Druckschrift 
3 (1775)
Entstehung
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

Ofsians letztes Lied.258Laß künftige Barden in ihren Gesängen Ossiansletzte Töne bewundern. O du des Menschen einziges Glück,Weißheit ich sing dir zum Lob'! du veredelst desKriegers männliche Brust, du lehrst ihn Betrüb-ten zu helfen. Du streust Segen, wie Thau, aufdas Land. Du entzündest die Seelen der Bar-den. Deine Stimme hemmt den Lauf des Kriegs.Friede begleitet deine liebreichen Schritte. Wodu deinen Wohnsitz erwählst, hangen unnützdie Waffen in den Hallen. Sie blitzen nur inden Händen der Jäger, sie schrecken nur die Eberder Wälder. Mädchen schön wie Geister der Hü-gel, edle Jünglinge tanzen zusammen, um dieEiche des Fests. Sie fürchten keinen grausamenEinfall. Das Aug ihrer Väter schaut sie mitFreude. Beym reitzenden Anblick schimmern dieGesichter der Greise. O Sonne! du stolzes Lichtdes Himmels, die du in deinem stattlichen Laufefrolockst! o Mond du zierlicher Wandrer derNacht! o Sterne, die ihr so funkelnd erglänztin der blauen Schaale der Luft! beugt euch, underkennt die Würde der Weißheit. Ihr Strömewie ihr heranmurmelt! ihr Winde wie ihr überMeere erbraust! ihr Felsen wie ihr die Wolkenbesteigt! ihr Wälder wie ihr eure grünenden Blät-ter erschüttert, vereinigt euch in einem harmoni-schen Lied', singt zum Lobe der Weißheit! glück-lich sind die Gebieter, die deine Würde empfinden.Glücklich das Land, das dein Herrschen erkennt.O Weißheit tröste mein End! ich spür meinenkommenden Tod. Empfangt mich ihr Geister mei-ner Väter, empfangt den sterbenden Ossian.