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Die aufgelöste Kirchenversammlung des Ortsvereins des Evangelischen Bundes in Solingen am 27. Juli 1888 : Vortrag des Herrn Pfarrer Thümmel über die Aachener Heiligtumsfahrt
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ist mir darum unvergeßlich geblieben, weil^zu derselben^Stunde,als ich in Martin Luthers Zimmer auf der Wartburg war,unsres jetzt regierenden Kaisers Majestät in dem Zimmernebenan wohnte und ich seinen huldvollen Gegengruß aus derSchwelle von Martin Luthers Zimmer auf meine ehrerbietigeBegrüßung wieder empfangen durfte, hat es mich auch ergriffen,daß ich an dem Tische saß, an welchem, soweit menschlicheGlaubwürdigkeit reichen kann, vor vierhundert Jahren MartinLuther gesessen und die Heilige Schrift übertragen hat, denTisch mit der Hand zu greifen, an welchem er so manche liebeNacht den Mond uno finstere Gedanken der Sünde, wie GottesFreundlichkeit und Gnade, die ihm über seinem Worte aufging,herangewacht hat. Das ergreift uns alle; aber, was mir dazuzu gehören scheint: es muß der Ort sein, wo er geweilt hat,der Ort. Ich glaube, der Tisch allein und wenn er hier stünde,der könnte uns nicht so ergreifen; aber, wenn ich in dem Raumebin, und darin stehen die Sachen, die er gebraucht hat, so er-greift es mich, wenn ich da gedenke alles dessen, was GottesFreundlichkeit unsrem lieben deutschen Vaterland durch diesenMartin Luther alles geschenkt hat. Meine lieben Freunde, dasist menschliches Gefühl, mit welchem die Neliquienverehrung sostark arbeiten kann. Denn nicht wahr, wenn diese eine soge-nannte Reliquie in Aachen, das Lendentuch, welches der Herrauf Golgatha am Kreuzes Stamm getragen haben soll undwelches, wie jene sagen, mit seinem Blute über und über ge-tränkt sei, echt wäre, wer unter uns würde nicht, wie soll ichsagen, mit Ehrfurcht vor demselben stehen! Wir würden eszwar nicht anbeten und keine Kranken hinschleppen, daß siedadurch geheilt würden, aber wir würden es mit Ehrfurcht be-trachten, wenn es echt wäre.

Zu diesem ersten Untergrund der Reliquienverehrung aber trittnoch ein andrer hinzu, und der ist nicht nur schlecht, sondern sodirekt sündig und heidnisch, weil er nach dem Worte Jesu Christiungläubig ist. Dieser andre Untergrund der Reliquienverehrungist nämlich derselbe Sinn, in welchem die Juden, wie wir in denEvangelien lesen, je und je zu Jesu Christo hingekommen sind undhaben ihm gesagt: Meister gib uns ein Zeichen, daß wir an dichglauben, das heißt, wenn du wirklich bist der Messias und wenndu Menschgeborener, der du vor uns stehst, wirklich Gottes Sohnbist; wenn in dir wohnt Gottes Kraft und Gottes Heiligkeit, dannzeige da« einmal, zeige es uns äußerlich, gib uns ein Zeichen! Wenndu hier vor unsren Augen ein Wunder thust, das wir mit unsrenleiblichen Augen sehen tonnen, so wollen wir dir glauben. Die