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Aus dem alten Münster : Erinnerungen, Skizzen und Studien
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wesen sein sollte — erst damals zwangsweise zu vollen Stein«fassaden über den Bogengängen an den einzelnen Häufernumgestaltet worden sein.

Wann immer die Marktanlage mit den Bogengängenund hohen Giebeln beschlossen und durchgeführt worden ist,Voraussetzung war bei den Bürgern Willigkeit, Wohlstandund die Absicht, den Marktverkehr zu heben. Ebenso beweistsie neben dem Vertrauen auf die eigene Kraft auch einwechselseitiges Vertrauen zwischen Stadtherrn und Bürger-schaft.

Für den Charakter der münsterschen Bogenhäuser istdie Frontstellung der Schmalseite zur Straße entscheidend.Bei den, zu ungefähr gleicher Zeit, von den Herzögen vonZähringen durchgeführten, zahlreichen Städtegründungenwurde in der Regel die Breitseite des Hauses zur Straßegerichtet. Das führte dazu, daß die Dachtraufen in derStraßenfrontlinie liegen, die Brandmauern bis zur Dach-first die Häuser trennen. In einzelnen ihrer Städte war esPflicht, die Ecken der „Orthäuser" massiv auszuführen;dann war das Überspringen des Feuers über die Gassekaum zu befürchten. Diese Anordnung entspricht auch mehrdem Fachwerkbau. Mir ist aus der Geschichte der münsterschenBogenhäuser kein Fall bekannt, daß eine Reihe von ihnenniedergebrannt wäre. In den Zähringer Städten hatte derSteinmetz höchstens Bossenquadern zurechtzuhauen, inMünster wetteiferten die Nachbarn darin, die Hausteine derGiebel bis oben hinauf künstlerisch auszugestalten, fast insUnmögliche! Längst hat die Baupolizei an der 1612 errichte-ten Fassade meines großelterlichen Hauses das Halbrad zuoberst am Giebel und auf den Staffeln die Obelisken ent-fernen lassen.

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