I. GESCHICHTLICHE üliERSICHT DES CLEV1SCHEI1 iNIEDEIUlUEI.\S.
IX
Arnold Parthei; Der von seinem entmenschten Solme verfolgte Greis verkaufte sein ganzesLand an Rurgund, ein Kauf, den freilieli nach dem Tode Herzog Carls von Burgund sein Schwie-gersolm Maximilian im Bündniss mit Cleve gewaltsam erzwingen musste. 49 Cleve erhielt reichenDank;"' 0 allein dem Pomp reichte bis dahin auch keine Einnahme; wahrscheinlich um nachJerusalem zu gehen, versetzte Johann seine goldenen Geschirre. 51 Und welche Pracht ent-wickelte die herzogliche Familie hei der Victorsiracht zu Xanten! 52 Willkür und Fehde-lust, grenzenlose Pracht und maasslose Ausschweifung waren leider Johann II. (1481—1521)eigen. Am hurguudischen Hofe erzogen, Karl des Kühnen Waffengefährte, konnte er ohnekriegerische Thätigkeit nicht mehr leben; vergebens verstrickte man den Fürsten in sinn-liche Neigungen, um ihn den Waffen zu entfremden. Er gehört von nun an beiden Leiden-schaften. Unklug und treulos vergisst er, was Cleve Burgund verdankt, und tritt gegendasselbe mit Geldern in Bündniss, um eben Geldern doch bald wieder der burgundischenFreundschaft zu opfern. Endlose Fehden waren sein Bedürfniss. 53 Ausser der Kriegslastmusste das heimgesuchte Land noch die Schulden des Herzogs bezahlen, zu denen die grosseZahl ausserehelicher Kinder nicht wenig beigetragen haben mag. Nur seinem politischenAnsehen kann es beigemessen werden, wenn Innocenz VIII. ihm die goldene Böse über-sendet, und die adelichen Damen zu Essen mit seiner Vogtei wohl zufrieden sind. DieCollegiatkircbe zu Cleve erhob er zur Pfarre und bethätigte sich am Bau der Aldegunde-kirche zu Emmerich. 5 - 1 Seinem Sohne Johann III. (1521—39) war es vorbehalten, dieäussere Macht des Länderbesitzes auf jene Höhe zu führen, von der herab sie so bald intragischer Weise sinken sollte. Durch seine Ehe mit der einzigen Tochter Herzog Wilhelmsvon Jülich und Berg, die schon 1496 verabredet ward, vereinigte er nämlich die LänderCleve, Jülich, Berg, Mark Bavensberg, Soest, nebst einer Menge kleinerer Territoiien, zueiner ungekannten Macht; 55 allein die energische Haltung seiner Vorfahren fehlte ihm zuihrer Behauptung und die burgundische Prachtliebe ward zu einer Verschwendung, die ihnoft zu Schulden und Verpfändung nöthigte. Wie angesehen Cleve war, zeigen die Heira-then der herzoglichen Töchter: Johann vermählte sie an die angesehensten Herrscher, dieeine, die unglückliche Anna, an den König Heinrich VIII. von England, die andere, Sibylla,an Johann Friedrich von Sachsen; zeigt der Einfluss, den es über seine Grenzen hinaushatte; denn das Domcapitel zu Minden wählt 1529 seinen Bischof nach des Herzogs RathiJedoch wichtiger als diese Verbindungen war die Erbunion, die er mit Geldern einging,wonach dieses Land nach dem Tode des kinderlosen Carl gegen eine Geldentschädigung an
49. Lac. IV, 330. 31. 35. 42. 50. 54.
50. Goch, Wachlendonk, die Dussel und das Droslenamt zu Ellen: Lac. IV, 351. 57. 69. 70
51. G. v. d. Schüren p. 294. Lac. IV, 303.
52. Proccssionen zu Einen des heil. Victor: Mooren, Allerth. Merkw. von Xanten 111. p
feld, 1838.
53. Lac. IV, 423. 24. 78. 79. 83.
54. Teschem. Urk. Nr. XC1V. Knapp II, 264. Lac. IV. 467.
55. Lac. IV, 474. Ranke: Gesch. der Reformation II, 416 und 447.
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81. Cre-