Der Graf wird erschlagen.
199
wozu nach Gründen suchen in einer Zeit der Willkür, woso häufig das Recht des Stärkeren die Gewaltthat zu sanc-tioniren schien. Graf Wilhelm hielt seine Pläne auf denBesitz Achens zur Ausführung reif. Sein Sohn Walram warProbst des dortigen reichen Marienstiftes. (Quix, 226, 227.)Es ist unbekannt, ob derselbe irgend einen Antheil an demUnternehmen gehabt hat. Es wird ausdrücklich angegeben,dass der Graf von Jülich Anhänger in der Stadt gehabt,was bei seiner Stellung zu derselben nicht auflallen kann.Bei seinem grossen Ansehen im Lande und seiner festbe-gründeten Ilausmacht konnte es ihm nicht schwer werden,diejenigen Streitkräfte aufzubieten, welche ihm hinreichendschienen, sich in den Besitz der Krönungsstadt zu setzen.Gegen neun Uhr Abends brach er mit einer berittenen Krie-gerschaar von vierhundertachtundsechszig Edeln und Reisigenmit seinem ältesten Sohne Wilhelm und zwei natürlichenSöhnen durch ein Thor, welches nicht näher bezeichnet wird,ohne Zweifel aber das Kölnermittelthor war, das ihm seineAnhänger in der Stadt öffneten, in Achen ein. Ungehindertdrang er mit seinen Kriegern unter dem Rufe: Julia, Julia,nostra domina! bis auf den Markt vor, hier den Zuzugseiner Anhänger erwartend; aber die überraschten Bürgerhatten sich bald von ihrem Schrecken erholt, waffneten undsammelten sich, theilweise die Zwischenmauern ihrer nachdamaliger Bausitte engen und leichten Wohnungen durch-brechend, drängten den Grafen und die Seinigen unter stetemblutigen Kampfe, in welchem auf beiden Seiten zahlreicheOpfer fielen, bis zur Jakobstrasse hinauf, wo er von Metz-gern, die ihn in der Dunkelheit nicht gekannt haben sollen,der jetzigen Mastrichtergasse gegenüber vor dem Kloster derWeissen Frauen mit seinen Söhnen erschlagen wurde. r )
So endete das stürmevolle Leben eines Mannes, der,wie kaum ein Anderer, das Abbild einer fehdelustigen, ge-walttätigen und alle Satzungen bürgerlicher und religiöserAnordnungen verachtenden Zeit war, den wir bei allen Feh-den, welche unsere Gaue heimsuchten, betheiligt finden, der
l ) Pistorius, rerum germ. seript. III. 290 oder magnum chron.Belgie. — Brosii ann. Jul. 42. — Schaten, ann. Paderb. XI. 134.