^)ie große evangelische Kirche ist bis auf den letztenPlatz besetzt; mehr als 2000 Personen haben sich eingefunden.Vorher schon geht das bestimmt auftretende Gerücht, daß derBürgermeister zu einer Auflösung schreiten wolle. Vor derKirche steht ein Aufgebot von Polizeimannschaften bereit. Inder Kirche selbst hat neben dem Altare, was wohl noch nie-mals in einer Kirche vorgekommen, der Bürgermeister desOrtes und der Polizeikomnnssar zur polizeilichen Ueberwachungsich eingefunden. Gegen 7^ Uhr tritt Pfarrer Thümmel ein.Der Vorsitzende des Ortsvereins des Evangelischen Bundes,Pfarrer Schürmann, läßt zunächst zwei Verse des Chorals„Ach bleib' mit deiner Gnade" singen, nachdem vorher derBürgermeister den Gesang hatte verbieten wollen. Die Ver-handlungen darüber, ob überhaupt ein Choral gesungen wer-den durfte, oder nicht, hatten vor dem Altar angesichts derversammelten Gemeinde bereits in einiger Erregung stattge-funden. Der Bürgermeister verbot jeden Choral.
Alsdann teilt Herr Pastor Schürmann mit, daß derOrtsverein des Evangelischen Bundes in Solingen die Ver-sammlung für die Mitglieder und die Freunde des Vereinsberufen hat und erteilt hiernach als Vorsitzender dieses VereinsHerrn Pastor Thümmel das Wort.''
Pastor Thümmel: Verehrte Mitglieder des Ortsvereinsdes Evangelischen Bundes für das ganze Deutsche Reich und heutehier anwesende Freunde dieser Sache! Gestatten Sie mir zu-nächst, bevor ich zu meinem Thema eile, eine persönliche Bemer-kung, die Ihre und meine Person angeht. Wir sind hier in einerKirche, und immer, wenn evangelische Christen zusammen sind,feiern sie in der Kirche nicht nur nach der Kirchenordnung einenGottesdienst, sondern sollen auch in ihrem Herzen und Sinne alle-zeit dessen eingedenk sein, daß wir hier in einem Raume weilen,in welchem von Gott geredet und zu ihm gebetet wird, auf daßIhr, die Ihr höret, und, Gott gebe mir Gnade, ich, der ich rede,allezeit gedenken, vor Gottes Angesicht zu reden und zu hören.Das zeige sich auch äußerlich! Und nun zu meinem Thema:„Ueber die Aachener Heiligtumsfahrt des Jahres 1888."
Folgen Sie mir zunächst eine Reihe von Jahren zurück.Im Jahre 1844 sah man an den Ufern der Mosel und auf demStrome selbst große Scharen ziehen und gezogen werden, reisenund zurückkommen, Scharen, die sechs Wochen lang unablässig