheihn bis dahin unterstützt hatten. Diese, von dem Königevon Frankreich begünstigt, hatten, schon vor dem Erlass derUrkunde an Achen vom 10. August, am 11. Juli des Jahres1346 zu Rense den Markgrafen Karl von Mähren aus demIlause Luxemburg zum Könige erwählt. Fünf berechtigteWahlfürsten hatten ihn erhoben: Gerlach von Nassau, Gegen-