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Stelle des Recognitionszeichens oder sonst neben dasselbe tritt. (Ueberdie autographe Betheiligung des Königs an der Herstellung des Bei-zeichens vgl. Kaiserurk. in Abb. Text zu Lief. II, Taf. 10—11.) Charak-teristisch für die Salierzeit ist auch die Verwendung von Kapitalschrift fürEigennamen (vgl. Z. 3, 4, 7). Unsere Urkunde ist ganz von einerHand geschrieben (vgl. für die verlängerte Schrift die gleichen An-sätze von i und u in Z. 1, 9, 10, das zweifach gekerbte p Z. 1 impe-rator, Z. 9 imperatoris, das g und die Verschnörkelung des t in Z. 1augustus und Z. 9 augusti; für Contextschrift und Datirung die Gleich-heit der einzelnen Buchstabenformen, des Kürzungszeichens und dere caudataej. Vollziehungsstrich im Monogramm und Signum specialevon auffallend dunklerer Tinte. Im Context ist Z. 5 die Stelle »in locoqui dicitur Solenisce cum aliis locis ad eundem burcuuard pertinentibusin comitatu Otonis comitis situm« von gleicher Hand aber dunklererTinte auf ursprünglich frei gelassenem Raum nachgetragen (Tinten-unterschied auf dem Original deutlich erkennbar). Das wohlerhalteneSiegel ist das vierte Heinrichs III. (vgl. Bresslau, Neues Archiv 6, 566).(C.) \ In nomine sanctac et ineiividnae trinitatis. Heinricusdivina favente dementia romanorum Imperator augustus. \Si ex n(ost)ris facidtatib(us) alieubi eultum divine landisplantaverim(us). id nobis ad p(re)sentis vite salute(m). etad p(er)cipienda(tn) aeterna(m) beatitudine(m) firmitcr p(ro)-desse credim(us). Unde ta'm) futuroru(m) qua(m) et (prej-sentiu(m) noverit pietas in chr(ist)o ßdeliu(m). q(u)aliter nosob aeterna(m) n(ost)ri n(ost)riq(ue) ac regni consortis scilicetAgnetis imperatricis augusle co(m)mcmoratione(m). nee nonp'ro] salvatione beataru(m) animaru(m) felicis memorie Con-radi imperatoris . n(ost)ri quide(m) antecessoris . et patris .atq(ue) matris n(ost)rc imperatricis Gisilae . ad altares(an)c't e d(e)i genetricis . ac p(er)petu% virginis Mariae . ets(an)c(t)orum ap(osto)lorum Sjmonis . et Iudae . in monasterioq[uo)d Goslare in honore s(an)c(tjc et individue tnnitatis di-vina cooperante gr(ati)a a fundamento aedificare incepim(us) .tale p(re)dium . q(u)ale ad nos hereditario iure p(er)venit inloco q(u)i d(icitu)r Solenisce . cum aliis locis ad eunde(m)bureuuart pfer)tinentib(us) in comitatu Otonis comitis situm .cum omnibus suis p(er)tinentiis tradidim(us) . areis . aedifieüs.utriusq(ue) sexus maneipiis . agris . pratis . ca(m)pis . paseuis.5 silvis . venationibus . aquis \ aquaru(m)q(ue) decursib(us) mo-lis . molcndinis . piscationibus . viis . et inviis . terris . eultis .et incultis . quesitis et inqnirendis [das s durch die Faltungdes Pergaments verdeckt] . et cu(m) om(n)i iure et utilitatequae ullomodo inde poterit p(ro)venire . Ea videlicet ratione .et conditione . ut eiusde(m) monasterii p(re)positus. | q(u)icetera clcri p(ro)videt bona . similiter p(ro)videat et isla . etreditus eoru(m) ad co(m)muncm usu(m) iuxta n(ost)ram in-stitutione(m) et Votum . in p(re)dicto monasterio Goslare d(e)o■ famulantiujn, conferat canonicoru(m). Et ut hec n(ost)ra im-pcrialis traditio stabilis [Loch im Pergament] et incon\vulsap(er) succedentis temporis maneat evu(m) . lianc carta(m) indeconscripta(m) . manu p(ro)pria corroborantes . sigilli n(ost)riimpfrejssione iussimus insigniri.
\ Signum domini Heinrici tertii regis invictissimi (MF.)s(e)c(un)di romanorum imperatoris augusti \ (SSP.) (SI. 4) .
S Uuinitkerius cancellarius vice Bardonis archicancellariirecognovi \.
Data VIII. k(a)l(endas) decembris . Anno dominicq incar-nat(ionis) milleshno I . indict(ione) III . Anno aut(em) domini10 Heinrici tertii re\\gis imperatoris seeundi . ordinationis eins .XXI . regni quidem . XI . imperii autem . IUI. Actum Gos-lare in nomine d(omi)ni feliciter amen.Tafel 84, 85. 84: Kaiser Friedrich I. bestätigt die Privilegien desKlosters Riechenberg bei Goslar, Goslar 1157 Juni 25, Stumpf Nr. 3772,Bode, ÜB. v. Goslar 1, 273 Nr. 240.
85: Bischof Bruno von Hildesheim bestätigt die Schenkung derEmmika an das Kloster Riechenberg, Riechenberg 1157 Januar 2.
