Druckschrift 
3 (1775)
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

Ossians256von der Jagd'. Unglücks=Ahndungen schwollen inmeiner Seele. Ich floh zu meinen trauervollenHallen. Dort fand ich meinen zarten Colullarollend in Tod, einen gebrochenen Speer in sei-ner Seite; Quellen von Blut rauschten von seinenWunden. Er sah mich, streckte seine Rechte undsprach. "Gellamin! der Arm meiner Jugendwar schwach. Ich suchte Sulvira zu schützen,aber Struthdags Schwert überwand; er ent-führte das weinende Mädchen, und lächelte überihr schmerzliches Wimmern. Der Tod erschrecktnicht die Seele Colullas, er fiel in der TapfernStreit. Seine Worte zerrissen mein veraltetesHerz. Wild, verzweiflend, grimmig floh Tor-lath. Wuth schwang seinen beslügelten Lauf.Seine jugendlichen Schritte giengen schneller alsmeine. Sulvira sah unsre Ankunft. Sie riefihren Vater und Liebsten; aber ach! sie rief ih-ren Liebsten vergebens. Er siel unter Struth-dargo Klinge. Ich kam mit den Schritten desAlters, ich vernahm das traurige Schreyen mei-ner Tochter. Struthdarg erreichte eben dasUfer, und bestieg sein schwarzbnsigtes Schiff. Erzwang Sulvira voran, und hob sie hoch in sei-nen Armen. Ihr Busen war mit Blute befleckt.Ihre Locken flogen verworren im Wind'. Hochschlug mein wütendes Herz. Grimmig warf ichmeine Lanze. Der fliegende Speer durchdrangden Hals des Verräthers! aber, ach, er durch-drang meine Tochter zugleich! sie stürzten an denschlammigten Fels. Ich fiel auf den BusenSulviras, und benetzte ihre Wund mit meinenThränen. Am Seegeschlagenen Ufer hob ich ihrGrab, und legte Torlath an ihre Seite. Ruhtfried-