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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.
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seien. Der Leser mag endlich darüber befinden, ob unser Fratenur aus dem Grunde, weil er von einem solchen Menschen demTode überliefert ward, der Märtyrerkrone nicht würdig sei, ob-schon er doch sein Leben für die evangelische Wahrheit in dieSchanze schlug. Wie daher der Heiligkeit Peter Cölestinskein Abbruch dadurch geschah, daß er von B o n i f a z VIII. imKerker ermordet wurde, aus Furcht, er könnte neuerdings aufden Päpstlichen Stuhl erhoben werden, von welchem er ihn bös-willigerweise verdrängt hatte, ebenso schadet es weder vor Gottnoch in den Augen verständiger Menschen dem Andenken desFrate, daß er von einem Alexander VI. dem Tode überantwortetwurde 511 .
Razzi war ein Ordensmann von peinlicher Gewissenhaftigkeit,welchem es vollkommen ferne lag, gegen einen Nebenmenschen,und nun gar gegen das Oberhaupt der Christenheit, ungerecht-fertigte Vorwürfe zu schleudern. Als er heranwuchs, gab es nochLeute genug, welche die furchtbaren Tage der Borja miterlebt,den tragischen Ereignissen, welche sich damals in der EwigenStadt abspielten, als Augenzeugen mitangewohnt hatten. Sokonnte er noch im Alter aus dem reichen Schatze seiner Erinne-rungen schöpfen und aus dem Treiben der Borja manche Einzel-heiten mitteilen, wie sie nur wohlunterrichteten Zeitgenossen be-kanntwaren. In der Tat wird ja auch, was er vom ärgerlichen LebenAlexanders vor und nach seiner Thronerhebung und besondersvon seiner Vorliebe für schamlose Tänze und Komödien sagt,durch anderweitige unanfechtbare Zeugnisse vollauf bestätigt.,.Heute", berichtet der venezianische Botschafter Justinian", „be-schäftigte sich der Papst nach dem Mittagessen den ganzenTag mit Lustbarkeiten, zuerst mit dem Zuschauen bei Wett-rennen, dann mit Anhören von Komödien, an welchen er großesGefallen hat, und häufig läßt er für sich allein eine vortragen,heute aber war sie öffentlich, und es nahmen viele Kardinäle anihr teil, einige in ihrer Kardinalstracht, andere in Masken, unddazu jene Gesellschaften (von Dirnen), wie sie dem Papste zubehagen pflegen, und eine von ihnen kauerte zu Füßen desHl. Vaters." „Gestern abend", schreibt derselbe Gesandte einandermal 7 , „war ich im Vatikan zur Abendtafel beim Papste undwohnte bis fast Tagesanbruch den herkömmlichen Lustbarkeitendes Papstes an, woran Frauenzimmer beteiligt waren, ohne welche