Druckschrift 
3 (1903)
Entstehung
Seite
42
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sonst) e, t und seine Verbindungen (vgl. Z. 3 iustum, Z. 4 igitur, Z. 5petitioni haut], q (Z. 2 quo und sonst). Alleinherrschend war dieseSchrift in den Papsturkunden bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts, vonda ab wurde sie in etwas veränderter, spitzerer Form neben derMinuskel gebraucht, nach dem Tode Callixt II. (1124)- verschwindetsie aus den Papsturkunden, wird aber von den stadtrömischen Notarennoch ein Jahrhundert länger beibehalten (s. u. T. 86). Ueber dasNebeneinandergehen von Curiale und Minuskel in der zweiten Hälftedes 11. Jahrhunderts vgl. Kehr, Scrinium und palatium, Mittheil. d.Instituts f. österr. GF. Erg. B. 6, 70 ff. Zwischen Z. 78 und 8 9unseres Facsimiles ist das Aneinanderkleben der Papyrusblätter zurRolle deutlich zu erkennen. Die ausgefransten Ränder geben auchein gutes Bild von der Structur des Papyrusblattes.

ut Immunität es imperatorum hladouiäci . arnulfi . cctcrc-rumq(ue) ecl(esi)e sue \ beneficio donatas suo Uli firmarctprivilegio . In quo ob piam dtvotionem et s(an)c(tu)m Stu-dium domni filii sui Ottonis impcratoris . iustum venerabilisep(iscop)i desiderium ad effectum p(cr)duxit. Et hoc igiturquia i(te)rato nos nostris rogabat firmari tcmporib(us) . Iiuic5 digne petitioni haut contradicim(us) ' sed tarn prcsaitib(us)quam futuris. s(an)c(t)q d(e)i ecl(esi)qfiliis notum esse volumus.Q(uonia)m et nostre auctoritatis privilegio . quo; sunt firmatafirmamus . et que tum sunt . firma certaque ratione cousoli-damus. Mandamus itaq[uc] cum consetisu . atq(ue) consultumagnifici domni heinrici impcratoris . romaniq(ue) \ senatus .cum apfostoj/ica s(an)c(t)i petri auctcritatc . ut nullus tertninosparrocchic.Tafel 81. Codex antiquissimus traditionum Pataviensis (München,Reichsarchiv, Passau I) fol. 46'. Ueber Anlage, Fortführung und Um-gestaltung der bayerischen Traditionsbücher vgl. die ausgezeichnetenAusführungen von Oswald Redlich, Ueber bayerische Traditionsbücherund Traditionen, Mittheil. d. Instituts f. österr. GF. 5, 37 ff. und vondemselben, an einem besonderen Beispiele durchgeführt und durchkritische Ausgabe erprobt, Die Traditionsbücher des Hochstiftes Brixenvom 10. bis in das 14. Jahrhundert, Acta Tirolensia I. B. Gleich wiedie nächstverwandten Traditionsbücher von Freising und St. Em-meramm wurde auch der älteste Passauer Traditionscodex in seinemursprünglichen Bestände in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts alsSammlung des damals vorhandenen Vorrathes von Privaturkundenangelegt. Der Rückgang, den das Urkundenwesen in ganz Deutsch-land von der Mitte des 9. Jahrhunderts an zu erleiden hatte, führtein Bayern zu einer eigenartigen Entwicklung. Die Ausfertigung vonEinzelurkunden über vorgenommene Rechtshandlungen verkümmertoder erlischt vollkommen. Man begnügt sich damit, solche Auf-zeichnungen von Fall zu Fall in den Traditionsbüchern nachzutragenund zwar entweder in der Form der objectiv gefassten Notitia, derschlichten Beweisurkunde (Beispiele dafür unsere Eintragungen Z. 3 ff.und 13 ff.) oder in allerknappster Fassung als blosse Zeugenführung(Beispiel Z. 24). Die Traditionsbücher ändern dadurch ihr ursprüng-liches Wesen; sie werden von Kopialbüchern zu fortlaufend geführtenOriginalprotokollen, sie vertauschen den abschriftlichen mit urschrift-lichem Charakter. Aus diesem späteren, mit f. 45 beginnenden Theildes Passauer Codex und zwar aus den Traditionen unter BischofBerengar (10131045) ist unsere Tafel entnommen. Die Eintragungvon Fall zu Fall kommt durch Wechsel von Hand und Tinte inZ. 3, 13 (gleiche Hand und Tinte wie Z. 12), 20 (neue Hand, dunklereTinte) und 24 (neue Hand, noch dunklere Tinte) zum Ausdruck.

Von Einzelheiten bemerke ich, dass Z. 4 nach Uvicha rt radirtist (Z. 7 erscheint der Name noch als Uvichärt) und dass Z. 5 Gisalamit bedeutend lichterer Tinte auf ursprünglich freigelassenem Raumnachgetragen ist, ebenso Z. 8 pro beneficio. Cursivverbindungen vonm und n mit unter die Zeile gerücktem a und i (Z. 13 nominatus)begegnen in Urkundenschrift des 10. und auch noch zu Anfang des11. Jahrhunderts häufig. In Z. 11 ist die eigentümliche dem griechi-schen Spiritus asper entlehnte Form des über der Zeile nachgetra-genen h in Marchwart zu beachten (vgl. Wattenbach, Anleitung z.

lat. Paläographie. 4. Aufl. S. 51), der Randvermerk Z. 4 Roschanaswanchrührt von einer Hand des 13. Jahrh. her, die sich auch sonst durchden ganzen Codex verfolgen lässt. Der älteste Passauer Traditions-codex ist in den Mon. Boica 2& h S. 1 bis 98 schlecht und unkritischgedruckt, unser Blatt S. 7981. Eine zuverlässige und vor allemkritische Neuausgabe wäre dringend erwünscht.

