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bietenllassen könnte und würde. Darumzsollte die diesjährige,alle sieben Jahre stattfindende Aachener Heiligtumsfahrt be-sonders glanzvoll in Scene gesetzt werden, und wenn sie be-sonders glanzvoll ausgefallen wäre und man gesehen hätte, dasalle» dürfen wir, beschützt durch die preußische Behörde, heutethun, und es erhebt sich keine Stimme dagegen, dann ist unsreProbe gelungen, und das Hauptschauspiel kann auf der Ge-neralprobe nachfolgen und im nächsten Jahre wird in Trier derRock wieder gezeigt, zu demselben Zweck wie damals, um eineDemonstration der römisch-katholischen Kirche, ihren Sieg überden preußischen Staat, den sie bekanntlich aufs neue errungenhat, auch jetzt wieder darzustellen und festzulegen. Ich fürchte,daß ich mit meiner Behauptung recht geweissagt habe, und imnächsten Jahre haben wir die Heiligtumsfahrt zum heiligenRock in Trier.
Was heißt nun überhaupt Reliquien und Reliquiendienst?Man liest heutzutage immer in den ultramontanen Blättern zurVerteidigung dieser jetzigen Aachener Schaustücke, daß die Neli-quienverehrung und Anbetung schon seit den ältesten Zeitengeschehen sei, das sei etwas Uraltes. Aber etwas, was alt ist,das ist darum noch nicht gut. Mord und Diebstahl sind auchseit Altersher auf der Erde, es hat aber keiner gewagt, siedarum als gut zu stempeln, das Alter an sich macht eine Sachenicht gut. Der Neliquiendienst ist allerdings etwas Altes, ichwerde aber nachher beleuchten, wes Geistes Kind auch der alteReliquiendienst zu jeder Zeit gewesen ist. Der Reliquiendiensthat allerdings zwei gewaltige Stützen im Gemüt des Menschenselbst; davon ist die eine eine recht redliche, echt menschliche, ichmöchte sagen, halb und halb dem Christentum gar nicht feind-liche. Die erste Stütze des Reliquiendienstes im menschlichenGemüt ist das so natürliche und schöne Gefühl, mit dem jeder-mann zu allen Zeiten die Dinge, die einem teuren Toten zueigen gewesen sind, mit großer Inbrunst umfaßt und behält.Wer unter uns verwahrt nicht vom Vater oder der Mutter,die gestorben sind, ein teures Andenken, ja vom Großvater, vonden Urahnen weiter hinauf. Wen ergreift das nicht, wennjemand sagt, das ist ein Brief, ein Stuhl, ein Kleidungsstück vomGroßvater, von den Urahnen oder noch höher hinauf! Oderich will es „evangelisch" ausdrücken, wen unter uns würde dasnicht ergreifen, wenn er auf der Wartburg zum Beispiel indem Zimmer weilen darf, wo Martin Luther als Junker Jörgdie heiligt Schrift übersetzt hat! Jedesmal, wenn ich dieWartburg besuchte — und das letzte Mal am 2. Mai 1884,