II. KL'.NSTIIISTOIUSCIIE UISEItSICHT.
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die plötzlich grossartig werdende Wollenweberei in Goch 98 und anderen Orten, reichlichzurück. Denn hei allen Slromhewohnern kommt der mächtigste Einfluss von der Mündung.Der Glanz dieser Epoche beginnt mit der Erhebung Adolf II. zur Herzogswürde und derburgundischen Ileirath, und dauert bis zu Wilhelm IV., eine Periode der grossarligsten terri-torialen Zunahme und der bedeutendsten Machtstellung. In der Kunstentwickelung entsprichtihr die Epoche des Backsteinhaues im 15. und 16. Jahrhundert; jene Epoche, in welcherwir die Balhhäuser zu Calcar, Rees und Wesel, die Stadtthore zu Xanten, jene mit Thür-men flankirlen Caslelle, wie zu Moyland, Kempen, Linn und Ringenberg, und endlich jenegrossen Kirchenhauten zu Cleve, Cranenhurg, Calcar, Emmerich, Weeze, Wesel, Ilamborn,Kempen und Duisburg und andere geringeren Umfanges erstehen sehen; jene Epoche derniederrheinischen Schule des Holzscbnitzwerkes, die, von Calcar ausgehend, die Kirchen zuCalcar, Xanten, Cleve, Emmerich, Straelen, Kempen und andre ausschmückt und dannihren Ruhm nach Danzig verpflanzt. (S. Text zu Calcar.)
Lehnen die fränkischen und romanischen Bauten, die aus dem Material der römischenRuinen, aus dem Tuff, emporwuchsen, sich auch im Stil zunächst an die römischen Tra-ditionen, so empfangen die Backsteinbauten des 15. und 16. Jahrhunderts aus ihrem Mate-rial ebenfalls einen bestimmenden Charakter.
Die reichen Gliederungen des germanischen Bruchsteinbaues, wie sie am clevischenUnterrhein nu, an dem einzigen Beispiel des Xanter Domes vorkommen, mit all dem reichenDetail der Sculptur sind für den Backsteinbau unmöglich. Der Backstein lässt sich nichtaushauen und meisseln; er bedingt grössere Flächen und kann weniger im Einzelnen alsdurch seine Gesammlanlage wirken. Zum wesentlichsten Gliede im Organismus dieses Stileszum Strebepfeiler mit seinen reichen Thürmchen und Fialen, welcher die an Höhe verschie-denen Schiffe untereinander stützt und verbindet, eignet sich der Backstein nicht. DieStrebepfeiler fallen desshalb ganz weg und die Schiffe werden von annähernder und dannvon ganz gleicher Höhe, wodurch die Breitenansicht des Innern an Grossartigkeit gewinnt.Der reiche Aufhau der Thürme vereinfacht sich aus demselben Grunde. Sie erheben sichmeist einzeln üher dem Westportal und sind in sofern in die Kirche hineingehaut, als dieNebenschiffe, wie in Calcar, noch neben den Thurmseiten herlaufen und dadurch die West-linie des Grundrisses mit einer geraden Linie abschliessen. Unverjüngt in breit angelegterviei'eckiger Masse steigen die Thürme empor und sind, wo der schiefergedeckle spitze Helmbeginnt, Gallerien und Wasserspeier, die wie das Stabwerk der blinden Thurmfenster ausSandstein bestehen. Die Querschiffe, wenn sie vorhanden, treten nach aussen nicht vor unddie Chöre sind polygon geschlossen. Im Innern sind die Pfeiler oft rund und mit einemBlätlerkranze anstatt des Capiläls umwunden, wie in Calcar, oft gehen dieselben in die Ge-wölbegurlen über, wie in Hamborn, die dann an ihnen noch durch besondere auf Consolen
98. Nach sicherer Millheilung handelt darüber Dr. Bergrath: „das Wiillcnamt zu Goch" im nächstenHeft der hist. Annalen des Niederrheins.
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