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1 = Abth. 1, Bildnerei (1857)
Entstehung
Seite
8
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EMMERICH.

starb 739. 5 Da wir nun wissen, dass Willibrord von Rom, wo er sich die bischöflichenWeihen holte, viele Reliquien mitbrachte für die Gründungen von Kirchen, so wird derInhalt dieses Schreins die heilige Ausstattung der von ihm gegründeten Martinskirche sein,für welche dann an Ort und Stelle der Schrein gefertigt wurde. Denn die Inschrift sagt aus-drücklich, diese Reliquien schenkte Sergius, sie sagt dieses aber nicht vom Schrein, was manbei dessen Kostbarkeit nicht unterlassen haben würde, wäre er ebenfalls ein Geschenk desPapstes gewesen. Technik und Stil dieses Schreins passen aber weil mehr zur fränkischenKunstweise, als zur italienischen, und dazu wissen wir von dem grossen Eifer, den dieFranken auf die Pracht der Goldarbeiten legten. Der Missionar Eligius; Bischof von Noyon,\ 658, in der Gegend von Limogcs gebürtig, war ein Goldschmied, der sich durch diePracht seiner Goldarbeiten, womit er Kirchen und Märtyrer schmückte, die Gunst Chlotars II.in hohem Grade erwarb. 6 Wir wissen von den mit Gold und Edelsteinen besetzten Tep-pichen zu St. Denis, dem kostbaren mit Gemmen geschmückten Goldkreuz daselbst und zweiThronen, die Eligius, mit Gold und Gemmen verziert, für Chlotar II. verfertigte. 7 War esaber überhaupt Sitte, dass die Geistlichen sich der künstlerischen Thäligkeil hingaben, sowird auch unter den Begleitern Willibrords aus dem heimalblichen Inselland dieser und je-uer gewesen sein, der Gold und Edelstein zu fügen wusste und zu fügen lehrte. Feinheitder Linien in den Filigranbändern und Rohheit alles Figürlichen paart sich in diesemWerke einer sich entwickelnden Fähigkeit, wie wir es bereits in der Einleitung hervorhoben,und wie dies auch Waagen 8 von gleichzeitigen angelsächsischen Miniaturen bemerkt; obgleichwir desshalb den Reliquienschrein nicht unbedingt eine angelsächsische Arbeit nennen möch-ten, indem die kalligrafische Linienmanier ebenso wol zu andern Werken fränkischer Gold-schmiedekunsl, wie zu den gleichzeitigen Münzen passt. 9

Tal'el IV.

1. 2. 3. 4. 5. 6.Die Chorslühle in der Martinskirche zu Emmerich in zwei gegenüberstehenden Dop-pelreihen, von denen wir diejenige zur Rechten in unsrer Abbildung sehen, sammt dem

5. Seilers Leben des Bonifacius I. c. S. 6t.Alcuin c. 6 - 8.

Rellberg, Kirchengesch. Deutschlands II. S. 508.

6. Surius Dec. 12 in der Leg. aur. p. 952.

7. Gesta Dagoberti c. 20 in Historiae Francorum Seriptorcs loin.I. p. 578 und Andoen in Hist. Franc.

Script. I. p. 627. Lenormant (Melanges d'Archöol. 1. p. 158) behauptet, einer von diesen beidenThronen sei der in der Bibliolheque Nationale befindliche, zum Schatze von S. Denis gehörigeThron des Dagobert, welcher im 1 2ten Jahrhundert reslaurirt wurde.

8. Kunst und Künstler in England I. S. 134. S. das Betreffende in der Einleitung.

9. Die Verzierung durch Filigranfäden entspricht ganz den kalligralischen Umrissen auf fränkischen Gold-

münzen, und seheint allgemein angewandt worden zu sein, indem zwei Goldspangen, eine inHouhens Antiquarium zu Xanten und eine andre kürzlich in Meckenheim gefunden, die beide frän-kischen Ursprungs sind, dasselbe Verzierungssyslem zeigen.