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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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Studien über Rudolf von Ems. 83

nischen Schriftsteller kannte, getan und den Willehalm, hätte erschon bestanden, mitaufgezählt haben. Umgekehrt aber, im Wille-halm brauchte er den Alexander nicht mitzunennen, wenn diesernicht vollendet (bezw. nicht veröffentlicht) war 1 , da es ihm hierin der Hauptsache nur darauf ankam 2 , seine Person festzustellenund durch Hinweis auf seine verbreiteten Werke zu bezeugen,daß er jener bekannte Rudolf sei, der die Gedichte vom g. Ger-hard und von Josaphat verfaßt habe. Aus demselben Grundekonnte er hier von der Erwähnung des offenbar nur wenig ge-lesenen Eustachius absehen 3 .

Diese literarisch-historischen Erwägungen bezüglich der Selbst-zitate Rudolfs also sprechen für den zeitlichen Vorgang desAlexander vor dem Willehalm. Zu dem gleichen Ergebnis führentextkritische Beobachtungen. Seine früheren Dichtungen zitiertRudolf im Alexander und im Willehalm in der Weise, daß er alsThema ihres Inhalts einen charakteristischen Satz des Texteswörtlich anführt 4 : Alex. 3281 f. der guote Gerhart loste von grözemuntroste = Willeh. 15633f. ist entnommen aus dem g. Gerh. 3299f.:wie ich die von untroste mit minem guote erlöste; Alex. 3285 f. dergotes genäde koufte, er sich gote toufte stammt aus Bari. 172, 29 f.mich gotes gnaden koufest, daz du mich gote toufest; und wie sichvon der heidenschaft bekerte nach der gotes kraft AI. 3287 f. = Willeh.15637 f. ist = Bari. 204, 29 f. dine gotliche kraft und lazse invon der heidenschaft (der Reim Josaphat: rät AI. 3283 f. = Willeh.15639 f. ist sehr häufig im Barlaam). Die Gleichungen zwischen

1 Vgl. Junk a. a. O.; Leitzmann, Ztschr. f. d. Phil. 43, 309f.; Herchen-bach S 163 ; Busse S. 39f. Ein sicher beglaubigter Fall von Unter-brechung oder Abbruch eines Werkes durch Aufnahme eines andern liegt beiHugo v. Trimberg vor, Renner a. a. O.

2 Die Absicht, seine bisherigen Werke ins Gedächtnis des Publikumszurückzurufen und zu empfehlen, mag dabei mitgesprochen haben, vgl. fürHonorius Aug. Endres a. a. O., S. lOf. 72f. Das gleiche Problem hinsicht-lich der Nichterwähnung von Schriften im zusammenfassenden Rückblickeines Autors besteht auch für Honorius, s. Endres S. 72f.

3 Das Kernmotiv des Eustachius ist das gleiche wie das des g. Gerhard:Trennung und Wiedervereinigung sich nahestehender Menschen, das Themades spätgriechischen Romans.

4 In den lateinischen Literaturgeschichten des MA., z. B. in Hugosv. Trimberg Registrum, werden die vorkommenden Werke ebenfalls durchAnführung wörtlicher Zitate und zwar der Anfangszeilen gekennzeichnet;vgl. auch den Facetus, derCum nihil utilius" genannt wird zum Unterschiedvon dem FacetusMoribus docet", beidemal nach den Anfangsworten.

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