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1 = Abth. 1, Bildnerei (1857)
Entstehung
Seite
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EMMERICH.

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Bildwerk der zweiten Reihe, soweit dasselbe nicht schon in der ersten vorkommt. JedeReihe hat eine Länge von 25'; die hinleren haben eine Höhe von 10', die vorderen von4'. Die Rückwand enthält geschnitzte Wappen, wahrscheinlich der Canonichen zur Zeit derStiftung, die sich auf der gegenüberstehenden Seite zum Theil wiederholen. Zwischen die-sen Wappenfeldern befanden sich Statuetten, die sämmllich verschwunden sind, und derenfrüheres Vorhandensein nur aus den Baldachinen und der ihnen correspondirenden, aus derWandfläche hervorspringenden, Säulchen hervorgeht. Die Wangenseite 2 bildet den hinterenlinken Ahschluss, 3 denjenigen rechts; die beiden minder hohen, welche zugleich die Sei-tenlehnen der vorderen Sitzreihe abgeben und deren Abschluss bilden, sind mit zwei Löwenund zwei wilden Männern, welche Marterwerkzeuge in Schilden halten, bekrönt. Den äus-seren Seitenlehnen der nicht abgebildeten Doppelreihe gehören die Affen und Adler an,welchen die weiteren Marterwerkzeuge beigegeben sind. Ausser den Zugängen zu der hin-leren Sitzreihe zwischen den Wangenstücken der Schmalseilen befindet sich noch ein Zu-gang in der Mitte der vorderen Reihe und theilt dieselbe in zwei gleiche Hälften, welche,wie an den Enden, von zwei niedrigen Wangenstücken abgeschlossen werden, die bei dervon uns dargestellten Chorseite rechts zwei mit einem Hunde spielende Affen, links zweiBären, die aus deni Bienenstock fressen, zur Bekrönung tragen (5). Die sich zankendenHunde und der einem Vierfüsser ins Maul schauende Greif gehören den Innenseiten dergegenüberstehenden Sedilien an.

Ausser diesen Thierfiguren, die, ohne Naturcopien zu sein, mit grosser Virtuositätden Charakter der einzelnen Thiere wiedergeben, befinden sich unter allen Sitzen Consolen,die nur beim Aufschlagen sichtbar sind. Sie vergegenwärtigen sämmtlich, wie auch dieSeilenlehnen der einzelnen Sitze, (siehe das Profil unten rechls) Scenen aus der Thierfabel.Wir gedachten bereits der Gebrechen des geistlichen Standes im löten Jahrhundert in derganzen Verweltlichung ihrer Sitten; das geistliche Gewand zog man der Pfründen halber anund achtete nicht der damit verbundenen Pflichten. Die Stifter und Capilel, einst die Pflege-stätten der Wissenschaft, waren Versorgungs-Anstalten für faule und weltlustige jüngere Söhneadliger Familien. 10 Es konnte nicht ausbleiben, dass zur Zeit der Humanisten und derdamit zusammenhängenden reformatorischen Bewegungen der Volkswitz sich der Schwächender Geistlichen bemächtigte; Poesie und Satyre blieben nicht unthälig. Die Kunst war auchlängst nicht mehr wie früher in den Händen frommer Genossenschaften, sie war Eigenlhumder Laien, und die Laien unterliessen nicht, ihren derben Spott über das kirchliche Un-wesen in der Kirche seihst auszulassen. Wo man ohne alle Frage nach innerem Berufden geistlichen Stand wie jedes andere Geschäft seines Nutzens halber ergriff, da konnteder Ernst erwachter Tugend nicht vorhanden sein, die solche Anmassung frech zurück-gewiesen hätte. Man duldete die herbe Satyre und war vielleicht so weit gesunken, indieselbe einzustimmen.

10. Cornelius: Gesch. des Miinsterschen Aufruhrs I. S. 1427 und besonders die Kirchenvisilalion von1533 S. 216.

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