INHALT DER TAFELN.
Tafel 31.
a) Römische Capital-Cursive. Wachstafel aus Pompei, demFacsimile von G. De Petra, Le Tavolette cerate di Pompei, Napoli1877, Tav. I. nachgezeichnet. In dieser Publication ist der Textder Tafel, die am II. Nov. 56 geschrieben, unter Nr. 118 gegeben.Hier ist die Lesung von Th. Mommsen im Hermes XII, S. 135wiederholt. Die eingeklammerten Worte und Buchstaben sind zer-stört und von Mommsen ergänzt, Punkte bedeuten Stellen, die sozerstört sind, dass eine Ergänzung unmöglich ist. Einen theihveiseabweichenden Text bietet die Neuausgabe von Zangemeister, Corp.Inscr. Lat. IV. supplem. 1898, S. 305, Nr. XXIII mit Facsimile. Dieabweichenden Lesungen Zangemeisters sind im folgenden in rundenKlammern beigefügt.
[Q. Volusio S] aturni [no P. Cor][nelio Scipi] one [cos.]
III idus Novembr
.....^ Umbriciae Antiochidis sefrvos]
5 [scripsi ea]m accepisse ab L. Caec[ilio][Iucundo] sestertios nummos sescentos[quadragi]nta quinque [ob auct]ionem
...................... ([factum nojmine Z.)
rebus innisiticis (inpositicis Z.) v[enditis] .....
ex qua summa [accepil ante hanc diem] ([accepit nnme-
10
15
ratos] Z.) . . .
sestertios ducentos arbitria[r ([sestertios] Z.)
viginti et acce[ptos] HS XIII [et] minus
HS LH (LI Z.) et hac d[ie relijquos ego
sestertios tre[centos] sexsaginta
nummos
Achim Pompeis.
In Z. n ist das letzte r in unserer Nachbildung nicht sichtbar,sondern nur ein Ueberrest dieses Buchstabens vorhanden. In Z. 12und 13 ist HS das Zeichen für sestertios.
b) Aus dem Herculanensischen Papyrus, der das Gedicht aufdie Schlacht von Actium enthält, und der also in den Jahren 31v. Chr. bis 79 n. Chr. geschrieben sein muss. Während früher nurdie Nachbildung im zweiten Bande der Volumina Herculanensia vor-lag, und man nach dieser schliessen musste, dass in der Schrift schoneine starke Annäherung an die Unciale vorhanden sei, zeigen diegenaueren von Scott, Fragmenta Herculanensia, Oxford 1885, ge-gebenen Nachzeichnungen, dass noch durchaus der Capitalcharakterder Buchstaben bewahrt geblieben ist. Man vergleiche übrigensauch die Nachbildung eines weiteren (stark verletzten) Stückes der-selben Papyrusrolle bei Zangemeister und Wattenbach, Exemplacodicum latinorum litteris maiusculis scriptorum, Heidelberg 1876,Taf. 3. Wattenbach, Anleitung zur lateinischen Palaeographie 4 S. 85,und Arndt zweifelten noch an der Ursprünglichkeit der Trennungs-punkte, die sich am Schlüsse jedes Wortes finden; da aber die gleicheArt der Worttrennung auch in dem ältesten, wahrscheinlich nochaus dem I. Jahrhundert stammenden Papyrus der Sammlung Erz-herzog Rainer, einem aus Legionarkreisen in Aegypten stammendenBrief (jetzt Wessely, Schrifttafeln zur älteren lateinischen Palaeo-
graphie, Wien 1898, Taf. I), durchgeführt ist, wird dies Bedenkenwohl fallen zu lassen sein. Der Strich über dem u in Z. 6 wird alsAccentzeichen aufzufassen sein, ebenso wohl der Strich über o in Z.6.Dagegen dürfte in Z. 6 der Strich hinter dueum als Interpunctions-zeichen anzusehen sein. Der verzierte Strich unter dem Anfang derZ. 3 (er findet sich auch noch in Scotts Tafel F) soll wohl einen nachdieser Zeile folgenden grösseren Absatz bezeichnen. Das Zeichen amSchluss der Z. 6 sieht dem später oft in Handschriften auftretendenParagraphenzeichen ähnlich. Es kommt in den von Scott gegebenenNachzeichnungen nicht weiter vor, während dagegen öfter am Zeilen-ende (z. B. Scott, Taf. F) einfache Striche gesetzt sind. Soll es etwaden Schluss des ganzen Gedichts andeuten? Aus dem Facsimilebei Scott geht hervor, dass dieses Blatt der Rolle nicht ganz be-schrieben worden ist. Ist die Annahme, dass hier der Schluss desGedichtes vorliegt, richtig, so könnte das links unten stehende XUeberrest einer Stichenzahl sein. Unsere Probe ist dem Facsimilevon Scott, Taf. H, nachgebildet, weil aber in derselben kein F an-zutreffen, habe ich aus Scott, Taf. E, zwei solche Buchstaben nach-bilden und rechts am Rande gegen die Schrift gekehrt setzen lassen.Der (herstellbare) Text des Gedichts findet sich bei Riese, Antho-logia latina, Fase. II, 3 — 5, Nr. 482. Unsere Probe ist Vers 57—62.
...... atae ..... m . portarum . claustra . nee . urbem.
opsidione . tarnen . n[e]c . corpora . moenibus . ar[c]ent.castraque . pro . muris . atqae . arma . pedestria . pouunt.lws(?) . inter coetus . ftjalisque . ad . betta . paratas.5 utraque . sollemnis . iterum . revoeaverat. orbes.co?isiliis . nox . apta . dueum . lux . aptior . armis.
In Z. 1 sind die ersten beiden Buchstaben at unsicher. In Z. 2sieht der letzte Buchstabe (der aber nothwendig ein t sein muss)dem e ähnlicher wie dem t. Ob in Z. 4 hos oder hoc zu lesen ist,erscheint fraglich. Dem Schriftreste nach erschiene die Ergänzungzu c für wahrscheinlicher, während der Sinn des Satzes unbedingtfür s spricht.
c) Pompejanische Mauerinschrift, dem Facsimile des CorpusInscriptionum Latinarum IV, Taf. III, 7 (= Nr. 2155) entnommen.Neben den Capitalbuchstaben finden sich in dieser Schrift schonzahlreiche Cursivelemente.
C. Cominius Pyrrichus . etL. Novius . Priscus . et L. CampiusPrimigenius fanatici tresa pulvinar Synethaei5 hie fuerunt cum Martialesodale Actiani Anicetiani.sinceri Salvio sodali feli[cit]er
d) Pompejanische Mauerinschrift, ebendaher, Tafel XXXI, 7(= Nr. 1601). Capitalschrift mit einigen Cursivelementen.
ambitione potens.
e) Pompejanische Mauerinschrift, ebendaher, Taf. XXXVII, 1(= Nr. 2320). Gewählt, um die eigenthümliche Gestalt des E undF zu veranschaulichen. Capitalschrift.
felix hie locus] est.
PSW;