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Verzeichniß empfehlenswerther Bücher aus dem Verlage der Königl. Hofbuchdruckerei von L. Voss & Cie. in Düsseldorf
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Verlag von H. Vch sc Cie. in Düsseldorf.

Rhein.-Westf. Zeitung: In Goethes Iphigenie ist die Heilung des Orestvon seineu Gewissensqualen, die Goethe nls dieAchse des Stückes" bezeichnet,ein Vielumstrittenes Räthsel, Der Verfasser der oben angeführten kleinenSchrift, gestützt auf Goethes vielfach hervortretende Aeußerungen christlicherWeltanschauung, ans genaue Betrachtung der dramatischen Vorgänge im Stücke,«ersucht eine sittlich-religiöse Losung im Geiste des Christenthums. Dabei hälter sich fern davon, auf die einzelnen Momente der Heilung Orests Begriffeund Vorgänge christlicher Glaubenslehre direkt anzuwenden, nur durch Ver-gleichung mit solchen sucht er dem Verständniß näher zu bringen, daß Orestdurch Reue über seine That, die sich bis zur Todessehnsucht steigert, durchBerührung mit der reinen Schwester, die den Fluch des Geschlechtes lösen kann,die ihm seinen Glauben au den Haß der Götter in ein Vertrauen auf ihreLiebe verwandeln kann, endlich durch tiefste Erschütterung seiner Seele in derVision, umgewandelt und geheilt wird; ja, der Verfasser gibt zu, daß derinnerste Grund des Vorganges uns ein Räthsel bleibt, wie es in ähnlicherWeise die christlichen Gnadenwirkungen für uns bleiben. Ob Goethe den Vor-gang der Heilung Orests genau so sich gedacht, ist eine andere Frage, die wirwahrscheinlich nie werden beantworten können. Jedenfalls aber bringt dieseransprechende Versuch einer Lösung uns das Verständnis des Stückes näher undläßt uns Blicke thun in die unendliche Größe und Tiefe dieses Meisterwerkes.Und das ist ja das Ziel und der Lohn einer liebenoll eindringenden undmaßvoll nachdichtenden Interpretation. In den Anmerkungen bespricht derVerfasser die abweichenden Meinungen Schereis und Kerns und führt auch dieLitteratur über diese Frage und über Goethes Stellung zum Christenthumüberhaupt ausführlich an.

Evang. Gemeindeblatt für das HerZogthum Vraunschrveig: Zur Er-innerung an das erste Erscheinen von Goethes Iphigenie i, I. 1787 tritt dieSchrift den Nachweis an, daß das Ideal der Versöhnung durch den Glaubenan die Gnade der Gottheit, das Goethe in der Heilung des Orestes darstellt,in engster Abhängigkeit vom christlichen Urbilde des Glaubens an die Recht-fertigung durch den Glauben ohne des Gefetzes Werke steht und sich vielleichtklarer und entschiedener ausgeprägt hat, als dem Dichter selbst bewußt war.Die Abhandlung ist auch dadurch interessant, daß ihr das Urtheil eines hervor-ragenden Irrenarztes über die Frage, ob und und inwieweit der Zustand desGoetheschen Orest als Wahnsinn im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet werdendarf, in den Anmerkungen beigefügt ist. Auf die Behandlung des religiösenProblems gedenken wir später zurückzukommen; für jetzt beschränken wir unsdarauf, die Schrift allen Freunden des herrlichen Dramas zu empfehlen.

Nlätter für literarische Unterhaltung: Eine gehaltvolle Studie überDie Heilung des Orest in Goethes Iphigenie" hat Adolf Matthias erscheinenlassen. Er gelangt zu folgendem Ergebniß: Zuerst in Orest hat sich siegreicherwiesen die heilige Macht der Gottheit, welche die Liebe ist. Die neue sittlicheWeltanschauung hat über die alte unsittliche Gottes- und Weltanschauunggesiegt. Herrschten früher die Götter der Rache, die dem Sohne das Schwertin die Hand zwängten gegen die eigene Mutter, so herrscht von jetzt ab dieGottheit, welche Liebe und V«rgebung da wallen läßt, wo bisher ,haß undRache ihr trauriges Regiment führten. Die Götter und die Formen diesesDramas sind griechisch, aber der Geist, welcher diese Menschen- und Gotterweltdurchzieht, ist der Geist des Christenthums.

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