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2 (1923)
Entstehung
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242
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242 Zehntes und elftes Buch. Ende der Gesellschaft. Ihre Bedeutung. § 123

schaft, die nicht ihre Gesellen so leicht fortjagen konnte, wenn siesich übel benahmen, wie die Fugger und andere mit Angestelltenarbeitende Firmen.

Es ist leicht, sich über die großen Gesellschaften, ihre Gewinne,ihren Wucher zu entrüsten, aber man darf nicht übersehen, daß ohnesie auf den Frankfurter Messen, dann auf den Leipziger, die Italiener,Spanier, Engländer die Gewinne eingestrichen hätten, die so inDeutschland blieben. Wenn die Eeichsstädte sich zumeist durchihre Rathäuser, Kirchen und Bürgerhäuser, die aus jenen Tagenstammen, vor den Landstädten auszeichnen, so verdanken das jamanche der Gunst ihrer Lage inmitten einer reichen Bauernschaft,Augsburg, Nürnberg und manche kleine oberdeutsche Stadt mußdiese Blüte dem Fernhandel zuschreiben, der dem örtlichen Gewerbeerst recht die Absatzmögüchkeiten schuf. Der Spanier hätte nichtvon Ravensburg selbst die Leinwand geholt, und die Barchent-weber von Ulm und Augsburg hätten viele Tage des Jahres feiernmüssen, wenn der Fernhandel wäre unterbunden worden. Selbstdie Geschicklichkeit und Erfindungsgabe der Nürnberger Metall-arbeiter hätten die Blüte Nürnbergs nicht erhalten können.

Deutschland hatte dank der Erträgnisse seiner Bergwerke, aberauch dank der Arbeit seiner Gewerbe und seiner Kaufleute damalseine aktive Handelsbüanz. Die Zeit trieb Luxus, und die Folgenblieben nicht aus. Aber in den Klagen darüber mischen sich auchdie Stimmen des Adels, der den Unfug mitmachte, ohne daß seineMittel im gleichen Grade wuchsen. Und wenn man die Büanz desgeistigen Lebens zieht, hat denn der Adel jener Zeit mehr geistigeKräfte geliefert als dieser Handelsstand der Reichsstädte, der anZahl viel geringer war?

Die religiösen Stiftungen der Gesellschaften sind zu allermeistuntergegangen, nur Bauten, die zu ihnen gehörten, stehen noch,und hier und da hängt noch ein Totenschild an den Pfeüern einerKirche. Die Ravensburger Gesellschaft zeigt in den Resten ihrerPapiere am deutlichsten, was eine Gesellschaft von Kaufleutenauch im religiösen Leben bedeutete.

Anderthalb Jahrhunderte hat sie bestanden und war der Rück-grat des wirtschaftlichen Lebens nicht nur in Ravensburg gewordenund gewesen und blieb der Tüchtigkeit der dortigen Bürgerschaftstolzeste Erinnerung. Die Geschichte der Ravensburger Gesellschafthat nicht von den häßlichen Ablaßgeschäften der Fugger zu reden,nicht von der betrügerischen Abrechnung der Welser, nicht vondem schmählichen Bankrott der Höchstetter. Der Mörlinhandelmag übel gewesen sein, aber sonst haben wir nichts gesehen, alswas die Elle der Moral noch als leidlich durchgelassen hätte.

Ein ganz seltener Fund hat uns die Möglichkeit gegeben, einentiefen Einblick in das deutsche Handelsleben einer schweren unddoch glücklicheren Zeit zu tun, als die ist, in der wir leben.

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