Druckschrift 
3 (1775)
Entstehung
Seite
257
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letztes Lied.257friedsam ihr unschuldigen Kinder der Liebe, anMorvens felsigtem Gestade, schlaft sanft in derHöhle des Felsen! ach mein Geschlecht ist erlo-schen. Ich gleich der vermoderten Eiche der Wü-ste, meine Aeste sind hinweggerissen. Mein ver-alteter Stamm ist vergangen. Ach was ist dasGlück des Lebens, was das eitle Prahlen derWaffen! alles ist nur ein schwindender Traum!So sang der alte Gellamin. SeineWorte schmelzten meine Seele. Ich vernahmseine abnehmende Stimme. Ich gieng, und fandihn erstarrt. Ach Ossian, eitel sind die Freudendes Lebens, eitel die Länge der Tage.Ossian.Schauervoll ist dein trauriges Lied, aberlieblich die Stimme der Wehmuth. Reich mirmeine Harfe, o Alpin! horch meine überfliessendeSeele, Ossians letzte kraftlose Töne.Ihr Geister meiner Väter, ich hör en-ren Ruf! meine Freunde, eure reitzenden Stim-men erreichen meine Seele! bald werd ich zueuren melodischen Schaaren mich fügen, und sin-gen mit euch an den Wolken. Lebt wohl ihrHügel von Cona! lebt wohl ihr murmelndenStröme! lebt wohl ihr Hayne und Berge. Ofthabt ihr von meinen Liedern erschallt. Oft indeinen Felsen, o Morven! sang ich die edlen Tha-ten der Helden. Oft hob ich das Lob der reitzen-den Schönheit. Leih mir noch einmal, o Harfe,deine gefällige Hülf', laß den Glanz der mächti-gen Wahrheit meine dunkle Seele beleuchten.Laß