Mönchs Benedikt, übrigens eine Chronik, „welche an Roh-heit der Gedanken wie der Sprache unübertroffen ist" 1 ).
Nach Benedikts Erzählung- zieht Karl auf Brücken,die er zu diesem Zwecke schlagen lässt, von Italien nachPalästina, er schliesst dort Freundschaft mit dem KhalifenHarun, kommt zum Grabe Christi und schmückt die heiligenStätten, die von Harun unter seine Gewalt gestellt werden.Karl besucht dann Alexandrien und Konstantinopel, wo ereinen Theil der Reliquien des Apostels Andreas erhält,von denen er auf dem Rückwege ins Abendland mehrerein dem Andreaskloster am Berg Soracte niederlegt 2 ).
Ein Bericht, der sich zum Theil wörtlich an die Dar-stellung Einhards von dem Verkehr Karls mit Jerusalemanlehnt, aber das, was dieser den Gesandten des Kaiserszuweist, vom Kaiser selbst erzäblt 3 ); ein Bericht, derandererseits die Absicht des Autors verräth, sein Klosterdurch die Schilderung enger Beziehungen Karls zu dem-selben ehrwürdiger und angesehener zu machen. Um diesesZiel zu erreichen, brauchte Benedict nichts weiter, als dieoffenbar schon damals, kaum 150 Jahre nach dem Todedes Kaisers, im Volke lebende Sage von seinem Zuge insgelobte Land zum Vortheile seines Klosters kühn auszu-beuten.
Dieser Versuch steht aber durchaus nicht vereinzeltda. Es müsste sogar als auffallend bezeichnet werden,wenn er keine Nachahmer gefunden hätte. Schlug dochder Glaube an jene Fährt Karls des Grossen allmählich sofest und tief Wurzel, dass die ersten Kreuzfahrer sich aufdemselben Wege zu befinden glaubten, den einst vor drei
1) Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittel-alter (B. Aufl.) I, p. 398.
2) Monumenta Germ. hist. SS. III, p. 708—711. Vgl. dieUebersetzung von Wattenbach in den Geschichtschreibern derdeutschen Vorzeit, Anhang zum Mönch von S. Gallen S. 77—79.
3) Vgl. die Gegenüberstellung bei Gautier 1. c. III, 284.