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deren Bedürfnissen sie zunächst dienen müssen, auf dasEngste verwachsen. Mit dieser Sachlage haben alle Reform-bestrebungen zu rechnen, vor allem diejenigen, welche aufeine allgemeine Einführung der Einheitsbibliothek eng-lischen oder amerikanischen Musters hinauslaufen; selbstbei einer Neugründung im grossen Stile würde schon dieBeschaffung ausgeglichener älterer Bücherbestände, ohnedie eine wissenschaftliche Bibliothek nicht denkbar ist, aufgrosse Schwierigkeiten stossen. Aber der Kern der Reform-bewegung ist ein sehr gesunder. Eine Büchersammlung,deren Umfang und Zusammensetzung sie befähigt, allenerdenklichen literarischen Bedürfnissen zu dienen, derenZustand und Einrichtung eine von keinerlei Zwang oderVorurteil gehemmte Benutzung jedermann gestattet, solltegewiss das Muster sein, dem unsere Bibliotheken sich an-passen müssen. Die Volksbibliotheken und Lesehallen ge-winnen, wo sie richtig geleitet sind, mehr und mehr aucheinen wissenschaftlichen Charakter, und unter den altenGelehrten-Bibliotheken sind wohl nur wenige, die nichtvon der Neubelebung unseres ganzen Bildungswesens starkbeeinflusst würden. Die Betriebsmittel steigen fast überall,die Schranken, welche früher nur dem Gelehrten und demBeamten sich öffneten, beginnen zu fallen, und ein redlichesBemühen, als Besucher und ständige Benutzer auch andereBerufskreise heranzuziehen, ist allgemein zu erkennen. Da-mit ist zweierlei gewonnen. Einmal die Beseitigung ganzsinnloser, gemeinschädlicher Privilegien, zum andern einZwang in der Richtung einer populären Ausgestaltung derBücherbestände. Auch wo eine solche nicht programm-mässig ausgesprochen ist, vollzieht sie sich doch unter derHand; sie findet Halt und Richtung in der zunehmendenProduktion an volkstümlichen, allgemeinverständlichenSchriften, vor allem in dem gesunden Zuge unserer Zeit,alle Volksschichten für eine möglichst umfassende und viel-seitige Bildung zu gewinnen.