i. J. 1120 ist Konrad. 587
Stellungen hier einzugehen, dürfte jedoch nicht viel angebrachter sein, als etwa gegen dieverschiedenen Denkmale der Erinnerung zu eifern, mit denen die Pietät der Bürger Frei-burgs eines Bertold als des Gründers ihrer Stadt heute gedenkt.
Ich bemerke noch: es giebt noch einen Eall, in dem Konrad's Name in der Tradi-tion zu Gunsten des Namens Bertold vergessen wurde: Herzog Konrad ward erster Rectorvon Burgund, aber der sonst in mancher Beziehung gut unterrichtete St. Galler Vadianusist doch der Meinung, Herzog Bertold „der jüngere" (!) sei zu der Landgrafschaft Burgundgekommen.
Um nun auf die weiteren einzelnen Quellen zu kommen, so sagen
d) die Ann. Marbacenses MGSS. XVH (= Ann, Argent. plen. bei BöhmerFontes III) S. 157 von Bertold H zu 1092 hie preterito anno in proprio allodio BrisaugieFribürch civitatem iniciavit. Die Marbacher Annalen stammen aus dem Anfang des13. Jahrhunderts und haben ihre Darstellung der älteren Zeit fast ausschliesslich bekanntenQuellen entnommen; der Satz, der soeben citirt wurde, ist in eine ganz und gar aus Ber-nold entlehnte Stelle eingeschoben (durch fehlerhafte Beibehaltung der kleinen Letternwird in der Ausgabe der MG. der Eindruck hervorgebracht, als stamme auch dieser Satzaus Bernold). "Woher das Einschiebsel direct genommen ist, ist nicht festzustellen, aberwo, wie und durch wen auch die sog. Marbacher Annalen entstanden sein mögen, der Satzsieht durch das in proprio allodio so aus, als sei er einer Reminiscenz aus dem PreiburgerStadtrecht oder etwa einer Uebertragung desselben an einen anderen Ort entsprungen.Der Wahrscheinlichkeit dieser Nachricht stehen nun aber nicht nur die vorhin genanntenund weiter zu nennenden Quellen, sondern vor allem auch innere Gründe entgegen: dasJahr 1091 war im Lande Alamannien ein schlechter Zeitpunct für die Gründung einesMarktortes, dessen Besuchern der — selber in Fehde stehende — Herzog Frieden undGeleit verbürgte; ferner dürften wir doch wohl von Bernold und anderen Schriftstellern,die an Herzog Bertold II Antheil nehmen und viel von ihm berichten, erwarten, dass sieauch der etwa geschehenen Gründung Freiburgs gedächten; drittens würde in jenem Falledoch wohl eine Amtshandlung Gebhard's von Constanz oder sonst irgend eine Nachrichtüber die Stadt bis zum Jahre 1120 hin zu erwarten sein, würden auch insbesondere dieälteren Nachrichten aus St. Peter die aufblühende Stadt nicht so durchaus ignoriren. "Wirkönnen also nur an einen Irrthum des hier wohl selbständigen Compilators der Ann. Mar-bac. denken und diesen Irrthum sich zu erklären fällt nicht so schwer, wenn man sich ver-gegenwärtigt, dass dem Urheber des Einschiebsels das Jahr der Gründung Berns [von derwohl Niemand glauben wird, dass Bertold V damit eine Säcularfeier beging] 1191 und dasvon St. Peter 1093 zu der einen Zahl 1091 in einander verschwimmen mochten.
e) Die Annalen von St. Trudpert MGSS. XVII 290 sagen zu 1118: hoc anno conditaest Fribürch a duce Bertholdo. Diese Breisgauischen Annalen stammen erst aus dem Endedes 13. Jahrhunderts, sie schreiben für die ältere Zeit andere Quellen aus, zwischen denenjedoch die soeben wiedergegebene Nachricht steht, ohne dass ihre Herkunft bisher erkenn-bar wurde. Dieselbe Nachricht aber findet sich auch in der „Genealogia Zaringorum", dieich nur desshalb den Ann. St. Trudperti nachstelle, weil ihre Entstehungszeit immerhinzweifelhaft bleibt. Diese lapidarisch gehaltene Uebersicht der Geschichte des Zähringer-hauses liegt in einer kürzeren Form im Thenenbacher Lagerbuch von 1341 (daraus ge-druckt b. Leichtlen, die Z., S. 92 und wiederholt bei Baumann, Freib. Diöc.-Arch. XIV.83 ff.) und in einer ausführlicheren, die erst in den Sammlungen des St. Petriner Abts P.