XANTEN.
35
neule Weihe zu; die zweite um 1109 griff verheerender um sich und vernichtete das ganzeArchiv, und last 20 Jahre muss die Erneuerung gedauert Haben, deren Weihe wir 1128begegnen. Norbert, einst Chorherr von Xanten und damals Erzbischof von Magdeburg,
vollzog sie.
Die ältesten Tbeile der jetzt bestehenden Kirche, nämlich die Thürme, sind ein Werkdes 13ten Jahrhunderts; ein Canonicus Bertbold tritt als ihr Erbauer auf." Dass die frü-here romanische Kirche Crypla und Vorhalle halte, geht zur Genüge aus den Nachrichtenhervor. 12 Ihre Urnwandelung in eine Kirche des germanischen Stils, dessen Zierde sie imvollsten Maasse ist, begann mit der Reparatur 13 und Hinausrückung des Chors um 1264,an welche sich der Umbau der Schiffe, der Bau der Sacrislei um 1316 und des Kreuz-ganges schloss, eine Bauperiode, deren Rechnungen uns bis zur Mitte des löten Jahr-hunderts vorliegen. ,+
Bedenkt man die Kostspieligkeit eines Baues, dessen Material von dem 30 Stundenentfernten Siebengebirge herbeigeschafft werden musste, so bedurfte es allerdings der hohenAngesehenheit des heiligen Ortes, der sich unaufhörlich mehrenden Privilegien 15 und der
11. Spenralh 2. Theil. Schölten S. IV.
12. Im 12len Jahrhundert ward in der Vorhalle der Kirche noch Gericht gehalten. Spenralh III. S. 109
Vom h. Norbert ein Altar in der Crypta noch 1128 geweiht. Spenralh II. 19.
13. Spenralh 2. Theil.
14. Schollen: Auszüge aus den Baurechnungen der S. Victorskirche zu Xanten. 1852.
15. Das xantener Stift war ursprünglich den gewöhnlichen Verhaltnissen gemäss abhängig vom Domstifte
zu Cöln. Erst von dem cölnischen Erzbischofe Gunthar (850—873) wurden ihm seine Besitzun-gen zu freiem Eigenthum gegeben nebst dem Rechte ihrer selbständigen Verwaltung und derunabhängigen Wahl eines Propstes; und 853 wurde diese Bestimmung des Bischofs vom KaiserLothar bestätigt. Mooren bei Spenralh III., S. 58 ff. Xanten stieg nun zur Würde eines Archi-diaconats empor und wurde bald sehr angesehen, so dass schon im Anfange des 12ten Jahrhun-derts zwischen den Pröpsten von Xanten und Bonn einerseiIs und dem Propste von St. Gereon inCöln andererseits ein Streit um den Vorrang bei feierlichen Processionen stallfand (Binterim undMooren I. S. 31 ff.) und dass nach alten Urkunden der Propst von Xanten Anspruch daraufmachte,nach dem Propste der Melropolilankirche der erste der ganzen Diöcese zu sein (Binterim etc. I.S.94 ff.). Die Ausdehnung dieses Archidiaconats war ausserordentlich gross; gegen die Mitle des13ten Jahrhunderts umfassle es die Decanale Xanten, Duisburg, Süchteln und Slraelen. S. Liberproeoralionum et pelilionuin archidiaconi Xantensis bei Binterim elc. II. S. I ir. Der oberste Re-präsentant der Ai'chidiaconal-Rcchtc war, wie fast überall, der jedesmalige Propst von Xanten, derdesshalb den Tilel Arehidiaconus führte und, um es kurz zu sagen, in fast allen Dingen die Stelledes Bischofs verlrat. Aus einer Bulle des Papstes Hadrian IV. vom Jahre 1151, durch welche,nachdem alle Urkunden der xantener Kirche durch einen Brand untergegangen waren, die altenGerechtsame des Propstes bestätigt worden, lernen wir diese selbst kennen. Der Propst konntein jedem Jahre auf drei Tage eine Synode berufen, worin alle Achte des Archidiaconats in dersel-ben Kleidung, die sie in erzbischöflicben Synoden trugen, feiner alle Pröpste, Decane und Pfarrer,sowie auch edle Laien erscheinen mussten; er konnte feiner alle drei Jahre in allen Kirchen desArchidiaconats eine Visitation vornehmen lassen , wobei ihm die jedesmaligen Pfarrer behülflichsein mussten; endlich wurden ihm die Rechte auf alle Besitzungen und Pfründen erneuert. DieBulle befindet sich in einem xantener Manuscriple vom Canonicus Arnold Hcymerick aus dem Jahre1401, auf Fol. 27, gegenwärtig in der Königl. Bibliothek zu Berlin unter Nr. 297, worin Vieles
5*