I. GESCHICHTLICHE ÜBERSICHT DES CLEVISCHEN NIEDERRHEINS.
III
so ausgezeichnet diese auch mit ihren Festungshauten, Heerstrassen und Canälen gewesensein mag, zu jenem ruhigen Besitze überzugehenj dessen eine weitere Culturentwickelungbedurfte. Hatten doch die Castra vetera und die aus ihren Umwohnern entstandene coloniaTrajana nur ein hölzernes Amphitheater. 4 Wie konnte es auch anders sein? Kaum be-gann die Reihe der römischen Cäsaren, als schon der Verfall des römischen Reiches seinenAnfang nahm. Ein so unruhiger Besitz wie das Rheinland war nur aufrecht zu erhaltenbei steler Kraft des Reiches und musste mit dessen Verfall verloren gehen. Mit dem Ver-fall und der innern Verwirrung nahmen bald die AngrilFe der anwohnenden Völkerstämmezu, weshalb schon Diocletian sich genöthigt sah, Mitregenten anzunehmen. Allein dieseAngriffe waren nicht mehr zu verhindern; denn die Hoffnung auf Beute und Tribut sammeltefortwährend herumziehende Sehaaren, die sich stets an Macht und Grösse vermehrten. DerGesammlname für diese Reihe von den Römern nicht bezwungener Schaaren, Franken,tritt schon in der Mitte des dritten Jahrhunderts am Niederrhein auf. 5 Es waren gewissjene Menapier dabei, von denen wir erwähnten, dass sie niemals Gesandte um Frieden anCäsar schickten, jene Sigambrer, welche ihrer rohen Kraft halber der Schrecken der Römerwurden. Und von letzteren wissen wir es ausdrücklich; redete doch der h. Remigius dengetauften Chlodwig: „Milis depone colla, Sicamber!" an. Diese wilden Schaaren in jenerungeheuren Vereinigung, in jener verwüstenden und raubenden Treulosigkeit, die sie solange von den Römern erduldeten, verheeren Städte und Länder und, obgleich Julian noch-mals die Kraft der Legionen aufbot und aus den Trümmern die Castelle aufs Neue erstehenHess, so überliess man ihnen schon um die Hälfte des vierten Jahrhunderts Strecken derLänder bis zum Meere hin, die sie verödet hatten und die man ihnen nicht mehr entreis-sen konnte.
Die ältesten Nachrichten unterscheiden die Franken als Salier und Ripuarier; dieersteren wohnen an der Yssel und in Brabanl 6 jenseits der Maass; diesseits der Maass, zu-meist an der linken Rheinseite, mit ihrem Hauptsitze Cöln, finden wir die letzteren bis zurMosel sich ausbreiten." Allein neben Cöln ist auch gewiss ursprünglich Xanten ein Haupt-ort gewesen. Schon um die Mitte des siebenten Jahrhunderts findet sich die Angabe vomtrojanischen Ursprung der Franken 8 überhaupt; und da sich die fränkische Benennung lüttgeTroja für Xanten an diese Meinung knüpft, so erbellt daraus die frühe Bedeutung der frän-
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4. Fiedler: Denkmäler von Castra Velera und Colonia Trajana in Houbers Anliquarium 1839.Fiedler: Römische Denkmäler der Gegend von Xanten und Wesel 1824.
Dedcrich: Geschichte der Römer und Deutschen am Niederrhein 1854.
Spenralh und Mooren: Alterthiimliche Nachrichten von Xanten. 3 Hefte. 1837 und 38.
5. Rospatt: Kritische Beitrage zur ältesten Geschichte der Franken. S. 5. Leo, Geschichte des Mittel-
alters. S. 49.
6. Ledebur: Bructerer, und Türfc: Kritische Geschichte der Franken. Eckertz: Ripuarerland. An.
d. hist. Vereins 1855.
7. Rospalt S. 20.
8. Rehm: Geschichte des Mittelalters I. S. 301. Braun: Trojaner am Rhein 1856.
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