Druckschrift 
3 (1903)
Entstehung
Seite
60
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15 dissem tage lige(n) oder entpfacn soll . das die de erge-dachten thumheren und(e) capittcl zu coln(n). alse sollichergutererechte hcrren . alle miteinander unde | nicht wir noch unserh(er)rschafft lige(n) unde mechtigliche(n) darvon furderen und(e)neme(n) sullen und(e) moge(n) . glubde und(e) lehfejns pflichteund | ives sust nutz und(e) gerechtikeit vo(nj lch(e)n wäreunde andere(n) sache(n) darvon geburt i(n) allermasze wirund unser herschafft biszlicr getan unde darvo(n) gc-nome(n) haben . was auch leh(cjn und leipgedinge darselbshiufor vorledige(n) und(e) loszsterbe(n) sulle(n) auch allesmiteinander \ mit aller zugchoringe und gerechtikeite(n) andas capittel und die thumherfrjn zu coln(n) und ire kirche(n)2(i alsbalde und an nymade anders kome(n) und falle(n) undezu ewigen getzeite(n) alse eigenthum so es ist dor by blibenvor uns unser erben unde herschafft und(e) iderme(n)niglichungehindert nach deme wir yn de lehnscheffte und liliunge zueige(n)thum gnediglichen uffgetrage(n) und gentzliche(n) ubir-gebe(n) auch \ dorann vortzige(n) vor uns unde unser erbenund nachkome(n) alles das wir und unnser herschafft doranngehabt haben und wir geben \ und vorlassen yn die mechtig-lichen setzen sie auch fort mit in de gewere sollicher lehn-scheffte und(e) lihunge und weiseji die lehefnjmenner | die inden dorffere(n) unde gerichten Czepernik unde Schone(n)feldelehne habe(n) miteinander itzt gege(n)ivertigen doruff an sie .25 alse an ire j| h(er)rn mit v(er)laszingc uff der thumh(er)rnbehueff aller pflicht unde eide dor sie uns und(e) unser her-schafft biszh(e)r mit v(er)pflichtt und(c) gewant \ geweszt sind.Gebieten doruff ernstlichen und vestigliche(n) mit cfrjafftdesses briues allen und iglichen denselbe(n) leh(e)n menne(n)sich mit ire(n) \ lehne(n) i(n) sol_lich(c)r masze an die g(cj-u(cn)nte(n) thumh(er)rn de itzt sein und no nachkomc(n) nuund hinfor von ir kirche(n) wege(n) alse ir h(er)r?i ewiglichzu halden. Wollen auch das die obg(e)nfeu)nten thumh(cr)rnunde ire capittell by solliche(n) Iehne(n) leh(e)nschefften ligun-ge(n) und(e) gutem auch \ by deme czolle zu Libenberge derauch ir cigenthumb ist . alse by ire(n) rechte(n) eigenthum .30 alse es ist . des zvir in so warhafftige(n) gesteen || und genallcrme(n)niglicJi offintliche(n) bekennen ver uns unser erbenunde nachkomme(n) herschafft unde iderme(n)niglich zuewige(n) geczcite(n) | ungeirret bliben sullen on arg und allegeuerde. Des zu einer ware(n) Urkunde unde gedechtniszhabe(n) wir unser ingesigel wissentliche(n) \ hir ann(e) lasze(n)heiigcnn unde gegeben zu Coln(n) an der Sprew nach gots ge-burt viertzeh( ejnhundert und darnach ym sechs und sechstzig-ste(n) | iaren am Sonnabende nach letare ier(usajl(e)m nachmitvasten. j35 De sp(eci)ali co(m)mission(ej d(omi)ni marchion(is) Fri-dericus ep(iscopu)s Lubicen(sis) (et) can(cella)rifus) [der Ein-trager des Kanzleivermerkes hatte ursprünglich hier bereitsdas folgende manu begonnen, hielt aber dann inne und ver-besserte das m zu et c] ma(n)u I p(ro)p(r)ia subsc(r)ipsi.[Andere Hand und Tinte.]Tafel 103. Papst Sixtus IV. Rom bei St. Peter, 1472 Februar 10(die Urkunde 1471 nach stilus Florentinus), Provisionsbulle für Johannvon Henneberg als Abt von Fulda, Original im Kgl. preuss. Staats-archiv zu Marburg 48X31 cm, hier um etwa ein Viertel verkleinert.Obwohl Gnadensache, doch unter Hanfschnur bullirt und dem-entsprechend ausgestattet (vgl. oben Taf. 8990), weil an die Pro-vision mit der Abtei noch der Auftrag geknüpft ist, innerhalb be-stimmter Frist die Weihen zu nehmen und das Mönchsgelübde abzu-legen. Die Schrift ist regelmässig und gewandt, zeigt aber gegen-über den oft prachtvollen Leistungen früherer Zeit doch einen Nieder-gang der Schreibkunst in der päpstlichen Kanzlei und durch diezahlreichen Rasuren, die trotzdem nicht zur Neuausfertigung der Ur-kunde führten, mangelnde Sorgfalt für die äussere Ausstattung. Ueberbeide Erscheinungen hatte eine Verordnung Paul's II. von 1465 Mai

