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1 = Abth. 1, Bildnerei (1857)
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H. KUNSTHISTORISCHE ÜBERSICHT.

ruhende Halbsäulen gestelzt sind, wie bei S. Algund in Emmerich und in Duisburg. AlleProfile tragen einen nüchternen und schlichten Charakter," der ebensowol dem Charakterder Reformation wie dem der Volksindividualität entspricht. Cleve hat den ältesten Back-steinbau mit höherem Mittelschiff, (14. Jahi'h.) Calcar, Emmerich und Cranenburg die späterenmit gleich hoben Schiffen. (15. Jahrb.) Nahm die Architektur auf dem Boden der Refor-mation jenen nüchternen Zweckmässigkeitscharakter an, der alle Traditionen des Schmuckesverläugnet, so sehen wir dagegen die Sculplur, in jenem herrlichen Grabmal Adolf I.(Taf. VII.), in den Sacramenlshäuschen zu Gruithausen, Till, Joch, Calcar, Qualburg, Mill-ingen (I. Bd.), Gerresheim, Kempen und Düsseldorf (II. Bd.), in den Goldschmiedearbeitender Reeser Monstranz (Taf. IV.), des Kelches zu Wesel und der Monstranz von Ra-lingen (II. Bd.) u. s. w., vorzüglich aber im Gebiete des Ilolzscbnitzwerkes in einemReichthum und einem Charakter auftreten, wie er nur dem Charakter der Zeit entwachsenkonnte.

Wir sahen Städte und Rürgerthum das wellliche und geistliche Regiment, das siezur Mündigkeit erzog, überwältigen, um nach Möglichkeit zur Selbstrcgicrung zu gelangen.Wie weit gingen nicht hierin Emmerich und Wesel! In Emmerich sah sich schon im 13.Jahrhundert das Stift nicht mehr im Stande, seine Gerichtsbarkeit aufrecht zu erhalten undrief desshalb Geldern zu Hülfe. Wesel hatte 1241 Stadtrechle erlangt und in unaufhörlichenStreitigkeiten um Vermehrung und Sicherslellung ihrer Privilegien macht es schon ein Jahr-hundert später dem Grafen von Cleve zur Bedingung der Anerkennung seiner Oberhoheit,dass sie niemals in der Stadt Wohnung nehmen dürfen. Die Fürsten vereinigen sich gegendie Uebergrifle der Ritterschaft und Städte, 100 und diese gehen so weit, den Gehorsam auf-zukündigen. ,01 Die allgemeine Unsicherheit verlangt Schutzbündnisse für die Reisenden. 102Und analog dieser Willkür und Auflehnung im politischen Leben geht es fast noch schlim-mer im kirchlichen Regimente her. Richtete man dort sogar Edelleute hin, so sliess manhier Aebte aus. Die Geistlichen selbst spotteten über die Zucht in den Klöstern, die Klö-ster wiedersetzten sich der Clausur und Strenge, und der frühere fromme Eifer für geist-liche Stiftungen hatte sich so sehr umgewandelt, dass der Herzog von Cleve nur mit Heim-lichkeit und unter dem Widerspruch des Volkes seine Stiftung zu Grave bei Wesel er-bauen konnte. 103 Allein die Willkür in der Zucht war auch so weit eingerissen, dassman von Rom aus dem Unwesen zu steuern suchte. 104 Es gab Rischöfe ohne Weihe, sieführten den Krummstab nur als wellliches Zepter. Die Abteien, einst die Pflanzstätten deschristlichen Lebens, sie waren jetzt die Versorgungsanstalten der Welllust und des Müssig-

99. Kinkel: die Kirchen am Niederrhein im Kunsthlatt v. 1846.

100. Lac. II. 265 III 72. 104. 241. 1297. 442. IV. 123.

101. Lac. IV. 188.

102. Lac. IV. 204.

103. Heinel III. 320. 340. 406. Borheck clev. Gesell. 286. 485. 534. Lac. IV. 319.

104. Lac. IV. 132.