⛪III §.Nicht wenige Naturkündigen unsrer Zeiten sind auf die Meynungverfallen, daß alle irdischen Geschöpfe, alle Arten der natürlichen Dingein einer durchgehends gleichförmigen Reihe geordnet, und genau untereinan-der verbunden seyn. Vornehmlich aber halten sich manche Botaniker fastfür überzeuget, daß in dem Pflanzenreiche alle einzelnen Arten also geschaf-fen sind, daß jede durch nächstverwandte oder sehr ähnliche mit andern ent-ferntern, und denn alle untereinander, nach Art einer ganz genauen Schat-tirung oder einer durch fast unmerkliche Stuffen an= oder abwachsenden Kette,zusammenhangen. Wir lassen dieser Meynung unterdessen ihren Werth:und werden uns weiter unten darüber erklären. Jenes gestehen wir dochauch hier schon ein, daß alle drey Reiche der Natur Familien und manchesehr beträchtliche Familien haben, (man mag sie Klassen nennen), in de-nen sich jener ordentliche Zusammenhang und ein Uebergang durch fast un-merkliche Abfälle deutlich zeiget. Und mag wohl eben diese Wahrnehmungdie vornehmste Triebfeder gewesen seyn, die die Kräuterkündigen sonderbar desjüngstverfloßnen und des gegenwärtigen Jahrhunderts zu jenem unermüdetenEifer bewog, eine natürliche Methode der Pflanzen zu stande zu bringen.Was haben wir aber wohl von aller ihrer mühsamen Arbeit? „Etwa ver-schiedene (schreibt jemand der neuern Naturforscher), etwa verschiedeneübelgeordnete und entweder ganz nicht oder nur auf den Schein unterein-ander verbundene Stücke jener vermutheten natürlichen Kette, oder endlichanstatt einer natürlichen Methode ein künstliches willkührliches Lehrgebäude;womit wir uns unterdessen aus Noth behelfen.“ Was mag aber die Ursa-che seyn, daß man mit einem Systeme von einer ordentlich zusammenhan-genden Reihe auch zu unsern Tagen nicht zu stande kömmt?— Was? ant-wortet der verdienstvolle Hr. Oeder (*) und wundert sich auch vielleicht, daßman nur fragen will, was anders, als der Abgang so vieler Zwischenstuf-fen; da es ausgemacht zu seyn scheinet, daß wir auch heut zu Tage vonden Arten der Pflanzen noch kaum über die Hälfte kennen? — — Nochkaum über die Hälfte? Der Ritter v. Linne ist dießfalls ganz widri-(*) Einleitung zu der Kräuterkenntniß 2. Th. 227, = 229. S §.
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Systematisches Verzeichniß der Schmetterlinge der Wienergegend
Seite
188
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