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Tafel 39. 40. Angelsächsische Schrift. Ueber das Alter der-selben u. s. w. vgl. die Bemerkungen zu Taf. 45—47. Entnommender Handschrift der Cölner Dombibliothek CVI, fol. 43 verso undfol. 58. Taf. 39 enthält Alcuins Expositio in psalmum CXVIII, undzwar die Erläuterung zu den Versen 171—176 dieses Psalmes. Vgl.die Ausgabe Frobens I, 375 und 376 = Migne, Patrologia latina 100,col. 618—620. Bemerkenswerth ist, dass der Schreiber für dasAnfangswort jedes Psalmverses einen freien Raum offen Hess, ent-schieden in der Absicht, dass der Rubricator später die Lücke aus-füllen sollte. Dies ist aber nicht geschehen. Vielmehr hat eineHand, die wohl einem schon alt gewordenen Schreiber angehörteund deswegen zitterig geworden war, die Lücken mit schwarzer,oder blasserer Tinte ausgefüllt. Auffallend ist dabei, dass dieserSchreiber Z. 3, 6 und 19 statt i in pronunciabit, fiat und vivit ein yschrieb. Der Schreiber gebrauchte oft für est (Z. 4. 14. 17. 24. 26)und dreimal für autem (Z. 10. 11. 23) das tironisch-angelsächsischeZeichen; Z. 1. 11. 19. 24 setzt er über einsilbige Wörter einen Accent-strich. Tafel 40 enthält ein Stück aus Alcuins Expositio in psal-mos graduales, qui et canticum graduum dicuntur, und zwar zuPsalm 131, v. 11 —15, in Frobens Ausgabe I, 387. 388 = Mignea. a. O. 636. 637. Auch hier hat der Schreiber die Anfangsworteder einzelnen Psalmverse ganz oder zum Theil besonders hervor-gehoben, und zwar dadurch, dass er Majuskelschrift anwandte.Es wird also in der Vorlage schon eine solche besondere Hervor-hebung dieser Worte (ebenso bei Tafel 39) vorhanden gewesensein, wahrscheinlich doch eine mit Minium ausgeführte, weil mansonst nicht begreifen würde, weshalb auf Taf. 39 vom SchreiberLücken gelassen wurden. Wären in der Vorlage diese Worte nurdurch Capitalschrift hervorgehoben gewesen, wäre gewiss auch derSchreiber von Taf. 39 ähnlich wie der von Taf. 40 verfahren.Uebrigens ist anzuführen, dass auf Taf. 40, Z. 21 der Schreibereinen Irrthum beging. Die Worte: Hie u. s. w. sind das Ende derAuslegung v. 14, während v. 15 mit den hier nicht besonders durchdie Schrift hervorgehobenen Worten: Viduam eius beginnt. Viel-leicht ist dies Versehen schon in der Vorlage begangen worden.Uebrigens zeigt Taf. 40 einen als Kalligraphen sehr gut ausgebil-deten Schreiber. Z. 19. 20. 26. 29 hat auch dieser Schreiber, undzwar ebenfalls nur über einsilbige Wörter den Accent angewandt.Ueber die angelsächsich-irische Schrift im allgemeinen vgl. jetztdie trefflichen Ausführungen von Traube, Perrona Scotorum,Sitzungsberichte der phil. philol. hist. Classe der kgl. bayr. Aka-demie der Wiss. 1900, Heft IV. Der Neubenennung „insulareSchrift", die Traube hier vornahm, möchte ich mich aber dochnicht anschliessen.
Tafel 39. fueruut a te labia mea. titne diginim lauda-tionis p(ro)fcr(un)t \ hymnum. et illum scilicet hymnum.quia tnis iitstificationib(us) | inbutus edocear. pronuneyabitlingiia mea eloquium titum \ quia omnia mandata tua aequi-tas. nihil (est) enim aliut in clo quiis tuis dfomijne. nisipax nisi acquitas nisi vita. hoc cor de cre\\dam.
Tafel 40. de radicac patriarchae exiet. et flos est Chrfistujsde venire virginis ascendit \ sed alia habet tratislatio. Iura-vit d(omi)n(u)s et non poenitebit eum. Non j aliquid dfeujmpaenitet. sed aliquid inmutare eum significat. Dum dicitur \paenitet dfeujm. Iurabit d(omi)n(u)s et non poenitebit eumid est inmutabilc vult \ conservare quod fiat Quod statuitcum David servo suo. Si custodierint ||
Tafel 41. Angelsächsische Schrift des neunten Jahrhunderts,fol. 21 verso und 22 recto der Handschrift: Berlin, Ms. theol. lat.Fol. 480, die früher dem Kloster Amorbach angehörte und dieHomiliae S. Gregorii in Ezechiel prophetam enthält. Die Hand-schrift weist zwei Lücken im Context auf und ist auch zum Schlüsseunvollständig. Beobachtenswerth ist der alte Einband in gepresstemPergament mit Messingbeschlag, Schliessen und Buckeln; an demRückendeckel hängt noch ein Stück der Kette, die den Codex einst
an seinem Standort festhielt. Auf Vorder- und Rückendeckel findetsich in gothischer Minuskel des fünfzehnten Jahrhunderts wieder-holt eingepresst: Amorbach. Ein gleichartiger Provenienzvermerkauf fol. I entstammt erst dem siebzehnten Jahrhundert. UnsereTafel entspricht der Mauriner Ausgabe der Werke Gregors desGrossen, Bd. I, col. 1191 und 1192, und enthält den Schluss derzweiten und den Anfang der dritten Homilie. Bemerkenswerth sindhier die an den Rand gesetzten Anführungsstriche, der Accent incol. 2 Z. 9, die roth und gelb ausgezierte Initiale S. Hinzuweisenwäre auch auf das s, das sich, wenn es nicht nach angelsächsischem,sondern nach karolingischem duetus gestaltet ist, oft weit mit seinerKrümmung nach rechts hinüber legt. Ein Corrector hat in karo-lingischer Minuskel bisweilen Verbesserungen angebracht (col. 2Z. 8 und 10), sowie col. 2 Z. 21 den Trennungsstrich zwischen penneund uni gesetzt.
