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Trost für 1849 : mit 4 Holzschn.
Entstehung
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Ist sie nicht vielmehr Allen fast ohne Ausnahme eine rein praktischeFrage, eine Frage der bloßen änßeren Zweckmäßigkeit geworden?

Sie glauben nicht mehr an die Idee des Gottesgnadenthums und leug-nen dagegen nicht mehr die ideale Wahrheit der neuen Rechtsidee; dennoch käm-pfen sie für jene, an welche sie nicht glauben, gegen die Realisation dieser, welchesie nicht zu leugnen vermögen ^ aus Gründen des praktischen Lebens wie siesagen, das ist: aus Gründen ihres materiellen Vortheiles. Sagt, heißt das aberetwas anderes, als daß sie den Geist maßregeln wollen nach der Materie; dasRecht beschneiden wollen nach dem Vortheil; heißt das etwas anderes als derPolitik des — Räubers folgen? Wenn sie die ideelle Wahrheit der neuen Rechts-idee nicht zu leugnen vermögen und dennoch aus praktischen Gründen sich der-selben widersetzen zu müssen glauben, ist das etwas anderes als das Eingeständ-niß: daß Interessen vorhanden sind, die weder mit ihrer eigenen noch mit deröffentlichen Vernunft der Gegenwart überhaupt Harmoniren; ist dieses Eingeständ-nis) nicht aber auch zugleich das Urtheil, daß diese Interessen ihre sittliche Be-rechtigung verloren haben? Und hat die Sprache einen andern als jenen hartenNamen für die Befriedigung solcher Interessen?

Aus derselben Ursache, aus welcher die Mächtigen und Reichen der Ent-wicklung entgegenstrcben, indem sie aus Gründen ihres materiellen Vortheiles demGeist und dem Recht ins Angesicht schlagen, aus derselben Ursache entspringtaber auch zu allen Zeiten die ebenso natürliche und nothwendige Erscheinung,daß alle diejenigen, deren Bedürfnisse und Interessen in der bestehenden Ord-nung nicht die genügende Befriedigung finden, sich dem neuen Gedanken anschlie-ßen und ihn mit der Kraft ihrer Bedürftigkeit zur Realisation zu bringen suchen.

Ohne die sich sehnende Hoffnung der Armuth und des Elends würdeder Entwickelung der Hebel und der Cultur das Rüstzeug fehlen. Jene Thorendie den Kampf für das neue staatliche Ideal der Gegenwart dnrch den Hinweisauf das Elend und auf das bedürftige Interesse der Mehrzahl seiner Streiterzu verdächtigen suchen, sie ahnen nicht, daß sie ihn nur um so mehr erheben undveredeln. Ja, ja; dieses Elend, welches sie so trefflich zu schildern wissen — umzu verdächtigen, nicht um abzuhelfen — dieses Elend soll gemildert werden, dasist der materielle Inhalt jenes Ideals, ist der äußere Zweck des Kampfes und istein rechter, sittlicher und edler Zweck, und die da kämpfen und sterben für ihn, diekämpfen und sterben in Gott gegen das Reich der Pharisäer, gegeil das Reich derSünde und des Unrechts. Freuet Euch, Ihr Kämpfer der Revolution uud ihresheiligen Zweckes, freut Euch, daß es so ist, daß Ihr durch Euer Interesse zugleichfür die Idee, und durch die Idee zugleich für Eure Interessen streitet. Freuet Euch,daß die Forderungen dieser mit den Forderungen jener im Ginklang sind; denndiese Harmonie ist das Zeichen, daß Eure Interessen sittlich berechtigt sind und daß

Euer Kampf für dieselben ohne Sünde und geheiliget ist. Seid stolz, daß es soist, und daß Ihr nicht Eures Vortheils wegen zum Lügner zu werden braucht auEurem eigeuen Geist — wie Eure Feinde. — Wenn von diesen noch Einer da ist,der in Wahrheit noch glaubt: daß der Gott im Himmel die Könige, Fürsten undHerren und deren Familien mit besonderen Rechten über die anderen Menschen be-gnadet uud zu Obrigkeiten über die Völker gesetzet habe, der hat ein Recht denStein auf Euch zu werfen; der kämpft sündlos gegen Euch zur Aufrechthaltungder alten Ordnung uud deren Interessen, die auf solchem Glanben ruhen.

Aber ist wohl noch Einer da? Sind nicht vielmehr Alle mit Euch desGlaubens: daß Gott zu allen Menschen gleich nah und gleich ferne stehe, nndmüssen sie daher nicht mit Euch des Glaubens sein: daß nun auch nnr dasjenigewahrhaft zn Recht bestehe und als sittlich bindendes Gesetz Befolgung sich er-zwingen dürfe, was ans dem Willen aller jener vor Gott — und deshalb anchin der Welt — Gleichberechtigter hervorgehe? Müssen sie deshalb nicht auchdes Glaubens sein: daß kein einzelner Mensch oder eine Familie, noch eine Anzahloder eine Kaste, für ihren Eigenwillen den Rang eines solchen Gesetzes beanspruchenkönne, ohne eine Lästerung und Todsünde gegen Gott uud ein Verbrechen gegendie Menschheit zu begehen? Und müssen sie deshalb nicht mit Euch des Glau-beus sein: daß es Pflicht gegen Gott und gegen die Menschheit ist, solche Sündeund solch Verbrechen zu verfolgen und zu vernichten? Müssen sie endlich nichtanch der Meinung sein: daß jede Ordnung, die auf solcher Gotteslästerung rnht,und durch Fortsetzung derselben sich erhält, selbst eine gotteslästerliche nnd nnheiligesei; und daß daher auch alle Interessen, die sich im Schutz derselben mästen, ihrersittlichen Berechtigung verlustig und vom Raub nicht mehr verschieden sind? —

O, in der Theorie geben sie Ench recht, weil die Logik sie zwingt; aberin der Praris nicht, und diese letzten Konsequenzen betreffen eben die Praris.Wegen dieser für ihre Interessen allerdings unzweckmäßigen Konsequenzen unter-stützen sie im praktischen Leben die fortgesetzten Produktionen der göttlichen Gesetz-gebung, an welche sie auf dem Boden der Theorie nicht mehr glauben. AusGründen des praktischen Lebens — ihres Vortheiles — dulden sie die Lüge undbetheiligen sich an dem Frevel mit dem Namen Gottes und an dem Frevel mitdem geheiligten Namen des Rechtes. Aber nicht genug, daß sie dieser Zweckmä-ßigkeit — in Bezug auf ihre materiellen Interessen — ihren eigenen Glanben undneben der materiellen Nothdurft auch noch die ideellen Rechte ihrer Mitmenschenunbedenklich opfern, haben sie ihretwegen auch noch sogar die Leiber derselben vorden Nichterstuhl solcher, kraft göttlicher Machtvollkommenheit oktroyirten (abereben deshalb, kraft des heutigen Glaubensbekenntnisses, aller sittlichen Be-rechtigung und deshalb rechtlicher Gültigkeit entbehrenden) Gesetze zu ziehen ge-wagt und haben getödtet im Namen solcher Gesetze.

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