Beispiele aus den Traditionscodices von St. Emmeramm beiChroust, Mon. Palaeographica, Ser. I. Lief. II, IV und aus den Salz-burger Traditionscodices ebenda Lief. VII, VIII.

tradidit ad sfanjcftujm stephauu(m) . Isti sunt festes . Ra-folt R'odolf Chazili . Machhelm . Itzo . Reginpolt. Odalrihc .Waltcon.Tafel 82. Der Edle Günther überträgt genannten Besitz anLamprecht, Ritter des Abtes Meinher von Hersfeld, und an Rudolf,seinen eigenen Vasallen, unter der Verpflichtung der Weitergabe nachdem Gutdünken des Hersfelder Abtes und unter Wahrung von Vogtei-rechten über genannte Orte für seine eigene Sippe. Wiehe (10471050) August 1. Original im kgl. preuss. Staatsarchive zu Marburg.Wenck, Hess. Landesgesch. $ h . 53 Nr. 54, Dobenecker, Regesta dipl.nee non epistolaria historiae Thuringiae 1, Nr. 793. Die Tafel ist alsBeispiel für bestimmte Uebergangsformen der deutschen Privaturkundedes 11. Jahrh. ausgewählt. Die Schrift, sichere Empfängerausfertigung(also Hersfelder Hand), trägt im Wesentlichen den Charakter schlichterBuchschrift, versucht es aber, in der Verschnörkelung der Oberschäfteund der Kürzungszeichen, sowie in der, allerdings nur vereinzelt an-gewandten, Kapitalschrift bei Eigennamen (vgl. Z. 1 Guntherius, Z. 2Salzaha, Z. 3 Ottinscvoha, Lanpreht, Z. 7 Ordorf), es gewissen Zier-formen der Königsurkunde gleich zu thun (vgl. dazu Taf. 83). DieUrkunde ist in der Form der objeetiven Notitia gefasst, bedient sichaber als Beglaubigungsmittel des Siegels, dessen häufigere und baldregelmässige Anwendung der Privaturkunde allmählig rechtliche Voll-werthigkeit errang; allerdings ist es nicht, wie später regelmässig undselbstverständlich, das Siegel des Urkundenausstellers, sondern desEmpfängers (in Hersfelder Urkunden noch bis in die zweite Hälfte des12. Jahrh. üblich). Die ganze L T rkunde auf Rasur, was bei der angeb-lichen Urschrift einer Königsurkunde unbedingt zur Verwerfung derOriginalität und zur Verdächtigung der Echtheit nöthigen müsste, beiälteren deutschen Privaturkunden aber nicht ebenso hart beurtheilt zuwerden braucht. Die geringe Sorgfalt, die auf Schrift und Ausstattungdieser urkundlichen Aufzeichnungen verwendet wurde, kam besondersauf bayerischem Urkundengebiete, für das uns reichlicheres Materialvorliegt, auch in der Benutzung bereits beschriebenen Pergaments zumAusdruck (vgl. Redlich, Mittheil. d. Instituts f. österr. GF. 5, 33; durcheigene Einsicht ist mir dies von Zwettler Traditionsnotizen bekannt;vgl. über diese Redlich a. a. O. S. 3536). Bei unserer Urkundekommt noch ein Weiteres in Betracht: Wir besitzen von ihr nocheine zweite, nicht auf Rasur geschriebene Ausfertigung von andererHand (A'j, in dieser fehlt die Hersfeld wesentlich belastende KlauselZ. 78: Quod si hec advocatio his, quibus nunc pro beneficio dataest, ablata et aliis umquam tradita fuerit, heredes Guntherii mansossuprascriptos in usus-suos reeipiant. Zu Ungunsten seines eigenenKlosters hat kein Fälscher gearbeitet. Wenn daher die Treue einerder beiden Urkunden in Frage steht, so ist es eher jene der nichtüber Rasur geschriebenen A'. Von Z. 12 an (Bertholt . Wego etc.)der Rest der Zeugenreihe und die Datirung mit anderer Tinte undspitzerer Feder, aber von gleicher Hand geschrieben (wohl Nachtragungder Beurkundungszeugen aus dem Kloster selbst), in A' alles in einemZug. Z. 12 Ende der Name Altbolt durch den Siegelrand verdeckt.Siegel: aufgedrückt, rund, ursprünglich farbloses, jetzt bräun-liches Wachs, Bild und Legende wenig scharf ausgeprägt. Bild: Abtin Kutte, stehend, baarhaupt, in der Rechten den Stab, in der Linkendas Evangelium. Lebende: + ABB AS (das S verkehrt geschnitten,positiv auf dem Stempel, daher negativ auf dem Abdruck) SCI PETRI;die Buchstaben der Legende in weiten Abständen. (Der Petersberg beiHersfeld als Abtsitz). Siegel von A': des Raummangels wegen rück-wärts aufgedrückt, linker Theil weggebrochen. Bild: Kopf en profil,