gemein verbreitete Ansicht in etwas modificirter Gestaltzum Ausdruck brachte, vollen Glauben. Man könnte esunbegreiflich finden, dass schon im Jahre 1124 König Lud-wig VI. von Frankreich und der Abt Suger von Saint Denissich auf dieselbe als auf eine glaubwürdige historischeQuelle berufen 1 ), wenn sich nicht ganz dieselbe Beobach-tung in eben derselben Zeit an einem ähnlichen phantasti-schen Machwerke, der Chronik des Pseudo-Turpin, anstellenHesse, die gleichfalls von den späteren Chronisten ohnejedes Bedenken benutzt und ausgeschrieben wurde, ja so-gar eine so grosse Anerkennung fand, dass man eine Ur-kunde herstellte, durch welche im Jahre 1122 Papst Calix-tus IL dieselbe als echt erklärt und empfohlen habensollte 2 ).
In welcher Weise diese c Descriptio' die Quelle für allespäteren Nachrichten über unsern Gegenstand wurde, sollnun im Folgenden dargelegt werden.
Vergegenwärtigen wir uns noch einmal den Inhalt derLegende im Umriss. Karl bekommt in Constantinopel dieReliquien, bringt sie nach Aachen und richtet dort einenan ihre Vorzeigung sich knüpfenden Markt ein; Karl derKahle überträgt Reliquien und Markt nach Saint Denis.Es zeigt sich nun in den späteren Nachrichten ein auf-fallender Unterschied, und es lassen sich in ihnen ohneSchwierigkeit drei Klassen feststellen. Die einen über-nehmen nämlich den Inhalt der Sage, so wie sie ihn vor-fanden, die anderen lassen die Beziehung zu Aachen weg,die dritte Klasse endlich führt die Erzählung bloss bis zuder Uebertraguug der Reliquien nach Aachen und der Ein-richtung des Marktes in dieser Stadt, lässt also die Be-ziehung auf Saint Denis weg. Die hauptsächlichsten Ver-treter der einzelnen Klassen mögen hier folgen.
1) S. die Privilegienbestätigung Ludwigs VI. von 1124 für dasKloster S. Denis bei Tardif, Monuments historiques n. 391, p. 216.Vgl. Gaston Paris in der Romania 1. c. p. 30.
2) Vgl. über diese Urkunde Gautier 1. c. I (2. Aufl.) p. 104Anm.