22 (Tangl, Päpstliche Kanzleiordnungen 192) Klage geführt. Trotz-dem schritt der Verfall gegen Ende des 15. und zu Beginn des16. Jahrhunderts unaufhaltsam fort: er zeigte sich in den Zerr-formen der zu jener Zeit sich ausbildenden scrittura bollatica und ineiner an Unleserlichkeit grenzenden Schleuderhaftigkeit der Register-eintragungen , über die ein Reformtraktat aus der Zeit Julius' IL(Cod. Monac. lat. 422 f. 224 238) folgendermaassen urteilte: Itemaliqui sunt scriptores, gut adeo male scribunt, ut eorum litterc etiamab ipsismet legi non possint; unde non possunt da7'i copie vel sumpta,nisi proprii sumptores legant, quibus defunclis illa registra cum ipsismoriuntur in dedecus Romane curie. Die vorzunehmenden Verbesser-ungen waren bei unserer Urkunde auf den Rändern vorgeschrieben,und zwar links zu Z. 7, 8, 13, 19, 2^, 24, rechts zu Z. 12, 15, 22. InZ. 26 war rechts das in der Datirungszeile nachzutragende Tagesdatumvorgeschrieben. Auffällig ist auch der gänzliche Mangel einer Inter-punktion: man vergl. dem gegenüber das sorgfältig interpungirte PrivilegUrban IV. o. Taf. 91. Von besonderem Interesse sind die zahlreichenKanzleivermerke. Der nächste, durch Schriftgleichheit mit der Urkundekenntlich, ist rechts auf dem Umbug M. de Medrau; es ist der Scriptor, derdie Reinschrift der Urkunde anfertigte. Links unterdem (um die Aufnahmedes Vermerkes zu ermöglichen, zurückgeschlagenen) Umbug steht dieTaxe x (= 20 grossi) und darunter die Namen des Rescribendars, derdie Bemessung, und des Computators, der die Ueberprüfung der Taxevornahm, A. de Urbino und G. Pele. Rechts davon ist der Beginn desaus dem Zeichen für con entstandenen Hakens als weiterer Control-sigle des Computators. Der links vom Taxvermerk stehende Monats-name febr(uarius) besagt, dass die Verrechnung der Taxe in diesemMonat erfolgte. (Ueber die Entwicklung dieser Unterschriften vgl.meine Ausführungen in Mittheil. d. Instituts f. österr. GF. 13, 52 ff.)Der Computator G. Pele, der gleich dem Rescribendar dem Scriptoren-kolleg angehörte, sollte nach dem Turnus die Reinschrift der Urkundeherstellen, Hess sich aber durch M. de Medrau vertreten; daher überdiesem Namen: p(ro) comput(atore). Die beigefügte römische Zahl VIIbedeutet eine Zählung der in gleicher Angelegenheit erlassenen Ur-kunden; thatsächlich sind im Staatsarchiv zu Marburg noch sieben aufdieselbe Angelegenheit bezügliche Bullen und ausserdem noch dieEidesformel Johann's v. Henneberg erhalten. Den rechten Rand entlangbedeutet R die Controlsigle des Kardinal-Vicekanzlers Rodrigo Borgia,des späteren Papstes Alexander VI, das den ganzen linken Randentlang ziehende Zeichen eine Sigle des Papstes selbst oder desPräsidialbureaus der Kanzlei; oben rechts ist ein Vermerk radirt. Vonden Vermerken auf der Rückseite interessirt vor allem der links inder oberen Ecke stehende G. prothonot(arius) de Cesarin(is). DieProvisionen von Bisthümern und grossen Abteien wurden im Con-sistorium verhandelt, die Ausfertigung der darüber zu erlassenden Ur-kunden oblag den Protonotaren auch zu einer Zeit, da sie sich vonder Bearbeitung der Masse der Gratialsachen und der politischenCorrespondenz längst zurückgezogen hatten. In der Mitte der Rück-seite steht der Registraturvermerk und in demselben der Name Varris;bei der Bullenschnur in verkehrter Orientirung A. de Cortesiis undrechts davon H. de Escel (Taf. 103 c). Auch der Apostelstempel derBleibulle verdient Beachtung. Seit unter Paschal II. (10991118) fürdie Bulle der Papstname als Avers und die Köpfe der Apostel Paulusund Petrus (dies die Reihenfolge) als Revers festgestellt waren, bliebder Typus der bildlichen Darstellung durch etwa dreieinhalb Jahr-hunderte so gut wie gleich. (Vgl. bis zur Mitte des 13. Jahrhundertsdie durch Diekamp gesammelten Abbildungen, Mittheil. d. Instituts f.österr. GF. 3 B.) Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundertsmacht sich der Einfluss der Renaissance durch freie und künstlerischeGestaltung der Apostelköpfe geltend.

Sixtus ep(iscopu)s servus servor(um) dei dilecto filio Jo-hanni de Henneberg canonico Herbipolen(si) sal(u)t(em) etap(osto)licam ben(edictionem). Inter solicitudines varias |quibus assidue premimur illa potissime pulsant et excitantmentem n(ost)ram ut Status eccl(es)iar(um) et monasterior(um)omnium eure n(ost)re divina Providentia cc(m)missor(um)