Berichte über die Eröffnung des Grabes. 83
Altmarlc, Nordsachsen, belehnt waren, abstammend, leitetdie Erzählung über die Eröffnung des Grabes Karls desGrossen durch Otto III. mit einem verdeckten Tadel desLetzteren ein. Derselbe habe nämlich die alte zum Theilvöllig vergessene Gewohnheit der Römer zu seiner Zeit wiedereinzuführen gewünscht, Manches gethan, was Verschiedeneverschieden beurtheilt, habe allein an einer halbkreisförmigenTafel, und höher als die Uebrigen gesessen, und fährt dannfort: »Da er (Otto III.) darüber in Zweifel war, wo dieGebeine Karls ruhten, liess er da, wo er sie vermuthete,heimlich nachgraben, bis sie in dem königlichen Sarge ge-funden wurden. Das goldene Kreuz, welches an dessen Halsehing, mit einem Theile noch unversehrter Gewänder nahmer heraus und legte das Uebrige wieder mit grosser Ehr-furcht an seine Stelle.« Diejenigen, welche gestützt auf eineStelle des Fortsetzers der Chronik des Sigebert zum Jahre1165 (Pertz, Mon. SS. VIII. p."411.): »Man erhob die Ge-beine aus dem marmorenen Sarge und legte sie in denhölzernen Schrein«, annehmen, Otto III. habe die GebeineKarls des Grossen in den berühmten Proserpinakasten legenlassen, finden in der oben S. 75 geschilderten BeisetzungKaisers Otto II. in einem antiken Sarkophage den Beweis,dass am Ende des zehnten Jahrhunderts die Benutzung einesheidnischen Kunstwerkes zu einem christlichen Grabmal selbstin Rom kein Bedenken erregte. Die grösseren Kölner Jahr-bücher, früher Chronik von S. Pantaleon, zum Jahre 1166lassen die Gebeine Karls des Grossen vom Jahre 814 biszum Jahre 1166, also dreihundert zwei und fünfzig Jahre,in dem Sarkophage ruhen. (M. SS. XVII. p. 779.) Man durftein den Quedlinburger Jahrbüchern zum Jahre 1000 denausführlichsten und authentischsten Bericht über die Auf-findung der Gebeine Karls des Grossen erwarten, weil dasQuedlinburger Stift in der engsten Beziehung zur kaiserlichenFamilie stand. Hier ruhten König Heinrich I. und seineGemahlin Mechthild (Mathilde) und die 999 verstorbene Mech-thild, Kaisers Ottos des Grossen Tochter, welche Aebtissinvon Ouedlinburg und während des zweiten Zuges Ottos III.nach Italien 997 Reichsverweserin war; auch Ottos III.Schwester Adalhgid war Aebtissin desselben Klosters. Und
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