et ineipit esse quod non fuit. D(e)i vero cfssje est. dissi-militer numquam esse. Undc ad moysen \ dicihir. Egosum qui sum. et dices filiis IsraheL \ qui est. misit nie advos. Iacobus quoque ait. \ Apud quem non est transmutatio.Nee vicissi | tudinis
Tafel 42. Irische Schrift des neunten Jahrhunderts. Cod. San-blasianus 86 des Benediktinerstiftes St. Paul in Kärnten, wohin ermit der Bibliothek von St. Blasien 1809 kam. Die Handschriftstammt aus Reichenau, besteht nur aus einer Pergamentlage vonvier Doppelblättern, mit wechselnder Tinte aber von durchausgleicher Hand beschrieben, und ist anscheinend ein Schulheft mannig-fachen Inhalts: auf eine Virgilbiographie folgen f. 1' naturgeschicht-liche Notizen und irische Texte; f. 2 beginnt mit einem Fragmentüber griechische Mythologie, die zweite Hälfte der Seite füllt eineZeichnung zur Erklärung des Thierkreises, f. 2'—4' steht ein grie-chisches Vocabular, daneben auf f. 2' und f. 4'— 5 ein Traktat überMetrik, daran reiht sich f. 5' ein computistisches Fragment, f. 6—8folgen Hymnen zu den verschiedenen horae canonicae und deneinzelnen Wochentagen, den Schluss bilden f. 8' wieder irische Ge-dichte. Die irischen Texte sind nach einer Abschrift Mones beiW. Stockes, Goidelica 1. Aufl. 1866, S. 38^42 = 2. Aufl. 1872,S. 175 —179 und dann vervollständigt und berichtigt bei Windisch,Irische Texte mit Wörterbuch, Leipzig 1880, S. 312—320 abgedruckt;die auf Hieronymus und Donatus fussende aber durch sagenhafteZuthaten entstellte Virgilbiographie hat Petschenig in den WienerStudien, Zs. für class. Philol. hg. von Hartel und Schenkl 1882, 4,168 —169 (nicht ganz correct) edirt. Die zutreffende Zeitbestim-mung (neuntes Jahrhundert) gibt gegenüber Mone, Windisch undPetschenig, die für achtes Jahrhundert eingetreten waren, H. Zimmer,Glossarum Hibernicarum supplementum, Berlin 1886 S. 14, wo ernach Einsicht der Hs. seine in den Glossae Hibernicae, Berlin 1881,S. XXXVIII —XL geäusserte abweichende Ansicht berichtigt. UnsereProbe bringt f. 1. Die Schriftart ist die spitze irische Cursive(Wattenbach, Anleitung zur lat. Palaeographie 4 S. 29). BesondereBeachtung verdienen die auffallend zahlreichen und auch abgesehenvon dem speciell angelsächsich-irischen eius in Z. 34 zum Theilungewöhnlichen Kürzungen, so sed Z. 9, operis Z. 9 (ebenso f. 2super und insuper), propri Z. 4, 20, propterea Z 37. Die Kürzungvon prae Z. 5, 8, findet sich in gleicher Weise in der bekanntenVeroneser Uncial-Hs. saec. VI. des Gaius, ebendaran erinnern auchdie Kürzungen für quam Z. 33 und für quod Z. 8, 28; vgl. Gaii,Institutionum commentarii quatuor ed. Studemund, Lipsiae 1874,S. 291 und 294 (Zusammenstellung dieser Kürzungen); ausgeschlos-sen ist Z. 8 die Lesung Petschenigs: et quoiiiam de semine figulipraegnas es statt quod non de semine regali. Ein unregelmässigesKürzungszeichen wird Z. 33 und 36 für us angewandt, während diegewöhnliche tironische Endung für us stets für ur gebraucht wird(daher ist auch Z. 13 eruditur, nicht eruditus zu lesen, vgl. auchStudemund a. a. O. 306); ganz unregelmässig ist Z. 15 seeundo. InZ. 28 ist beim Worte Horatii das über der Zeile eingefügte, vom
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