-..- U - - f'
VIII
I. GESCHICHTLICHE ÜBERSICHT DES CLEVISCIIEiV IN'IEDERRHEINS.
Adolf auf der Kirchenversammlung zu Coslnilz die erbliche Herzogswürde verlieb. 40 Undals ob das Glück in seinem Laufe keinen Stillstand kenne, so gewährte es dem neuen Her-zoglhume noch die ungckannte Ehre eines eigenen besonderen Bischofes für die herzog-lichen Lande. Erzbischof Dietrich von Cöln nämlich, Cleve's Feind in der Soester Fehde,neigte sich zum Gegenpapst Felix V., weshalb Papst Eugen ihn in den Bann that und demzweiten Sohne des Herzogs von Cleve nicht allein die Churwürde von Cöln antrug, sondernihm auch die besondere Erlaubniss ertheilte (1444), einen Bischof für seine Lande unterder Aufsicht des Bischofs von Utrecht zu ernennen. Calcar ward der neue Bischofssitz. 4 'Adolf, der zugleich Vogt von Essen und Werden war, halte stets gefüllte Cassen; denn erstreckte grosse Pfandsummen vor, 42 erwarb sich die grösslen Verdienste um die Begulirungund Eindämmung des Bheinufers, befestigte fast alle seine Städte, wie Wesel und Emmerich,suchte mit Gewalt seine Macht in Duisburg auszudehnen, baute in Calcar einen Palast, ver-schönerte den zu Cleve wie auch die Collegialkirehe daselbst. Er beendete das Präceptoratzu Hau, verlegte das Kloster von Zyfflich nach Kranenburg und gründete auf der Insel beiWesel ein Cartbäuserkloster, wo er mit seiner Gemahlin, die das Brigittenkloster Trappen-baum zu ihrem Wittwensitze errichtet halte, 43 ein zeitweises Grab erhielt, das nach einerVerwüstung in der Dominikanerkirche daselbst seine bleibende Stelle fand. Adolf war einleuchtendes Vorbild seiner Zeit, ein Segen des Landes.
Am burgundischen Hofe war sein Sohn Johann (1448—81) erzogen, für Pracht,Bildung und kriegerische Thäligkeit empfänglich, der lateinischen und französischen Sprachemächtig, weilgereist. 44 Als Feldherr hatte er sich in der Soester Fehde ausgezeichnet undXanten erobert, das, nachdem es ihm sein Vater 1448 abgetreten, Münzen auf ihn prägtemit der Inschrift: Johannes trojanorum rex. moneta nova Troi. 45 Weniger wichtig erscheintes, dass man ihn, den erprobten Feldherrn, als Helfer und Schiedsrichter anruft, 46 dassdie verglichene Soesler Fehde nochmals vom Erzbischof erneuert wird, 47 dass er Münsterund Gent befehdet; wichtiger ist es, dass er das Verhältniss zu Burgund durch eine Ehemit Elisabeth, Tochter Herzog Johanns von Burgund, 1455 aufs Neue befestigt. 48 Freilichbrachte ihn auch seine Stellung zu diesem Hause in blutigen Krieg. In Geldern wütbete Vaterund Sohn gegen einander. Burgund und Cleve nahmen für den ersleren, den unglücklichen
40. Schüren p. 170. Lac. IV. 102. Heymrich: Sex libri Sophislogici. Bertius comment. rer. Genn.
II. CXIX.
41. Lac. IV, 96. 108. 122. 180. 252. Schüren p. 217. Floss: Reihenfolge der Cölner Bischöfe
S. 15. Nr. 13. Senaten An. Päd. II. 629 und Teschemacher p. 294 u. 304.
42. z. B. gegen Dortmund und Rheinberg. Lac. IV, 117. 192. 224.
43. Van Spaen: Jul. tot de Mist. v. Gelderl. 1. p. 14. Lac. IV, 110. 16. 220.
44. Er war in Frankreich, Spanien, Italien und Jerusalem.
45. Lac. IV, 235. 66. 67. 71. 75. 89. 416.
46. Lac. IV, 290.
47. Lac. IV, 289. 306. 327. 28. Die endlosen Akten hierüber bewahrt das Soesler Archiv.
48. Lac. IV, 308.