Studien über Rudolf von Ems. 43
die Inhaltsbelehrung von Alexander handeln. Auch Cicero De inv.a. a. 0. äußert sich dahin: eum quem docilem velis facere, simulattentum facies oportet.
Noch ist zu erwähnen, daß zum Exordium auch die Namens-nennung des Autors gehört, titulus: titulus auctorem et undetractet breviter innuit Conradus Hirs. S. 24. Im Alexander bestehtder titulus im Eingangsakrostichon. Als Erweiterung des tituluskönnten die Verse 3279—3289 betrachtet werden, wo Rudolf überseine früheren Werke eine kurze Andeutung macht.
Die Prologe in den andern Werken.Die Prologe im Willehalm.
Prolog zum I.Buch, 1—132.
a) 1 — 16 Publikum. Allgemeine Charakteristik des tugend-haften Mannes 1 (der eregernde, den diu bescheidenheit tugendet, alsoder nach dem Honestum strebt). Aus edelm Herzen kommt dieLehre, die uns zur Erlangung der Tugend hilft, edelez herze ist dieQuelle reiner fügende (des Honestum), den höchsten Preis trägtdiu zuht, die gute Erziehung, die feine Bildung 1—4. Lop undlobelichez guot (ere und guot, honestum und bonum) mußder Mann in sich, in strebendem Herzen, zur Blüte und Dauerbringen, erziehen 5—10. Alle Wohlmeinenden (getriuwe) sind Kin-der der Ehre (des Honestum). Bescheidenheit, sittliche Erziehung,sittliche Bildung, verleiht mehr als alles andere die Tugenden (dasHonestum) 11 — 16. Der Schluß, 11—16, wiederholt den Eingang3. 4, zuht und bescheidenheit bedeuten ein und dieselbe Tugend,die modestia. Die modestia ist die erste Teiltugend der Tem-perantia (aoxppoavÜT]), ja sie kann in ihren Grundbedingungen ihrgleichgesetzt werden, denn sie besteht in der Beherrschung derBegierden (appetitus) durch die Vernunft (ratio). So lehrt dieMoralis philosophia (Migne 171, 1034—1039) nach Cicero, Deofficiis I, Cap. XXVII-XXXVII. Der Begriff von modestia =moderatio ist Mäßigung (diu mäze), Selbstbeherrschung, Sittsam-keit, Gefühl für Ehre und Zucht, Sittlichkeit. Freidanks bescheiden-heit lehrt also das, was die mittelalterliche Ethik unter der modestiazusammenfaßte.
1 Ztschr. f. d. A. 56, 137 ff.