Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

232 Fünftes Buch. Soziale Bedeutung der Gesellschaft, zur Kultur. § 32

Weder in den Ratslisten seiner Vaterstadt findet man ihn noch hatihn Kindler von Knobloch in seinem Stammbaume der Blarer unter-bringen können. 1

Ein sicherlich bedeutender Versuch der Porträtkunst liegt hiervor, nur schade, daß sie einem offenbar ziemlich nichtigen Gesellengewidmet ist. Übrigens waren Bürger öfter Ordensjäger, wie derKonstanzer Grünenberg, der Augsburger Ilsung und namentlichdie Nürnberger Ketzel. Unser Heinrich könnte immerhin einmalin Saragossa dem Handel obgelegen haben.

Das Muntpratsche Geld zusammen mit seinen Einnahmen ausluzernischen Ämtern und französischen Pensionen machte aus demSchultheißen Jakob von Hertenstein einen großen Kunstfreund.Zwar ist sein Luzerner Bürgerhaus, das außen und innen von demjugendlichen Hans Holbein dem jüngeren aufs reichste war be-malt worden, nicht mehr vorhanden, und nur wenig glücklicheKopien eines Teiles dieser Gemälde halten mit einem kleinen er-haltenen Beste uns das Heim eines vornehmen Staatsmannes derinneren Schweiz und des Ehegatten einer Muntpratschen Erbinvor Augen. Jakobs zweite Gemahlin Anna Mangoltin, die er 1495ehelichte, hatte zwar schon kurz vor November 1512 die Augen ge-schlossen, und schon hatte er einen neuen Ehebund mit Ursula vonWattenwyl geschlossen, ja ehe die Gemälde vollendet wurden, hatteihm schon seine vierte Gemahlin Anna von Hallwyl einen Sohufge-schenkt, doch der Plan zum Baue war während der zweiten Ehe 1511gefaßt worden; die Ausmalung fällt ins Jahr 1516 und 1517. Aufdem Bilde der Patrone der Familie knien die fünf 1517 lebendenKinder.

Die sich entfaltende Kunst des größten deutschen Porträtmalershat wahrscheinlich auch Einzelbilder der Eltern und vielleicht auchder beiden ältesten Söhne geschaffen. Erst vor einem Jahrzehnttrat aus der Dunkelheit der Benedikt von Hertenstein nun inNewyork hervor, das erste deutsche Halbbüd, ein Werk volledler Schönheit. 2 Wie Dürer beim Kröll den Hintergrund teüte,so hat Holbein den 21jährigen jungen Mann vor die Ecke einesZimmers gestellt, an dessen Fries ein römischer Triumphzug, wieer das Hertensteinsche Haus schmückte, dargestellt ist. Das weiche,fast mädchenhafte Antlitz hat noch nicht des Lebens Mühe gesehenund der Ringe Fülle und Pracht wie die schwere von der Mutterererbte goldene Kette zeigen den Reichtum. Ein gelbes samt-verbrämtes Reitergewand, das über das Ohr herabhängende Barett,da s Schwert an der Seite zeigen den jungen Ratsherrn zum Ritte

1 Nähere Nachforschungen über die Person wären sehr erwünscht. Über dasBild vgl.Weizsäcker im Jahrbuch der kgl. preuß. Kunstsammlungen, 33, 96f.Abbildung dort Tafel 9.

a Frölioher, Die Porträtkunst Hans Holbeins des jüngeren und ihr Einflußauf die schweizerische Bildnismalerei (1909) Tafel V. Arthur B. Chamberlain,Hans Holbein the younger, vol. 1, 22. Ganz, Hans Holbein der Jüngere, S. 15.