Druckschrift 
2 (1906)
Entstehung
Seite
25
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des classischen Alterthums beruht, in welcher sich aber doch schondas Streben zeigt, den einzelnen Buchstaben etwas aufzuputzen.Man beachte in dieser Beziehung die feinen, ziemlich lang aus-gezogenen Verzierungsstriche an den Kopfenden einzelner Buch-staben, namentlich der u, die meist spitz unter die Zeile laufendenBuchstabenschäfte und die bereits recht schnörkelhaft gestaltetenZüge im x (Z. 3) und g (Z. 10). Es wurde gerade diese Probegewählt, um durch Zusammenstellung von ihr mit überaus roh ge-schriebener Unciale (e), und der neu im Karolingerreiche belebtenKunstunciale (f) zu zeigen, welche Veränderungen im Laufe derJahrhunderte die Uncialschrift betroffen haben.

propter spem enim Isra hei catena hac circum ] datus sum.At Uli dixe j runt ad cum. nos neq(ue) j lüteras aeeepimus de

e) Aus der Handschrift der Seminarbibliothek von Autun Nr. 3,die vier Evangelien enthaltend, von Gundohinus auf Bitten desMönches Fulculf im Monat Juli des dritten Regierungsjahres KönigPippins (d. i. 754) in Vosevius (? unbekannter Ort, die Handschrifthat: patravi Vosevio) in Uncialen und merovingischer Cursive ge-schrieben, vgl. Delisle, Note sur trois manuscrits ä date certaine,Bibliotheque de l'ecole des chartes, Serie VI, Bd. 4, S. 217 f., woauf der beigefügten Tafel die Subscription des Gundohinus gegebenist. Unsere Probe ist der Abbildung bei Zangemeister und Watten-bach, Exempla u. s. w. Supplementum, Taf. 61 entnommen, undenthält vom Lucasevangelium das Ende von Vers 2, sowie Vers 3und 4 des ersten Capitels. Die Schrift ist, wie schon gesagt, eineäusserst rohe, die Latinität sehr barbarisch. Von Abkürzungenfindet sich nur Z. 2 und 9 die für -um, Z. 4 die für -bus. Z. 7 istaus Teophele corrigirt Theophile, wie es scheint vom Schreiberselbst, und nicht von dem Corrector, der wie Zangemeister undWattenbach a. a. O. S. 8 angeben, auf den linken oberen Rand derSeite, aus welcher unsere Probe stammt, die tironische Note fürlegi gesetzt hat, ähnlich also wie in Heft I, Taf. 5. Man beachtedie Form des m in Z. 2.

fuerunt sermo\nis visu(m) est mihi. \ adsecuto a prin cipioomnib(us) dili\genter ex ordine

f) Aus Sickel, Monumenta graphica, Facs. VIII, Tab. VIII ent-nommen, der diese Probe aus dem Codex, aus welchem b unsererTafel stammt, gibt. Die von uns gewählte Stelle stammt aus demMarcusevangelium cap. I, v. 4 und 5. Es liegt hier ein Beispielder zu voller Schönheit kunstvoll durchgebildeten Uncialschrift deskarolingischen Zeitalters vor. Abkürzungen finden sich in der vonuns wiedergegebenen Stelle gar nicht. Die Anfangsbuchstaben dereinzelnen Verse sind herausgerückt (Z. 8).

in deserto bap\tizans et praedicans baptismumpaeni\ten-tiae in re\missionem \

Tafel 34. Halbunciale.

a) Aeltere Halbunciale, entnommen der Photographie bei Sickel,Monumenta graphica, Fase. VIII, Tab. II, aus dem Codex der Capi-tularbibliothek in Verona XXXVIII, 36, der im Jahre 517 von Ursi-cinus, dem Lector der Kirche von Verona, geschrieben ist, vgl.Zangemeister und Wattenbach, Exempla, Praef. 7 ff., und Reiffer-scheid, Bibliotheca patrum latinorum Italica I, S. 100 ff. (Sitzungs-berichte der Wiener Akademie, Philosophisch-histor. Classe, 49S. 110), der ihn jedoch anfänglich in das achte, später (a. a. O.S. 195 = Sitzungsberichte, 53 S. 350) in das siebente Jahrhundertsetzte. Dieser Codex enthält die von Sulpicius Severus verfassteVita S. Martini, sowie die Epistolae und Dialogi desselben Autors.Eine andere Schriftprobe aus derselben Handschrift findet sich beiZangemeister und Wattenbach a. a. O. Tafel 32. Die Schrift zeigteinen ungelenken Charakter, einzelne Buchstaben sind überauseckig oder gebrochen gestaltet worden. Am interessantesten er-scheint mir die durchgängig bewahrte Majuskelgestalt des n. Das aist stets rund und geschlossen; wie es gestaltet wurde, sieht manam besten in reservaret der Z. 4 und quae der Z. 7. Von anderencharakteristischen Buchstaben sei namentlich auf das f, g und r

hingewiesen. Die ältere Halbunciale ist die Mutter der irisch-angel-sächsischen Schriftarten. Unsere Probe findet sich in den der VitaMartini von Sulpicius Severus angehängten Dialogen, und zwarDial. II (III nach der früheren Zählung), cap. 14, § 6, in der Harni-schen Ausgabe (Corpus Scriptorum ecclesiasticorum latinorum, Vol. I)S. 212. Am Schluss von Z. 3 unserer Probe ist ein d zu ergänzen,ein Ueberrest dieses Buchstabens ist auch in der Nachbildung nocherkennbar.