Bode, ÜB. v. Goslar 1, 270 Nr. 237, Janicke, ÜB. d. HochstiftsHildesheim 1, 285. Originale im diplomatischen Apparat der Uni-versität Göttingen. Kaiserurkunde: 68 X 43 cm, für die AufnahmeBeginn und Schluss der Urk. aneinandergereiht und um etwa >/j ver-kleinert; Bischofurk. 43 X 25 cm, unbedeutend verkleinert.
Für die Königsurkunde galt von Alters her der Grundsatz derHerstellung durch Ausstellerhand, das heisst durch die hierzu bestellteReichskanzlei. Umgekehrt wurde die ältere deutsche Privaturkundeso gut wie niemals vom Aussteller, sondern von dazu bestellten drittenPersonen, den Gaugerichtsschreibern, oder von Emptängerhand ge-schrieben; mit dem Verfall der Gaugerichtskanzleien seit dem 9. Jahr-hundert begann die Alleinherrschaft der Empfängerausfertigung. Essind in Karolingerzeit ganz vereinzelte Ausnahmefälle, dass auch dieNiederschrift von Königsurkunden den Empfängern überlassen wurde.Diese Fälle mehren sich in der Ottonen- und Salierzeit, ohne noch dasSystem als solches zu erschüttern. Seit dem Aussterben der Saliertritt aber hierin ein völliger Umschwung ein. Während die Privat-urkunde sich Beglaubigungsformen und rechtliche Vollkraft der Königs-urkunde anzueignen strebt, während sich Anfänge ständiger fürstlicherKanzleien auszubilden beginnen, steigt die Königsurkunde von ihrerHöhe herab und kommt bei dem Ausgleichungsprocess der Privat-urkunde auf halbem Wege entgegen. Die Empfängerausfertigungnimmt fortan auch bei der Königsurkunde einen bis dahin nicht ge-kannten Umfang an, tritt vollständig coneurrirend neben die Thätig-keit der Reichskanzlei, wenn auch die Schätzung Posses (Lehre vonden Privaturkunden S. 3 A. 1), dass von der Mitte des 12. bis zurMitte des 13. Jahrh. zwei Drittel der erhaltenen Königsurkunden vonEmpfängerhand herrühren, übertrieben sein mag. Jedenfalls wird vonder Aufhellung dieser Wechselbeziehungen das Gelingen einer Diplo-matik der deutschen Königsurkunden der Stauferzeit, die wir nochnicht besitzen, mit am wesentlichsten abhängen.
Ein solches sicheres Beispiel von Empfängerausfertigung liegt inunseren beiden Urkunden vor. Das Verdienst, darauf aufmerksamgemacht zu haben, gebührt Otto Heinemann (Beiträge zur Diplomatikder älteren Bischöfe von Hildesheim 1130—1246, S. 27). Unsere bei-den Urkunden gehören zu einer Gruppe von 7 Urkunden folgenderAussteller: Kaiser Friedrich I., Bischof Bruno und Dompropst Reinaldvon Hildesheim (der kaiserliche Kanzler), Propst Adeloz von Goslar,Herzog Heinrich der Löwe und Pfalzgraf Friedrich von Sachsen. Alle7 Urkunden gelten dem Kloster Riechenberg und sind alle von gleicherHand, also sicher im Kloster selbst, geschrieben. Für die Schrift-vergleichung in den beiden Facsimiles mache ich ausser auf die Be-achtung des allgemeinen Ductus, der gleichen Verschnörkelung derOberschäfte und der Kürzungszeichen (vgl. besonders T. 84 Z. 4 cccle-siam videlicet und T. 85 Z. 8 deo Z. 13 ecclesia) noch auf Folgendesaufmerksam: die häufige Verlängerung der ersten Schäfte von m undn nach unten, T. 84 Z. 4 und T. 85 Z. 8 Marie, T. 84 Z. 6 und T. 85Z. 13 quoquomodo, T. 84 Z. 4 Anfang und T. 85 Z. 9 et, T. 84 Z. 7und T. 85 Z. 1 die Kürzung von archiepiscopus und episcopus durchden unten durch das p gezogenen Strich, T. 84 Z. 3 und T. 85 Z. 4tarn futuris quam presentibus (die anscheinend zierlichere Schrift inT. 84 ist eine leidige Folge der nothwendigen stärkeren Verkleinerungder Kaiserurkunde). In der Kaiserurkunde ist auch der im Facsimilefehlende Text nach Z. 5 zu beachten: seu immobilium rerum sub ante-cessoribus nostris regibus sive imperatoribus ex devotione fundatorumsuorum seu liberalitate regum concessione pontificum largitione prin-cipum oblationefideliuni seu legitima coemptione etc. Die durch Cursiv-druck hervorgehobenen Worte sind wörtlich der Fassung gleichzeitigerpäpstlicher Privilegien entlehnt. Es gibt dies den Gesichtspunkt andie Hand, dass auch für die mit dem 12. Jahrh. beginnende Nach-ahmung von Ausstattung und Formular der Papsturkunden (vgl. Mühl-bacher, Kaiserurkunde und Papsturkunde, Mittheil. d. Instituts f. österr.GF. Erg. B. 4, 499 ff.) Privaturkunden und Empfängerausfertigung dietreibenden Kräfte waren.
An der Kaiserurkunde keinerlei Nachtragungen bemerkbar. (T. 84Z. 7 die Schrift über dem Siegel in der Reproduktion übel gerathen,