I. GESCHICHTLICHE ÜBERSICHT DES CLEVISCI1EN RIEDERRIIE1NS.
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anderentheils diese Schwäche der Regenten Erbfehden, Willkuhf und erneute Barbarei aller-wärts herbeiführten. Wenn wir ungeachtet dem in dieser Periode der Zerrüttung die geist-lichen Stiftungen zu Essen, Wissel, Neuss, Gerresheim, Ellenberg, Zyfflicb und etwas späterzu Bees u entstehen sehen, so ist dies ein Beweis, wie unendlich fest das Christenthum dieGemülher beherrschte, wenn auch nur äusserlich. Denn die Gründer von Ellenbcrg undZyfflicb, z. B. die Grafen Wichmann und Balderich und dessen Weib Adela, die TochterWichmanns, geben in ihren scheusslichen Gräueln kein Bild christlicher Gesittung. Nachdes ersten uns genannten kaiserlichen Präfectcn Gottfried Tode halte Wichmann als dessenSchwiegersohn die Präfeclur des Niederrheins übernommen; allein Balderich und die ent-menschte Adela, die Mutter des grossen Bischofs Meinwerk, ruhten nicht, bis sie WichmannWürde und Leben geraubt hatten. Die Gräuel dieses Regimentes sind ein Reflex der durchden Glauben an den Welluntergang um das Jahr 1000 eingetretenen Auflösung; sie beendendiese Epoche des unangreifbar fest begründeten Chrislenlhums, und führen uns nach zeit-weiser Verwirrung in das zweite Jahrtausend hinüber zu festerer politischer Gestaltung derclevischen Herrschaft. Weder ein Abkömmling des römischen Geschlechtes Ursinus, nochder Schwanenritler Elias Grail ward ihr Begründer, 15 sondern Graf Rülger von Flandernist der Slammherr der Dynastie des Landes, das nun unter dem Namen Cleve auftritt 16 , undseine erblichen, schon historisch documentirten Nachfolger Dietrich II. und III.' 7 setzenunmittelbar nach ihm einen Dietrich I. voraus. Sie kämpfen getreu gegen Sarazenenund Rarbaren an der Seite der Kaiser und empfangen den Zoll der kaiserlichen Pfalz zuNymwegen ,s als Lehen. Allein das bedeutsamste Ereigniss dieser Zeit ist die Niederlassungder Cisterzienser durch die Gründung der Abtei Camp unter Arnold II. 1122. 19 Es istdie erste Niederlassung dieses Ordens in Deutschland überhaupt und das Mutterkloster von70 Töchtern. Ackerbau und Cultur gingen von dieser Pflanzstätte weithin aus, die Wissen-schaft fand hier ihre Pflege, und der schnell erworbene Reichlhum der Abtei ist ein Reweisfür die Anerkennung der Geber und das Geschick des Ordens. Norbert, Chorherr zu Xan-ten und später Erzbischof von Magdeburg, ward Stifter des Ordens der Prämonstratenser,und veranlasste Arnold II. zur Umwandlung der Clause Bedburg zu einem Frauenkloslerdieses Ordens. Grosse Stiftungen folgten demselben, wie jene auf dem Fürsteiiberg und zu
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Essen: Lac. I, 69. Wissel und Neuss: Binterim: Erzd. I. p. 84 u. 95. Teschem. p. 205.
Eltenberg: Text zu Taf. I. Zyfflich: Bint. Erzd. I. p. 98. Gerresheim: Lac. I, 68.
Gert v. d. Schiiren: Chronik, herausgegeben von Tross 1824, p, 77. Knapp: Gesch. d. Länder
Jülich, Cleve etc. I. p. 282.Teschemacher An. Cliv. p. 213. Heinel, Gesch. d. preuss. Staates III, p. 19.
16. Dederich: Gesch. d. Römer u. Deutschen etc. p. 298 u. derselbe in den An. d. hist. Vereins
für (1. Niederrhein I. 2. Heft p. 230.
17. Lac. I, 247 wird Dietrich III. genannt.
18. Drei Stück Scharlachluch geben die Grafen als Lehnszins. Ilüllm. I. p. 223.
19. Lac. I, 297. Michels Gesch. v, Camp 1836. Zeilschr. f. ehr. Archäol. I, 3. p. 138.