MBB
VORREDE ZUR III. AUFLAGE.
D,
*ie Grundsätze bei der Neubearbeitung dieses Heftes blieben imwesentlichen dieselben wie beim ersten Heft: Bereicherung derTafeln unter möglichster Beibehaltung des bisherigen Bestandes.Letzteres habe ich, da die Steine nun einmal vorhanden und nochin durchaus gutem Zustande waren, auch den Tafeln 39—40 und44—47 gegenüber beobachtet, obwohl mich die Aufnahme vonnicht weniger als 6 Tafeln aus ein und derselben Handschrift desGuten entschieden zu viel dünkt. Der Benutzer der 2. Auflagevermisst in der neuen nur die Tafeln 28 und 45; letztere, weilder Stein, und erstere, weil die Platte mittlerweile schadhaft ge-worden war. Eine Neuaufnahme empfahl sich bei keiner, daTafel 45 derselben Handschrift entnommen war wie die vorher-gehende Tafel, die Schriftart also durch diese vollkommen aus-reichend vertreten ist, während Tafel 28 gegenüber den zahlreichendatirten Papyri den seltenen Ausnahmsfall eines undatirten undvon den bisherigen Bearbeitern nicht einmal auf das Jahrhundertgenau umgrenzten bot. Zog ich so für eine Neuaufnahme einendatirten Papyrus vor, so schien es mir zur Ausfüllung einer empfind-lichen Lücke im bisherigen Bestand überdies geboten, auf einender ältesten datirten zurückzugreifen. Hatten doch die Papyrus-funde und -Publicationen der letzten Jahre so reiche Aufschlüssegebracht, dass die Geschichte der Cursive durch sie auf vollkommenneue Grundlage gestellt ist. Ich hatte für meine Zwecke einzelneder ältesten Papyri aus der Sammlung Erzherzog Rainer ins Augegefasst und deren Aufnahme auch in der Vorrede zum ersten Heftbereits angekündigt; da aber eine zusammenhängende Bearbeitungdieser älteren Papyri durch Wessely in Angriff genommen wurde,und, wie ich eben ersehe, bereits durchgeführt ist, musste ich diesenPlan fallen lassen. Ich wählte nunmehr den schönen und auch relativgut erhaltenen Papyrus v. J. 166 aus der Paleographical Society,der als Tafel 32, leider stärker verkleinert, als es das Format derSchrifttafeln unbedingt erforderte, eingeschoben ist. Tafel 42 bringtein in den früheren Auflagen nicht vertretenes Beispiel von derspitzen irischen Cursive, Tafel 61 und 67 sollen wieder Ergänzungenzu den Schriftarten des späteren Mittelalters bieten.
Bernheims treffliche »Palaeographische Glossen« (Histor. Viertel-jahrschrift, 3, 297fr.) erschienen leider erst, als diese Neubearbeitung
BERLIN, im Oktober 1
in Tafeln und Text bereits fertig gestellt war. Ich bedauere daherlebhaft, d.en Wünschen und Anregungen, die er darin gerade mitBezug auf diese Neuauflage aussprach, diesmal noch nicht nach-kommen zu können. Im einzelnen bemerke ich nur, dass ich dem,was er über die Karolingische Renaissance sagt, nicht ganz zustimmenkann, indem ich den massgebenden Einfluss Alkuins auf die Schrift-reform, die schon vor ihm angebahnt war und erst nach ihm inder Schreibschule von Tours zu kaligraphischer Ausbildung gelangte,bezweifle, während ich Bernheims Ausführungen über die Reform derHumanistischen Renaissance ebenso lebhaft anerkenne wie ich seineKlage über unsere noch immer mangelhafte Kenntnis von den An-fängen dieser Schriftreform theile, andrerseits mich aber mit dem inDeutschland erreichbaren Material bescheiden musste. Der Schlüsselfür die Erfassung dieser Schrifterneuerung liegt aber durchaus wesent-lich in Italien. Erst vor etwa Monatsfrist hatte ich Gelegenheit zusehen, wie viel lehrreiche Beohachtungen auf diesem Gebiet sichallein an den in der Exposizione dell' arte sacra zu Turin ver-einigten Handschriften und Frühdrucken anstellen Hessen.
Bedeutende Veränderungen erfuhr diesmal der Text. Auf mehr-fachen dringenden Wunsch hin, der speciell auch von Benutzernausging, die sich der Arndt'schen Schrifttafeln zum Selbstunterrichtbedienen, entschloss ich mich, allen schwierigeren Schriftproben undallen nach dem II. Jahrhundert fallenden überhaupt vollständigeTextauflösungen beizufügen. Zum Schlüsse folgt eine schon im1. Heft angekündigte Uebersicht der Tafeln beider Hefte nachSchriftart und Alter und — auf A. Schulte's Anregung — eine Kon-kordanztabelle der Bestände und Zählungen der drei Auflagen.Für liebenswürdiges Entgegenkommen bei der Auswahl der neuenTafeln bin ich den Herren Geheimen Archivrath Dr. Könnecke inMarburg, dem Direktor des k. u. k. Haus-Hof- und Staatsarchivsin Wien, Hofrath Dr. Winter und dem Archivar des Benediktiner-stiftes St. Paul in Kärnten, P. Anselm Achatz, verpflichtet. Im be-sonderen habe ich Herrn Dr. Hans von Voltelini vom Wiener Staats-archiv für die Auswahl der Tafel 67, die er auf meinen Wunschhin vornahm, sowie Herrn Professor H. Zimmer in Greifswald fürwichtige sachliche Aufschlüsse über die der Tafel 42 zugrundeliegende Handschrift zu danken.
MICHAEL TANGL.
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VORREDE ZUR IV. AUFLAGE.
Di
'ie Beigabe neuer Tafeln konnte sich diesmal, da ich weiter-gehenden Bedürfnissen und Wünschen mittlerweile durch die Aus-gabe eines eigenen (III.) Heftes und anlässlich der 4. Auflage desI. Heftes einigermassen gerecht werden konnte, auf das not-wendigste beschränken. Hierzu zählte allerdings ein Stück, einefür die Erkenntnis der Schriftentwicklung von der Unciale zurjüngeren Uncial - Cursive geradezu grundlegende Urkunde, derprächtige Strassburger Papyrus, den H. Bresslau vor Jahresfristveröffentlichte und erläuterte. Ich danke es dem liebenswür-digen Entgegenkommen Bresslau's und des »Archivs für Papyrus-forschung«, dass ich diesen Papyrus in Tafel 32 A jetzt als Zierde der
BERLIN, im November 1905.
Sammlung einfügen kann. Als weitere Ergänzung biete ich inTafel 49 A eine Ostertafel, verbunden mit annalistischen Ein-tragungen. Die Wichtigkeit solcher Handschriften für palaeogra-phische Fragen, und nicht nur für sie allein, bewog mich, einesolche in bisherigen Sammlungen überdies recht karg vertreteneProbe der Neuauflage beizugeben. Die Uebersicht über Alterund Inhalt der Tafeln, die am Schlüsse der 3. Auflage desII. Heftes gestanden hatte, konnte jetzt fortfallen, da siebereits durch eine vollständigere, auch über das III. Heft sicherstreckende Zusammenstellung in der 4. Auflage des I. Heftesersetzt ist.
MICHAEL TANGL
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