pondus illud monasterii Urnen adtingeret \ redunendis idcaptivis continuo deputavit \ et cum ei. suggereretur afratri-bus ut aliquifd] ex eo in sumptum monasterii reservaret \omnibus in angusto esse victum. multis de \ esse vestitum.

b) Aus der bei Taf. 29 c genannten Handschrift der Gymnasial-bibliothek von Quedlinburg, nach dem von Delisle a. a. O. auf Taf. IIIgegebenen Facsimile, das, dem fol. 136 der Handschrift entnommen,den Anfang des dritten (in Halms Ausgabe des zweiten) Dialogsdes Sulpicius Severus gibt. Die erste und die dritte Zeile, die anden Rand gesetzten Capitelzahlen, die Initialen der Capitelüber-schriften, sowie die auf dem untern Rande stehende Quaternionen-bezeichnung sind in der Handschrift mit Roth, alles andere schwarzgeschrieben. Es liegt uns hier ein Beispiel jener schönen karo-lingischen Halbunciale vor, die nach Delisles Ausführungen alscharakteristisches Kennzeichen der Schreibschule von Tours zu be-trachten ist. Auch in ihr tritt uns noch durchgehend die Majuskel-form des n entgegen, a ist rund, geschlossen und mit dreimaligemFederansatz gemacht, das g, obschon unschön in seiner Erscheinung,verräth durchaus seinen, nur aus der älteren Halbunciale und dervon dieser beeinflussten angelsächsischen Schrift zu erklärendenUrsprung, das m biegt seinen letzten Strich stets nach links ein,das r stammt gleichfalls aus der älteren Halbunciale. Die anderenBuchstaben dagegen zeigen den Charakter der karolingischen Minus-kel, die Schäfte der über die Zeile hervorragenden Buchstabenhaben noch keulenförmige Gestalt, wenn auch in bescheideneremMasse als es uns in der Minuskel des achten Jahrhunderts ent-gegentritt. Interessant ist ferner die Gestalt des s, das mit seinemoberen Zuge sich so weit nach rechts legt, dass es den folgendenBuchstaben überdeckt.

Inc(i)pfiujnt eap(itu)l(a) , Dialogi III. I UM multitudo

hotni | num insperata oecurrit \ audire Galluvi de s(an)c(t)i

AIar\\tini virtutibus locuturo \

c) Angelsächsische Halbunciale aus dem Ende des achten Jahr-hunderts, nach dem Lichtdruck in Catalogue of ancient manuscriptsin the British Museum, Part. II. Latin, Londen 1884, Taf. 17, welchefol. 14 der Handschrift Royal Ms. 1 E. VI, die vier Evangelien ent-haltend, wiedergiebt. Beschreibung der Handschrift a. a. O. S. 20bis 22. Unsere Probe umfasst Evangelium Matthaei cap. 12, v. 14bis 20. Bemerkenswerth ist hier das Vorkommen des den tironi-schen Noten entstammenden, aber durch seine häufige Anwendungfür angelsächsische Schrift charakteristischen Zeichens für autem inZ. 1 u. 4, die an den Rand von Z. 1016 gesetzten Anführungs-zeichen, die Majuskelbuchstaben am Ende der Z. 8. Das Minuskel nüberwiegt bereits, es kommt in den mitgetheilten Zeilen geradenoch einmal so häufig vor als die Majuskelform. Der angelsächsischeCharakter zeigt sich namentlich in den gebrochenen Zügen des bund 1, sowie in r, welches bereits vollständig die der angelsäch-sischen Minuskel angehörige Gestalt angenommen hat, während pund das lange s noch die Halbuncialform bewahrt haben. Einmal(Z. 16) stossen wir auch auf ein Majuskel r. Die Majuskelformdes s überwiegt noch, sie findet sich fast doppelt so oft als diedes langen s. Abkürzungen sind wenig gebraucht worden, undnur die gangbarsten. Die Punkte am rechten Rande sind die fürdie Linienziehung vorgestochenen Löcher.

Exeuntes (autem) Pharisaei consilium | faciebant adversuseum quomodo eum perderent. \ lefsujs (autem) sciens re-cessit inde et secuti (sun)t eum multi et curavit eos omnes :

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