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Bei dieser Lage der Dinge war es für die Lutheranergewissermassen Lebensfrage, so oft von katholischer Seiteerklärt wurde, die reformatorische Bewegung in Aachensei calvinistiscb, also auf dem Boden des Reiches nichtgestattet, ihrerseits mit Nachdruck zu betonen, dass sieselbst nicht zu denen gehörten, die 'unter dem Deckmantelder Augsburger Confession 1 sich Bekenntnissen angeschlossen,die auf Grund des Religionsfiiedens Duldung nicht zu be-anspruchen hatten. Dadurch aber, dass die lutherischeGemeinde sich alle Mühe gab, der Kenutniss dieser That-sache in weiten Kreisen Eingang zu verschaffen, musstesie nothwendig andererseits bei den Anhängern des refor-rnirten Bekenntnisses in Aachen den heftigsten Anstosserregen, und es musste sich ein Zustand der Feindseligkeitherausbilden, der für die lutherische Gemeinde höchst un-bequem wurde, als die Reformirten, die bei weitem in derUeberzahl waren, in den thatsächlichen Besitz der Gewaltin Aachen gelangt waren.
Der Umschwung von der Herrschaft des Katholicismuszu der des Protestantismus vollzog sich in Aachen in denJahren 1574—1581; am Ende dieser Periode hatten dieAnhänger der neuen Lehre eine so bedeutende Majoritäterzielt, dass sie die Raths- und Bürgermeisterwahl in ihremSinne veranstalten konnten. Unter dieser protestantischenMajorität im Rath befanden sich allerdings auch mehrereLutheraner, aber mehr als sechs von ihnen scheinen niezum kleinen Rath, der ein Collegium von 44 Mitgliedernbildete, und nie mehr als sechzehn zum grossen Rath,der 128 Personen umfasste, gehört zu haben. Trotz desDrängens und der Vorwürfe ihrer Gemeinde konnte diesekleine Anzahl im Rathe nur wenig ausrichten, was denAbsichten der Lutheraner entsprochen hätte; sie musstesich im Gegentheil damit begnügen, den Heissspornen ausihrer Gemeinde ruhiges Abwarten der Entwicklung derAachener Verhältnisse zu empfehlen, um auf diese Weiseeinen Ausbruch der Spannung, die sich aus den angegebenen