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Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 3
örtern, um zu zeigen, daß es sehr kapitalkräftige Geschlechterwaren, die sich zusammenschlössen. Über den Besitzstand derMuntprat sind wir seit 1418 durch die Konstanzer Steuerlisten unter-richtet, danach betrug im Jahre 1418 das Vermögen der steuer-zahlenden Muntprats 69 200 & hl., davon 54 500 Fahrhabe; diesewuchs bis zum Jahre 1454 auf 132 934 U heran, um von da an zusinken, während das gesamte Steuerkapital der Muntprat noch bis1457 (auf 169 549 U ) anstieg. Wir sehen beim Mobiliarbesitz einrapides Wachstum von 1427 bis 1431 um 36 %, von 1431 bis 1435um 26,8%, also einfach auf die Jahre verteilt 9 bzw. 6,7%; derImmobiliarbesitz wächst in diesen 8 Jahren um 42 %, also um5,25 % jährlich, es ist einleuchtend, daß auch in dieser Vermehrungeine Anhäufung von Handelsgewinn vorliegt. Eine Gesamtvermeh-rung von 65%, auf das Jahr verteilt 8V 8 %! Die Ziffer würdewahrer und geringer erscheinen, wenn man sie nach der Zinseszins-rechnung ausrechnen würde. Schon früher habe ich den Vergleichmit den Humpis zu ziehen versucht, aber ich bin damals davonausgegangen, daß in den Kavensburger Steuerbüchern wie derSteuerbetrag nach Pfund Pfennigen, so auch die Steuersummen nachderselben Berechnung angegeben seien. Diesen Irrtum hat Nuglischinzwischen aufgedeckt, 1 tatsächlich wurden in Ravensburg dieSteuerkapitalien in Mark Silber notiert, die Steuerbeträge aber inPfund Pfennigen. Nun wurde 1473 1 M Silber gleich 3 U ^ undgleich 6 U hl. gerechnet. Man muß also, um die Ravensburger An-gaben mit den Konstanzer vergleichen zu können, die Angabenüber Steuerkapitalien mit 6 multiplizieren. Nun haben wir fürRavensburg vor 1473 aber keine Steuerliste. Aus diesem Jahrekennen wir die Steuerkapitalien von 11 Trägern des Namen Humpis,es fehlen allerdings bei zwei weiteren wichtigeren Namen die Ein-träge. Die Gesamtsteuerkapitalien betragen 40 450 M, also 242 700 Uhl., die fahrende Habe beläuft sich auf 154 218 U hl., das sind rund21 000 U hl. mehr als bei den Muntprats von 1454. Bei Jos Humpisdem Alten sind 3000 M liegendes und 7500 M fahrendes Gut an-geführt, das sind 18 000 + 45 000 U hl., zusammen 63 000. Dasist kein großer Abstand hinter Lütfried Muntprat, der 71 400 U hl.(darunter 61 740 Fahrhabe) hinterließ. 2 Zwar bleibt Lütfried dernachweisbar reichste Bürger in Schwaben, aber wenn man dieKapitalien der zahlreicheren Humpis von 1473 auf die Tage desalten Henggi Humpis zurückleitet, so mag doch dieser an Wohlhabenheit Lütfried Muntprat völlig ebenbürtig gewesen sein. Ich habe
1 Nuglisch, Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit deutscher Städte imMittelalter. Zeitschrift f. Sozialwissensch. 9 (1906), S. 484.
2 In rheinisch Gulden umgerechnet betragen die Ziffern für 1473: Gesamt-vermögen der elf Humpis 144 895 fl, fahrende Habe 92 076 fl. Das Gesamt-vermögen von Hans Humpis dem Alten ist 1473 = 37 612 fl rh., die fahrendeHabe = 26 866 fl. Das Endvermögen von Lütfried Muntprat (1447) berechnetsich Gesamtvermögen 59 500 fl, die fahrende Habe auf 51 450 fl.