Druckschrift 
Die aufgelöste Kirchenversammlung des Ortsvereins des Evangelischen Bundes in Solingen am 27. Juli 1888 : Vortrag des Herrn Pfarrer Thümmel über die Aachener Heiligtumsfahrt
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

-< z ^

wo Gott zu dem Gemüt der Christen schon außen redet, wenn siehineinkommen, über den Friedhof hin, und sehen dort zu ihrenFüßen geschrieben das alte ewige Lied von des Menschen Ver-gänglichkeit, damit sie dann recht vorbereitet hören möchten imEotteshause das Lied von Gottes heiliger Ewigkeit. Au« jenerMartvriumszeit der Christenheit wurde es weiterhin Sitte, daß injedem Altar womöglich ein Gebein oder ein Stück des Gebeinseines solchen Märtyrers eingeschlossen sei. Und das hat seinenAbglanz in der noch heute gültigen Bestimmung der römisch-katho-lischen Kirche gefunden, daß in jedem Altar wenigstens ein Stück-chen eines Märtyrergerippes oder irgend einer anderen Reliquieeingeschlossen sein soll. Ein mir bekannter katholischer Militür-psarrer, der mir ein treuer Freund war und vor circa drei Jahrengestorben ist bekannter dadurch geworden, daß er einstmal beidem jetzigen König von Rumänien, der ja ein katholischer Hohen-zoller war und eine evangelische Prinzessin von Wied unter derBedingung heiratete, daß die Kinder griechisch-katholisch würden,die katholische Trauung neben der evangelischen vollzog und sichdadurch allerdings etwas der Verfolgung von ultramontaner Seiteaussetzte dieser katholische Divisionspfarrer ließ mich eines Tagesfeinen Feldaltar fehen, einen Stein, den jeder katholifche Geistlichebei sich hat, damit, wenn irgendwo Messe gehalten wird, er den-selben hinstellen und darauf die Messe lesen kann. In diesem Altarwar auch ein Stückchen Knochen eingeschlossen, und ich wiederhole,jede katholische Kirche, jede Kapelle wo möglich muß irgend eineReliquie haben. Allerdings, wenn man nun alle katholischen Kirchenzusammenzählt, dann muß man sich fragen, woher follen denn alledie heiligen Leiber herkommen? Ich glaube, man muß manchmalin die Erde greifen und auch nicht heilige Leiber wieder aus-graben, damit man Christenknochen hat, welche die Altäre heiligen.Dies war also, geschichtlich betrachtet, die Veranlassung, daßman in der Kirche die Ueberbleibsel von Heiligen haben wollte.Als nun aber nach Constantin die Verfolgungen aufgehört hatten,da fank auch der Wert der Märtyrerreliquien zusehends, und stattdessen griff man weiter zurück und nahm solche Reliquien, welchenoch hinter der Christenverfolgung lagen und einen womöglich nochgrößeren Wert hatten. Und dann sing die etwas fagenhafte Mutterdes Kaifers Constantin, Helena, jenes großartige Kommissions-geschäft anders kann ich es nicht nennen für Reliquien an.Da feien alle die Legenden entstanden, damals auch das echteKreuz Jesu Christi gefunden worden. Das heißt, dreihundert undfo viel Jahre nachher fand die Helena in Jerusalem drei Kreuze.Nun wußte man aber nicht, welches das echte war, und um das