Druckschrift 
1 (1904)
Entstehung
Seite
II
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II

Male ausgegeben wurde, durch Zangemeister und Wattenbachs nichthoch genug zu lobende Publication uns vollständig erschlossen wordenist. Von der Halbunciale gehen die Tafeln dann zu den sogenanntenNationalschriften über und laufen durch die Uebergangsschrift ausin Proben, die von dem achten bis an den Schluss des dreizehntenJahrhunderts reichen. Ich habe geglaubt hier Halt machen zu dürfen,weil im zweiten Heft reichlich Beispiele aus dem vierzehnten undfünfzehnten Jahrhundert geboten werden.

Es konnte in Erwägung des praktischen Zweckes, dem dieSchrifttafeln dienen sollen, auch ganz gleichgültig sein, ob stets einevolle Seite der betreffenden Handschrift wiedergegeben wurde, obdies in der Originalgrösse geschah, ob die Zeilentheilung genauinnegehalten wurde u. s. w., denn, ich wiederhole es, es kam mirnur auf den Schriftcharakter an. So wurde z. B. bei der älterenrömischen Cursive, wie sie hier durch die in Siebenbürgen ge-fundenen Wachstafeln vertreten ist, nicht darnach gestrebt, auchdie Form dieser Wachstafeln abzubilden und damit die Schrift weissauf schwarzem Grund erscheinen zu lassen, sondern es kam nur aufden ductus selbst an. Die jüngere römische Cursive ist hier inZeilen zusammengesetzt und etwas verkleinert worden, während einegetreue Wiedergabe des betreffenden Originals die vierfache Breiteder vorliegenden Tafeln verlangt hätte. Doch werden dergleichenvon mir angeordnete Abänderungen, um Irrungen zu vermeiden,stets weiter unten angegeben werden.

Die meisten Tafeln sind Nachbildungen, die direct durch Photo-lithographie von den Handschriften genommen wurden. Die Pro-venienz jeder Tafel wird genau angegeben. Einzelnes stammt ausvon mir früher angefertigten Facsimiles oder aus Abbildungen vonSchriftproben, die von Anderen besorgt worden sind. Dass vor-wiegend Proben aus historischen Handschriften entnommen sind,findet seine Erklärung in dem Umstände, dass ich als Historikerdergleichen Handschriften am Besten kannte. Mit Vorbedacht istendlich beinahe nur die Bücherschrift benützt worden. Die Schriftder Urkunden, namentlich der der älteren Zeit, ist, wie allgemeinbekannt, meist eine ganz eigenartig gestaltete, sie kommt weit mehrfür die Diplomatik als für die Palaeographie in Betracht, und fürdie Kaiserdiplomatik ist zudem in den letzten Jahren durch dieunter Sybels und Sickels Leitung unternommene Ausgabe derKaiserurkunden in Abbildungen in ausreichendem Masse gesorgtworden. Wenn also hier von Urkundenschrift nur die jüngere

LEIPZIG, Ende Juli 1887.

römische und die merovingische Cursive sich vorfinden, so hat diesseinen einfachen Grund darin, dass es auch Codices gibt, die insolcher Schrift geschrieben sind, während sich dies für die Schrift,die in der päpstlichen und kaiserlichen Kanzlei vom achten bis zumzwölften Jahrhundert geübt wurde, nicht nachweisen lässt.

Zum Schluss noch einige Worte über den unten folgendenErläuterungstext. Ich gestehe, dass hier Ansichten und Wünschelaut geworden sind, die in Bezug auf das Mehr oder Weniger sehrauseinandergingen. Man hat wohl stete Verweisung auf die imDruck herausgekommenen, einschlagenden Handschriftenkatalogeverlangt. Ich habe mich bestrebt, diesem Wunsche jetzt möglichstRechnung zu tragen. Ebenso habe ich, wo es anging, auf denbesten betreffenden Druck verwiesen. Am fraglichsten war undblieb, ob jede Probe hier ganz aufzulösen, wie dies zu geschehen,und in welchem Masse Erläuterungen hinzuzufügen seien. Ich habein den ersten vier Tafeln genauer auf Eigenthümlichkeiten derSchrift resp. des Schreibers aufmerksam gemacht, bei den folgendenTafeln nur Einzelnes hervorgehoben, um der Selbstthätigkeit nichtallzusehr vorzugreifen, überhaupt mich bestrebt, die Erläuterungenmöglichst knapp zu halten. Dagegen konnte ich mich nicht ent-schliessen, den vollen Text der Tafeln in Auflösung zu geben. Ichhabe beim Unterricht nur allzuoft die Beobachtung gemacht, dassdie Versuchung, in den Text hineinzublicken, gesiegt hat. Die Ab-kürzungen sind in dem gegebenen Text so behandelt, dass ich dienicht vorhandenen oder durch Abkürzungszeichen angedeutetenBuchstaben in runde Klammern eingeschlossen habe. Gerne hätteich die von Sickel befolgte Art und Weise, dergleichen in kleineremDruck wiederzugeben , angewandt, typographische Schwierigkeitenerlaubten dies aber nicht.

Wie ich früher von der Direction der königlichen Bibliothekin Berlin unterstützt wurde, indem dieselbe mir freie Benützung dervon ihr bewahrten Handschriften gestattete, so habe ich jetztnamentlich meinen Dank der hiesigen Universitätsbibliothek sowieder Hof- und Staatsbibliothek in München abzustatten, vor allemHerrn Oberbibliothekar Dr. Riezler in München, der sich der Müheunterzog, die Tafel 23 b auszuwählen, und andere Münchener Hand-schriften zu meiner Benützung nach Leipzig sandte.

Das zweite Heft der Schrifttafeln wird in neuer Ausgabe diesemersten unmittelbar folgen.

W. ARNDT.