XVIII II. KÜNSTIIISTORISCHE ÜBERSICHT.
in der Weberei kundige Dienerinnen bei sieb führte, berichtet wird, dass sie ein seidenge-webtes Allartucb dem Kloster zu Deutz und golddurcbwebte Messkleider dem Erzbischof vonCöln schenkte. 93
2. 13 urgundisch - cle vi sehe Kunstepoche.
Jene, bis zum 12. Jahrhundert gehende allgemeine rohe aber kräftige, einfache abernatürliche Epoche des selbstständigen Auflehens, die sich, genährt durch antike Erinnerungen,durch Kreuzzüge und Verbindungen mit Byzanz, im 13. Jahrhundert zu jener gewandten undglänzenden Eigentümlichkeit des germanischen Stils herausbildete, führt uns auf dem Gebietedes Niederrheins zu einer auffallenden Lücke der Kunslentwickelung. Freilich die Kaiserbesuchten immer seltener die kaiserliche Pfalz zu Nymwegen, und gewaltigen Ansloss empfingdie Cultur von dort nicht mehr, und selbst das hochwichtige Camp that mehr für Landes-cultur, für seine Gärten und Fischteiche, als für die Kunst. Westfalen war es mehr vor-behalten, den frühen gothischen Styl zu vermitteln, und einige Restaurationsbauten ausge-nommen, finden wir zuerst am Dom zu Xanten diesen Baustil selbstständig auftreten. Wenndas geringere Auftreten des germanischen Stils einestheils auch wol im Mangel des Bruch-steins, anderntheils, gemäss dem am Daseienden haftenden Volkscharakter, an dem langenAusdauern der romanischen Culturperiode begründet liegt, so empfing doch erst durchAdolf II. glanzvolle Regierung, durch seine Verbindung mit Burgund, die ganze Strömungdes Lebens eine neue frische und reiche Bewegung. Waren bisher Nymwegen und Cöln dieBrennpunkte des Lebens gewesen, — denn Cöln sandle ja die Cisterzienser in die Oedenvon Camp 94 , Cöln errichtete hier seine theologische Schule 95 , Cölns Münzsystem war inCleve das gültige 96 , Cöln besass in der romanischen Blüthezeit die Hauplschule der Kunst 97 ,so trat jetzt Burgund mit dem Einfluss seines grossartigen Städtewesens und seines reichenHandels an dessen Stelle. Es ist im ersten Augenblick verwunderungsvvürdig, dass in diesenZeiten des beginnenden religiösen Zwiespaltes und der grossen nie endenden Fehden das geistigeLeben und die schöpferische Kraft so emporwuchsen. Wie aber alle Bewegung das geistigeLeben überhaupt erhöht und beflügelt, so auch vorzüglich die Wissenschaft und Kunst. Hattendoch die Schulen zu Emmerich und Düsseldorf jede an 2000 Scholaren. Für die Wissen-schaft und Kunst entsprang aus allen diesen Fehden und Wirren nur Bewegung; denn wasdie Kriegsfurie auch an Wohlstand zertrümmerte, das war dennoch nicht fähig, das Wachs-thum des Bürgerwesens und der Städtekraft in Emmerich, Rees, Wesel, Goch, Calcar auf-zuhallen; das gab auch die Verbindung mit Holland und Burgund, der Handel der Hansa,
93. Dederich S. 229 Anmerk. 1 und 281 und v. Spaen an mehreren Stellen.
94. Beut dipL Cod. I. S. 88.
95. Lac. II. 809.
96. Lac. II. 1014.
97. Ein Schrein im Schlosse zu Hannover hat, wie schon Fiorillo, und nach ihm Sohnaase anführt,
die Aufschrift Eneelhertus Coloniensis nie fecit.