III
VORREDE ZUR III. AUFLAGE.
Ais ich auf das Anerbieten der G. Groteschen Verlagsbuchhandlunghin mich zur Revision der 3. Auflage der Arndtschen Schrifttafelnbereit erklärte, galt es für mich, zunächst die Fragen über Auswahlund Reproduktionsart der Tafeln zu erörtern. Arndt hatte anlässlichder 2. Auflage so manches im Bestand der Tafeln geändert. Wieweit er darin bei einer Neubearbeitung gegangen wäre, mussdahingestellt bleiben. Meinerseits betrachtete ich es als eine Pflichtder Pietät gegenüber dem Verstorbenen, an dem vorhandenenBestand der von ihm mit hervorragendem Geschick zusammen-gestellten Sammlung so wenig als möglich zu rütteln, dafür aberdie Veränderung der Neuauflage in einer Erweiterung derselbenzu suchen. Nur Tafel 25 der früheren Auflage, die als einzigedeutsche Schriftprobe vollständig aus' dem Rahmen des zur Er-lernung der lateinischen Palaeographie bestimmten Werkes fiel,habe ich ausgeschieden und die in ihr vertretene Schriftart durchdie neue Tafel 28 ersetzt. Die übrigen Ergänzungen suchte ichzunächst auf dem Gebiet, auf das die Lücken in den bisherigenTafeln und das praktische Bedürfniss gemeinsam wiesen, im Schrift-wesen des späteren Mittelalters. Die neu hinzugefügten TafelnNo. 26, 27, 29, 30 entstammen durchaus Handschriften von genaufeststellbarer Herkunft und Entstehungszeit und bieten Proben vonSchriftarten, die in den bisherigen Tafeln nicht vertreten waren.Das zweite Heft wird Aufnahmen aus der Sammlung der PapyrusErzherzog Rainer und Ergänzungen anderer Art bringen.
Die andere wichtige Frage betraf das Reproductionsverfahren.Wie vor 9 Jahren Arndt, musste auch ich einerseits auf den Licht-druck als auf das Wünschenswerthe hinweisen, konnte mich aberandererseits den Bedenken des Verlegers nicht verschliessen, dassdadurch die vorhandenen Steine entwerthet, die Neuauflage wesentlichvertheuert und damit aufhören würde, ein gerade seiner verhältniss-mässigen Billigkeit wegen weitverbreitetes Hilfsmittel für den palaeo-graphischen Unterricht zu sein. So beschied ich mich denn für den
MARBURG i. H., Oktober 1
alten Bestand mit der Photolithographie, machte aber gerne vondem Anerbieten des Verlegers Gebrauch, die neu hinzukommendenTafeln in Lichtdruck zu reproduciren. Die dadurch entstandeneäussere Ungleichartigkeit zwischen altem und neuem Bestand wirdhoffentlich nicht allzu störend wirken und gegenüber der Billigkeitdes alten und den technischen Vorzügen des neuen Reproductions-verfahrens verziehen werden.
Schon bei den früheren Auflagen von Arndt war vereinzelt derWunsch nach genau chronologischer Anordnung der Tafeln innerhalbbeider Hefte geäussert worden. Da aber die neue Auflage des2. Heftes noch nicht gleichzeitig mit der des vorliegenden erscheinenkonnte, sondern erst voraussichtlich im nächsten Jahre nöthig werdenwird, so musste, um nicht die bereits dringende Neuausgabe des1. Heftes noch weiter zu verzögern und dadurch den Gebrauchbeider Hefte nebeneinander zu hindern, auf Erfüllung jenes Wunschesverzichtet werden. Blieb es beim bisherigen System, so trug ichauch kein Bedenken, gerade dem 1. Heft die mir zunächst liegendenErgänzungen aus dem späteren Mittelalter anzufügen. Dem prak-tischen Bedürfniss des Benutzers soll eine dem zweiten Heft bei-zugebende chronologisch geordnete Uebersichtstabelle dienen.
Mit der Transscription der Texte hielt ich es wie Arndt beiden bisherigen Auflagen; nur bei Tafel 27 und 29, die schwierigeund zum Theil unedirte Texte bieten, habe ich die vollständigeLesung gegeben.
Für liebenswürdiges Entgegenkommen bei Auswahl und Auf-nahme der neuen Tafeln bin ich den Herren Director Dr. v. Laub-mann und Oberbibliothekar Dr. Riezler von der kgl. Hof- undStaatsbibliothek in München, Herrn Hofrath v. Zeissberg, Directorder k. k. Hofbibliothek in Wien, sowie den Hütern und bewährtenBearbeitern des Papyrus Erzherzog Rainer, den Herren ProfessorenKarabacek und Wessely in Wien, zu Dank verpflichtet.
MICHAEL TANGL.
VORREDE ZUR IV. AUFLAGE.
LJer Text, dem gegenüber ich mir bei der 3. Auflage noch vor-sichtige Zurückhaltung auferlegt hatte, hat diesmal zum Theil ein-schneidende Veränderungen erfahren. Vor allem sind, entsprechenddem Plane, den ich bereits bei der Neubearbeitung des 2. und derZugabe eines 3. Heftes durchgeführt hatte, jetzt auch für das 1. Heftallen irgend schwierigeren Schrifttafeln vollständige Transscriptionenbeigegeben. Von den vier neu hinzukommenden Aufnahmen bietetTaf. 26 a eine Schriftprobe aus der ältesten bestimmt datirten abend-ländischen Handschrift, in der arabische Ziffern zur Verwendunggelangten, Taf. 30A eine Renaissance-Minuskel von der Hand desMeisters dieser Schriftart, Poggio's Bracciolini, Taf. 30 B, mehrfach
BERLIN, im September 1904.
geäussertem Wunsche entsprechend, die Probe eines Frühdruckesund Taf. 30C den Versuch eines modernen Fälschers, mittelalter-liche Schrift künstlich nachzuahmen. Die Zugabe dieser Tafelnverdanke ich dem Entgegenkommen der k. k. Hofbibliothek inWien, der Bibliotheca Laurentiana in Florenz und des Herrn Prof.E. Seckel-Berlin. Um die Zählung der Tafeln innerhalb der dreiHefte fortan nicht mehr zu stören, wurden die neuen Tafeln mitIndices bezeichnet. Die chronologisch geordnete Uebersicht überdie Tafeln aller drei Hefte soll die etwas anders gearbeitete undauf die beiden ersten Hefte beschränkte Tabelle der 3. Auflage deszweiten Heftes ersetzen.
MICHAEL TANGL.