voluntas dcfuncti MeIntimus Andreas | v(ir). c(larissimus)def(ensor) civ(itatis) Ravfennae) et Pompulius Bonifatius v(ir)l(audabilis) et iter(um) mag(istratus) d(ixerunt) | primitussuscipiatur carta tcstamcnti quae offertur j et testibiis prae-sentibfujs ostendatur carta testamenti \ suscept(a) /(tat) et
10 testibus praesentibus ostensa Iohannis v(ir) c(larissimus)
proemtor d(ixit) in hac voluntate minterfui in qua agnoscoanuli mei signaculum quam superscribtionem meam | etinfra suscribsi Vitalis v(ir) c(larissimus) r(o)g(atarius) d(ixit)et ego interfui \ huic testamento in q(u)o agnosco mei anulisignaculum q(u)am \ superscribtionem meam et infra suscribsi
15 Theodolas v(ir) cflarissimusj \\ olosiricoprata d(ixit) pleriquae
et ego interfui in hac voluntate in
Bemerkungen. In Zeile 4: linum, und ähnlich Z. 14: quound quam beachte man die eigentümliche Form des überge-schriebenen gekürzten u, ferner die mehrfachen starken technischenKürzungen. Z. 7: v(ir) c(larissimus) [ebenso auch Z. 10. 13. 15]def(ensor) civ(itatis) Rav(ennae) et Pompulius Bonifatius v(ir) l(au-dabilis) et iter(um) mag(istratus) d(ixerunt), Z. II. 13. 16 d(ixit).Z. 10: suscept(a) f(iat). Z. 13: Vitalis v(ir) c(larissimus) r(o)g(atarius)di^ixit). Das einmal durchstrichene d bedeutet also: dixit, dasmehrfach durchstrichene: dixerunt.
Tafel 3. a) Capitalschrift aus Cod. lat. Berolinensis in fol. 416,drei Blätter von Virgils Georgica enthaltend, vgl. Pertz, DieBerliner und die Vaticanischen Blätter der ältesten Handschriftdes Virgil, Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaftenzu Berlin 1863, und Zangemeister und Wattenbach, Exemplacodicum latinorum litteris majusculis scriptorum, Heidelberg 1876,Enarratio tabularum S. 3 u. 4, unter Nr. XIIII, in welchem Werkeeine andere Seite derselben Handschrift nachgebildet ist. AndereBlätter derselben Hs. im Cod. Vat. lat. 3526, aus diesem Probenbei Chatelain, Paleographie des classiques latins, T. 61 und Arch.paleograf. Ital. II. T. 12. Das Alter der Hs. ist strittig; PertzensAnsicht, der sie noch dem Zeitalter des Augustus zuwies, ist jetztallgemein aufgegeben; Chatelain a. a. O. setzt sie ins 2. oder3. Jahrhundert, ähnlich Prou, Manuel de Paleographie S. 16. Zange-meister und Wattenbach schliessen aus der — in der That sehr be-deutenden — Aehnlichkeit mit der von Papst Damasus I. (366—384)für Inschriften eingebürgerten Schriftart sowie aus der Anbringungverzierter Initialen auf Ausgang des 4. Jahrhunderts; dem schliesstsich Giorgi (Text zu T. 12 des arch. pal. Ital.) an. Unsere Probeumfasst Vergil Georg. III, 201—220, und ist die Schrift hier umetwa ein Drittel verkleinert worden. Abkürzungen sind nur weniggebraucht, Z. 6. J. 12. 15 q(ue); Z. 6. 11 u(m); Z. 17. 18 b(us). Zubeachten ist auch, dass der Schreiber, um den vorgesteckten Zeilen-raum nicht allzusehr zu überschreiten, die Zeilen 1. 3. 5. 6. 7. 10bis 17. 19 in kleineren Buchstaben auslaufen Hess, in Z. 7. 12. 14. 17sogar zur grösseren Raumersparniss primäre Ligatur anwandte. InZeile 13 ist am Ende durch Beschädigung des Pergaments ein aausgefallen.
Ille volat simul arva fuga simul aequora verrensIlic vel ad Elei metas et maxima campiSudabit spatia et spumas aget ore cruentasBelgica vel molli melius ferat esseda collo.
