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Die aufgelöste Kirchenversammlung des Ortsvereins des Evangelischen Bundes in Solingen am 27. Juli 1888 : Vortrag des Herrn Pfarrer Thümmel über die Aachener Heiligtumsfahrt
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Juden, sage ich noch einmal, waren ungläubig, und wollten stattdes Vertrauens auf Gott, den sie nicht sahen, so fest, als sähensie ihn Dinge haben, die man mit Händen greifen kann und vonihnen Gottes Kraft und Macht empfangen. Solche Dinge wolltensie haben, und dieser Unglaube, der fein auftrat im jüdischenVolte, zeigt sich im Heidentum so gut wie in dem heutigen Katholi-zismus wiederum, und wir nennen ihn dann Fetischdienst. DasWort Fetisch ist ein ursprünglich portugiesisches Wort, welchesnichts" heißt, ein Ding, ein stummes Götzenbild, ein Tuch oderein Kleid, in welchem die Kraft Gottes ruhen sollte, von demeine Kraft ausgehe, während es eigentlich doch nichts ist. SolcherReliquiendienst, der auf dem Unglauben beruhte, der sichtbareDinge haben wollte, um daran Gottes Kraft zu ermessen, existierteauch im ältesten Heidentum. So erzählt uns der griechischeSchriftsteller Pausanias im zweiten Jahrhundert nach Christi Ge-burt, der weite Reifen gemacht hat, von heidnischen Reliquien,welche aus den Mythen der alten Griechen übrig geblieben waren;so wurde zum Beispiel an einem Orte Griechenlands ein Stückchenvon dem Thon aufgehoben, aus welchem Prometheus nach der be-kannten Sage den ersten Menschen geformt habe, und diesesStückchen Thon wurde verehrt. Ich könnte das, selbst an dasKrasseste, Komischste streifend, weiter ausführen, wenn wir nicht hierin der Kirche wären. Es könnte mir nun einer einwerfen, es fändensich Spuren der Reliquienverehrung auch im Neuen Testament,zum Beispiel wenn die Juden nach der Apostelgeschichte die Schweih-tücher des Paulus genommen und sie den Kranken aufgelegt unddie Kranken in den Schatten des Petrus, wie dort steht, gelegthaben, war das nicht auch fchon ein Reliquiendienst, wo manvon einem Dinge Heilung erwartete? Auf die HeilungenChristi und der Apostel selbst gehe ich hier nicht ein, das würdezu weit führen und liegt auch nicht im Rahmen des Themas, dassind Thaten lebendiger Persönlichkeit, wo die Kraft ausgeht vonder Perfon Jesu Christi. Aber die Heilung durch SchweißtücherPauli anlangend, ja, meine lieben Freunde, lest doch in derApostelgeschichte genau, die Juden glaubten, daß die Dingeheilen könnten, es steht aber nirgends in der Apostelgeschichte be-stimmt ausgedrückt, daß sie geheilt worden sind. Es warder falsche Glaube der Juden, der mit Uebergehung der Um-wandlung des inneren Herzens durch ein äußeres Ding Hilfe undKraft von Gott haben wollte. Die wollten sie haben, aber es istihnen nicht gelungen. Scharf und gewaltig hat der Herr den Un-gläubigen, die zu ihm kamen und Zeichen und Wunder forderten,das Wort geredet, daß sie keine Zeichen und Wunder sehen sollten.