b) Capitalschrift. Die Probe ist (verkleinert) der von Zange-meister und Wattenbach a. a. O. Tab. 11 gegebenen Abbildungaus Cod. Vatican. 3867 entnommen, vgl. auch deren Vorrede S. 3,wo darauf hingewiesen wird, dass die Handschrift wegen der Bar-baries des Textes nicht im zweiten Jahrhundert, sondern erst spätergeschrieben sein könne, und dass die durch Punkte bewirkte, übrigenssehr fehlerhafte Worttrennung (vgl. die erste Zeile unserer Tafelund besonders die vorletzte Zeile bei Zangemeister-WattenbachT. 1 1) erst nachträglich eingetragen worden ist. Proben von anderenBlättern derselben Hs. Palaeogr. Soc. Ser. I. T. 113, 114 mit demZeitansatz: ,,3.—4. Jahrhundert (?)", Chatelain T. 65 mit dem Zeit-
Zu beachtenvom Schreiber selbst
ansatz: ,,6. Jahrhundert (?)" und Arch. paleogr. Ital. II. T 12 („Endedes 3. oder 4. Jahrhunderts"). Proben der Miniaturen bei Hartel undWickhoff, Die Wiener Genesis, Wien 1895 Taf. D und Beissel, Vatik.Miniaturen Taf. 1. Während Wickhoff a. a. O.S.95 auf Grund seinerBeurtheilung der Miniaturen für sehr hohes Alter der Hs. eintrat,verhalf L. Traube, Das Alter des Codex Romanus des Virgil, StrenaHelbigiana 1899 S. 307—314, den Zweifeln Wattenbachs und Chate-lains an dem hohen Alter des Codex durch Hinweis auf die wenigstensvereinzelt vorkommenden, vor dem 6. Jahrhundert nicht nachweis-baren Contractionskürzungen DS = deus und DO = deo wohl end-giltig zum Siege. Unsere Probe umfasst Virgils Eclog. VI, 62—69.Tum Phaetontiadas musco circumdata maro (so stattcircumdat amaro)Von Abkürzungen tritt auf: Z. 3 u(m), Z. 5 q(ue)ist das in Z. 8 anfänglich ausgelassene undüber der Zeile nachgetragene hos.
Tafel 4. Uncialschrift.
a) Codex Paris, lat. 5730, Livius XXI, 21, wohl im fünftenJahrhundert geschrieben. Hier nach dem Facsimile in Mommsenund Studemund, Analecta Liviana, Leipzig 1873, wiederholt.Dieselbe Seite geben in Lichtdruck Zangemeister und Wattenbacha. a. O. Tab. 19, deren Bemerkungen S. 5 zu vergleichen sind, einanderes Blatt derselben Hs. bei Chatelain a. a. O. T. 116 (Zeitansatz:5. Jahrhundert) mit guter Beschreibung der Hs. und Zusammen-stellung der Schriftproben.
Abkürzungen kommen vor col. 1 Z. 1 b(us); Z. 10 und col. 2Z. 2 u(m); col. 2 Z. 26 i(m). Zu beachten sind die durch Ueber-schreiben bewirkten Verbesserungen in col. 1 Z. 3, col. 2 Z. 14U. 15; die Art der Tilgung von Buchstaben durch Durchstreichenund Darübersetzen eines Punktes col. 1 Z. 3. 23, col. 2 Z. 4. 9;die primäre Ligatur ae in col. 2 Z. 8 am Ende und un in Z. 22am Ende, die sicherlich zum Zwecke der Raumersparung gemachtworden sind, wie zu demselben Zwecke in col. 1 Z. 1 um ligirtworden ist, in col. 2 Z. 17 es, in Z. 19 a am Ende kleiner gestaltetwurden. Nach Zangemeisters Bemerkung a. a. O. S. 5 ist col. 2Z. 26 das eigenthümlich gestaltete Zeichen für Mille erst von neuererHand ungeschickt nachgebessert worden.
bene iuvantibus bellum | ingentis gloriae prae \ daequefuturum in \ cipiamus.
b) Codex Leidensis 21. Fragment einer Handschrift der HistoriaFrancorum des Gregor von Tours, die noch in das siebente Jahr-hundert zu setzen sein wird. Vgl. Arndts Ausgabe der HistoriaFrancorum , in Monumenta Germaniae historica, Scriptores RerumMerovingicarum, Tom I , S. 24. Zangemeister und Wattenbachhaben a. a. O. in Tafel 45 die beiden Columnen der betreffendenSeite aus der Handschrift gegeben, während hier nur das Ende derzweiten Columne reproducirt ist. Man ersieht aus unserer Tafel,wie der Schreiber zuletzt haushälterisch mit dem verfügbaren Raumumgegangen ist. Von Abkürzungen finden sich nur Z. 3 pr(es)b(i)t(er),Z. 4 archidiac(onu)s, Z. 10 ep(iscopu)s. Um Raum zu gewinnen,ligirte der Schreiber am Ende der Zeilen 2. 21 und 22, wobei dasin Z. 21 angewandte Minuskel-s bemerkenswerth ist. Ein spätererCorrector suchte, ohne eine handschriftliche Vorlage zu haben, inZ. 2. 3. 10 und 13 zu verbessern, einen ihm überflüssig erscheinendenBuchstaben strich er einfach aus. Unsere Probe entspricht demText der Historia Francorum V, 46 a. a. O. S. 238. Z. 15—21.
cuius obitütn multi ut \ fit episcopatum petibant (Corr.:petebanf). \ Transobadus (Corr.: Trasobadus) vero pr(es)-b(i)tfer) \ qui quondam archidiacfonujs \
Tafel 5. Halbuncialschrift. Codex Berolinensis, Ms. theol. lat.Fol. 354; wohl in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts ge-schrieben. Fol. 1' — 2' zeigen eine von cursiven Elementen nochstark durchsetzte Frühminuskel, eine ähnliche Hand in schmuckloserMinuskel erscheint Fol. 103 — 105' und 113— 11 5', doch so, dassder Context fortläuft und an Nachtragung daher nicht gedacht